Flurfunk – Wie gehe ich mit Klatsch um?

Flurfunk – Wie gehe ich mit Klatsch um?
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Klatsch und Tratsch sind so alt wie die Menschheit selbst. Gerüchte gab es immer und wird es auch immer geben. Das Bedürfnis des Menschen ist zu groß, Wissenslücken durch Spekulationen zu schließen. Als Assistenz sind Sie in einer „Sandwich-Position“ und es ist wichtig, dass Sie mit Klatsch und Tratsch professionell umzugehen wissen.

Schon gehört? Wir werden verkauft. Der Versand soll in den Osten verlagert werden und ein Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird entlassen. Die Geschäftsleitung hat beschlossen, die Verantwortlichkeiten anders zu verteilen.“ Nahrung für den Flurfunk. Mutmaßungen wie diese verbreiten sich in Windeseile.

Die erstaunlichen Kräfte der Gerüchte

In Zeiten beruflicher Verunsicherung finden Gerüchte den besten Nährboden. Gerüchte haben auch etwas Verbindendes: Wer Gerüchte austauscht, kommt miteinander ins Gespräch. Es hat etwas Konspiratives, das einen zusammenrücken lassen kann. Gerüchte entfalten erstaunliche Kräfte und können eine Menge Schaden anrichten. Zudem kosten sie die Firma viel Geld, da die Belegschaft die Arbeitszeit mit Klatsch und Tratsch verbringt statt mit der Erfüllung der Aufgaben. Manchmal entstehen grundlos die wildesten Geschichten.

Das wirkt sich im schlimmsten Fall negativ auf die Arbeitsatmosphäre und auf die sozialen Beziehungen aus.

Wie reagieren?

Wenn Sie als Assistenz mit einer solchen Situation konfrontiert werden, dann hilft nur eins: Sprechen Sie Ihren Chef darauf an, dass in der Belegschaft Informationsbedarf vorhanden ist.

Ein Beispiel

In Kürze:
Auf eine Welt ohne Gerüchte zu hoffen ist wohl aussichtslos. Sie können jedoch viel dafür tun, die Auswirkungen und Lebensdauer von Gerüchten zu verringern. An die Vernunft zu appellieren und Gerüchten nicht blind zu glauben ist ein Schritt in die richtige Richtung. Sie verbreiten sich zwar rasend schnell, aber wenn immer mehr dafür spricht, dass sie nicht wahr sind, verschwinden
sie auch ebenso schnell. Manchmal reicht es schon, den Zweifel laut auszusprechen, um sicherzustellen, dass die Karriereleiter des Gerüchts unterbrochen ist.

Ein Vorstand geht in den Ruhestand. Der Nachfolger ist noch nicht offiziell bestimmt. Die Gerüchteküche kocht. Es werden Vermutungen und Prognosen angestellt, wer wohl die Nachfolge antreten wird. Für die Betroffenen bedeutet diese Situation Veränderungen, vielleicht Umstrukturierung und schlimmstenfalls Entlassungen – die berufliche Existenz ist bedroht. Und das Schlimmste dabei: Niemand kann mit Gewissheit sagen, welches Szenario eintritt.

Gehen Sie auf Distanz!

Auf dem Gang könnten Sie als Assistenz mit den Worten konfrontiert werden: „Frau Assistentin, Sie sind doch so nah an der Unternehmensführung und bekommen so viel mit. Wer wird denn Nachfolger von Herrn Mustermann?“ Die einzig richtige Antwort darauf ist: „Ja, Sie haben recht, ich bin nah an der Unternehmensführung und habe eine Vertrauensposition.“ So halten Sie sich aus der Diskussion heraus, ohne Position zu beziehen, und bieten keinen Nährboden für weiteres Gerede.

Üble Nachrede und Intrigen

Schwieriger wird es, wenn der Flurfunk einzelne Personen betrifft. Zwischen Klatsch und übler Nachrede gibt es eine Grauzone. Wenn etwa darüber geredet wird, dass die neue Kollegin sich die Führungsposition erschlichen habe oder dem älteren Kollegen ein Alkoholproblem nachgesagt wird, kann das für den Betroffenen schwere Folgen haben. Es gibt immer Kollegen, die Gerüchte streuen, ohne nachzudenken, was Sie dadurch anrichten können. Manche Gerüchte werden auch in gewisser Absicht gezielt gestreut.

Mehr dazu in der November-Ausgabe:

Die Sekretärin als Geheimnisträgerin
Wie sie in Ihrem Unternehmen Vertraulichkeit sicherstellen

Wie reagieren?

Sind Sie selbst betroffen, fordern Sie den „Gerüchtestreuer“ auf, Farbe zu bekennen. Reagieren Sie authentisch und verlangen Sie, die Behauptungen offen zu wiederholen. Sind Sie Zeuge von Gerüchten über andere, gehen Sie nicht darauf ein, sondern antworten: „Das will ich nicht wissen“ oder „Das will ich nicht hören“. Meist gerät die Gerüchteküche durch eine solche Aussage ins Stocken. Noch deutlicher ist die Aussage: „Ist Ihnen eigentlich bewusst, was Sie damit anrichten können, wenn Sie so etwas behaupten?“

Die Autorin Kerstin Uebler ist nach über 25 Jahren Sekretariatserfahrung Sekretärin der Geschäftsleitung „Entwicklung Betriebswirtschaftliche Produkte“, DATEV eG, Nürnberg.

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