Osborn-Methode – mit neuen Ideen zu besseren Lösungen

Mit neuen Ideen zu besseren Lösungen
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Etwas muss sich ändern – nur was? Unbefriedigende Zustände gibt es im Arbeitsleben zuhauf. Die Vorstellungen darüber, was geändert werden soll, driften auseinander, oder aber es fehlen die Ideen. Für solche Situationen gibt es im Ideenmangement die Osborn-Methode.

Die Osborn-Methode wird auch als Umkehrmethode bezeichnet. Im Geschäftsleben eignet sie sich ausgezeichnet zur Nachbereitung von Brainstormings. Bestimmt haben Sie das schon im Team erlebt: Motiviert setzt man sich zusammen, sammelt Ideen und Lösungsansätze, und schließlich kann man sich nicht für den einen oder anderen Weg entscheiden oder liegt sich in den Haaren, welches denn nun die richtige Lösung sei.

Die Osborn- oder Umkehrmethode

Osborn ging das kreative Problemlösen rückwärts an. Er nahm die Problemlösungen und stellte fest, dass durch Umstrukturierung des Problems nach bestimmten Fragen die richtigen Lösungen hätten gefunden werden können. Er entwickelte dazu einen Fragenkatalog, der systematisch entweder im Team oder in Einzelarbeit abgearbeitet wird.

Vorteile

Aus einer bereits bestehenden – nicht sonderlich originellen – Problemlösung lassen sich mit der Osborn-Methode weitere Ideen herauskristallisieren, welche vorher gar nicht sichtbar waren. Durch die Beantwortung der Fragen und den Perspektivenwechsel weitet sich das persönliche Sichtfeld und die Offenheit gegenüber anderen Sichtweisen wird gefördert.

Das brauchen Sie

Alle Hilfsmittel, die Sie für die Osborn-Methode brauchen, haben Sie an Ihrem Arbeitsplatz:

  • ein Blatt Papier,
  • Stifte,
  • 60 Minuten Zeit,
  • und den nachfolgenden Fragenkatalog.

Wenn Sie die Osborn-Methode bei einer Teamsitzung anwenden möchten, verwenden Sie statt des Blatts Papier ein Flipchart oder ein Whiteboard.

So gehen Sie vor

Fokussieren Sie sich auf das Sie beschäftigende Thema. Ihr „Ausgangsthema“ ist ein bestimmtes Problem, zum Beispiel der Kundenservice, den Sie verbessern möchten, die alljährliche Betriebsfeier, die Sie beim nächsten Mal origineller gestalten möchten, oder auch bestimmte Prozessabläufe, die sich nicht als optimal erwiesen haben.

Arbeiten Sie dann den Fragenkatalog von Osborn Punkt für Punkt im Stil eines Brainstormings durch. Notieren Sie sich alle gesammelten Ideen. Fassen Sie am Ende der Sitzung die neu gefundenen Möglichkeiten zusammen. Jetzt haben Sie genug Ideen, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Sollten Sie wider Erwarten keine Klarheit erzielt haben, machen Sie einen Tag Pause und wiederholen Sie die Überlegungen dann noch einmal.

Beachten Sie diese Regeln

Osborns Methode ist eng mit dem Brainstorming verwandt. Brainstorming arbeitet zwar ohne Fragenkatalog, doch die Spielregeln sind genau die gleichen:

  • Es gibt keine Denkverbote. Alle Gedanken, die zum Thema passen, sind erlaubt.
  • Es gibt keine Kritik an den Beiträgen und Ideen anderer. Denn die Erfahrung zeigt, dass sich kreative Ansätze auch aus zunächst völlig unsinnigen Vorschlägen entwickeln lassen.
  • Die Ideen werden nicht bewertet oder beurteilt.
  • Ausgefallene und fantasievolle Ideen sind willkommen. Dadurch wird das Lösungsfeld vergrößert.

Der Fragenkatalog der Osborn-Methode

Lesen Sie die zehn Osborn-Basisfragen. Manches mag beim ersten Lesen für Ihren Job skurril klingen, doch es lohnt sich, darüber nachzudenken. Vielleicht kommt Ihnen auf diese Weise eine zündende Idee. Diese Technik wird heute weltweit in Unternehmen für alle möglichen Herausforderungen eingesetzt.

1. Anderer Verwendungszweck?
Gibt es eine andere Gebrauchsmöglichkeit dafür? Wie kann es anders verwendet werden? Was kann übernommen werden?

2. Anpassung?
Wofür kann es alternativ verwendet werden? Für andere Personen, wenn das Objekt verändert wird? Gibt es Ähnliches, was man damit nachahmen könnte?

3. Veränderung?
Wie kann es verändert werden? Lassen sich Farbe, Form, Material, Geruch, Gewicht, Größe usw. verändern?

4. Vergrößerungsmöglichkeiten?
Was wäre, wenn man es vergrößern würde? Kann etwas hinzugefügt werden? Kann es dicker oder schwerer gemacht werden? Kann die Häufigkeit gesteigert werden? Kann der Wert gesteigert werden?

