1. Hallo, Tanja,

    ich habe im Laufe der Jahre gelernt, dass wirklich jeder ersetzbar ist. Der eine besser, der andere schlechter – und da spielt die These um den Glauben der Unersetzbarkeit wirklich eine wichtige Rolle. Ich gehe davon aus, dass eine gute Vorbereitung für mich, meinen Chef und meine Vertretung alle um so besser arbeiten lässt. Da kann es nicht heißen, das weiß ICH, das sage ich dir nicht – da muss es heißen: Ich gebe dir gerne meine Informationen.
    Wiedervorlagen werden mit Notizen versehen – Aufgaben bekommen Checklisten – Ablagen werden für jeden verständlich gestaltet. Das ist das A und O – und je besser solch eine Vorbereitung gehandhabt wird, desto besser ist auch meine Vertretung. Nichts ist schlimmer, als nach dem wohlverdienten Urlaub zu hören: Wir haben nichts gefunden.
    Ich verlasse abends mein Büro und schalte ab. Da gibt es nach Feierabend keine dienstlichen Kontakte und darum bin ich froh. Der Feierabend und das Wochenende und die Urlaube gehören ganz und gar mir – nur so bin ich auf Arbeit auch wieder 100 % einsatzbereit und kann all meine Aufgaben zur Zufriedenheit aller erledigen.
    Beste Grüße
    Cornelia Wittig

  2. Petra

    Hallo Tanja

    meine Vorgängerin war immer eine Geheimniskrämerin, die Ablage ein Irrgarten und der Schreibtisch bog sich unter der Last. Klar bekam sie nach Vertretungen zu hören, dass nichts lief, interpretierte dies aber fälschlicherweise immer als Kompliment. Die Vertretung litt so sehr, dass sie krank wurde.
    Als „der Vorzimmerdrache“ oder auch „die graue Eminenz“ wegging hoffte sie insgeheim, das „alles den Bach runtergeht“ und ärgerte sich, dass es ohne sie eben doch weiter ging.
    Sie ging weg und nach drei Monaten war sie vergessen.

    Es gab einen fliegenden Wechsel an den „Frischling“, Informationen wurden bewusst verschwiegen, Serientermine gelöscht, Fristen gab es keine und plötzlich und unerwartet war Projektende.

    Mit meinen Kolleginnen haben wir einen „runden Tisch“ gebildet. Ablage komplett neu. Aktenplan angelegt, Handlungsanweisungen erstellt, Serientermine eingestellt, Leseberechtigungen im Outlook eingerichtet, Verläufe und Fristen transparent gestaltet.
    Was ich weiß wissen auch meine Kolleginnen und was meine Kolleginnen wissen weiß auch ich.
    Seiher gehen alle entspannter in den Feierabend, Wochenende und Urlaub. Keiner wird mehr krank wenn das Wort „Vertretung“ im Raum steht. Für den Fall der Fälle haben wir eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet und bisher nie gebraucht, außer für entspannte Urlaubsgrüße (wenn man denn will). Wir gehen sogar außerhalb der Firma mal ins Café und sprechen dann NICHT über die Arbeit.

    Zum guten Schluss lebe ich in den wohligen Bewusstsein, dass wenn ich mal gehe bestimmt jemand mit frischen Ideen kommt, die das Arbeiten leichter machen und das ist gut so, sehr gut sogar.

    Liebe Grüße
    Petra

    Dieses „Unentbehrlichmachen“ vieler Menschen ist tückisch, auf lange Sicht reibt man sich auf.

    … und wenn ich mal gehe kommt auch jemand neues, der auch wieder neue Ideen hat. Und das ist gut so.

  3. Ingeborg

    Hallo Tanja,

    wenn ich diesen Artikel lese, dann habe ich etwas Magenschmerzen. Natürlich ist im Grunde jeder ersetzbar. Und natürlich muss im Urlaub auch mal ohne gehen. Aber man kann das Ganze auch unter einem anderen Blickwinkel betrachten.
    Schon heute neigen viele Chefs zu der Überzeugung: “ wer nicht exakt meiner Meinung ist oder wer mir widerspricht, der fliegt. Wenn nicht der/die, dann eben ein/eine andere/r“. Dieser Artikel verstärkt das sicherlich noch. Und auch wenn jede neue Mitarbeiterin frischen Wind bringt, so geht doch vieles verloren. Wir sind nicht unersetzlich. Nein, das nicht. Aber jede bringt ihre eigene Persönlichkeit, ihre eigene Sichtweise auf die zu erledigenden Aufgaben, ihre eigenen Fähigkeiten und Schwerpunkte mit. Und in diesem Sinne sind wir tatsächlich einzigartig. Als Arbeitskraft sind wir austauschbar, als Person nicht. Wer uns nur auf die erledigten Aufgaben reduziert beraubt uns unserer Persönlichkeit.

  4. Karoline Breuer

    Guten Tag Tanja,

    ich halte mich nicht für unersetzlich.

    Allerdings habe ich keine Vertretung und meine Chefs warten mit ihren Angelegenheiten, bis ich wieder da bin.

    Über meine Signatur informiere ich alle ein paar Wochen vor meinem Urlaub, über meine Abwesenheitstage, sodass ich noch alles Wichtige für den Zeitraum vorab erledigen kann.

    Ich bin seit 2002 im Unternehmen, bisher hat es so funktioniert.

    Beste Grüße
    Karoline Breuer

  5. Hallo Tanja,

    es hängt davon ab, ob man Teamworker oder Einzelkämpfer ist. Als Einzelkämpfer schließe ich mich der Meinung von Karoline Breuer an. Man versucht im Vorfeld alles zu klären und vorzubereiten. Findet dann leider nach Ende des Urlaubs seinen Schreibtisch mit viel Arbeit vor. Besser hat man es als Teamworker, wenn es eine Vertretung gibt, die alle notwendigen Informationen vorfindet und problemlos die begonnenen Dinge fortführen kann. Dass sie dabei manches anders macht und andere Sichtweisen hat, ist ja kein Problem. Das Ergebnis zählt.
    Ich hatte auch schon eine unmittelbare Kollegin, die in ihrer Abwesenheit die Aktenschränke verschloss und das Stromkabel der (damals hatten wir das noch) Schreibmaschine verschwinden ließ. Wie unersetzlich man sich damit macht und wie vorgeführt man sich da als Vertretung vorkommt, kann sich jeder denken. Glücklicherweise ist das schon lange her und das Zusammenarbeiten mit meiner jetzigen Kollegin ist wesentlich angenehmer.
    Viele Grüße
    Ilona Salzmann

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