5. Verkleinerungsmöglichkeiten?
Was wäre, wenn man es verkleinern würde? Können Teile weggelassen werden? Kann man es leichter, dünner, billiger oder kürzer machen? Können Sie es aufspalten? Oder als Miniatur verwenden?

6. Ersetzungsmöglichkeiten?
Welcher Teil lässt sich austauschen? Kann es ganz oder teilweise ersetzt werden? Lassen sich Elemente aus anderen Zeiten, Produkten, Lösungen, Kulturen usw. einfügen anstelle von Vorhandenem?

7. Neuordnung?
Wie könnte es neu angeordnet werden? Kann es umgebaut werden, können Teile davon umgestellt werden? Lässt sich die Reihenfolge ändern? Lassen sich Ursache und Wirkung umdrehen?

8. Umkehren – Kopfstand?
Können Sie das Gegenteil der Idee machen? Wie sieht die Idee spiegelverkehrt aus? Um 180 Grad gedreht? Positiv oder negativ vertauschen?

9. Kombinationsmöglichkeiten?
Können Sie die Idee mit anderen Vorschlägen verbinden? Was lässt sich kombinieren? In ein größeres Ganzes einfügen? In Bausteine zerlegen?

10. Transformation?
Kann es ganz oder teilweise transformiert werden? Lässt es sich durchsichtig machen, verflüssigen, ausdehnen, schrumpfen, durchlöchern, …?

Bestimmt ist Ihnen aufgefallen, dass viele der aufgeführten Fragen so formuliert sind, dass sie sich auf ein Produkt beziehen – gerade Punkt 10 ist ein typisches Beispiel dafür. Mit etwas Einfallsreichtum können Sie die Fragen aber abstrahieren und an Ihren Arbeitsbereich anpassen. So könnte „durchsichtig machen“ mehr Transparenz in der Kommunikation meinen, „verflüssigen“ kann auch bedeuten, Strukturen aufzubrechen und fließender zu gestalten, „ausdehnen“, „schrumpfen“ oder „durchlöchern“ lässt sich uminterpretieren und auf die Beschaffenheit von Projekten übertragen.


Mehr Tipps zum Thema Ideenmanagement finden Sie in der Juni-Ausgabe des sekretaria-Magazins.


Beispiele für den Sekretariatsalltag

Musterbeispiel 1: Unser Pausenraum soll mehr bieten!

  1. Anderer Verwendungszweck: als Ruheraum, Fortbildungsraum
  2. Anpassung: Liegestühle anbieten
  3. Veränderung: modernere, bequemere Möbel
  4. Vergrößerungsmöglichkeiten: Abendveranstaltungen stattfinden lassen
  5. Verkleinerungsmöglichkeiten: Nutzung nur in den Pausen möglich
  6. Ersetzungsmöglichkeiten: Ausweichen auf die Gartenanlage
  7. Neuordnung: Mittagessen anbieten
  8. Umkehren/Kopfstand: Mitarbeitende kochen mit und kreieren neue Menüs
  9. Kombinationsmöglichkeiten: Meditationsseminare können hier stattfinden
  10.  Transformation: öffentlich machen

Musterbeispiel 2: Wie sollen unsere Visitenkarten aussehen?

  1. Anderer Verwendungszweck: als Scheckkarte, Ausweis, Eintrittskarte, Fahrkarte
  2. Anpassung: Merkzettel, Bild, Autogrammkarte, Geschenkanhänger
  3. Veränderung: sprechend mit Klingelton, duftend in Orangenform, als USB-Stick, aus Kork
  4. Vergrößerungsmöglichkeiten: die größte Visitenkarte der Welt, Banner am Flugzeug, Videoclip, Werbeplakat, Leporello, als Schmuckstück
  5. Verkleinerungsmöglichkeiten: winzig mit Lupe, als Puzzle, auf Chip, Kettenanhänger, integriert in Spielzeug
  6. Ersetzungsmöglichkeiten: Video, bedruckter Heißluftballon, auf Briefumschlägen gedruckt, leuchtend
  7. Neuordnung: als Lied, Quer- und Längsformat, Bild etc.
  8. Umkehren/Kopfstand: spiegelbildlich schreiben und Spiegel mitgeben
  9. Kombinationsmöglichkeiten: Präsentationsgrafik, Fernsehwerbung, Product Placement im neuen James-Bond-Film, gemeinsam mit Schokoladenwerbung
  10. Transformation: Schrift erscheint durch Erwärmung, entfaltet sich als Minihandbuch

Die Autorin Claudia Behrens-Schneider berät und trainiert Sekretärinnen und Assistentinnen für die Herausforderungen in ihrem Alltag. Sie ist auch Dozentin für die Seminare der sekretaria Office Akademie zum Thema „Die Assistenz 3.0“.

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