Grundsätze der neuen Rechtschreibung

Rechtschreibung

Die neue Rechtschreibung gibt Ihnen – das ist neu in der Geschichte der deutschen Orthografie – eine Reihe von Regeln an die Hand, die es Ihnen ermöglichen, auch ohne den Blick ins Wörterbuch korrekt zu schreiben.

Diese Regeln folgen drei Grundsätzen:

  1. Substantive (Haus, Leben, Zukunft) und substantivierte Wörter (das Schönste, der Alleinstehende) schreibt man groß
  2. Verwandte Wörter schreibt man entsprechend dem Wortstamm gleich (nummerieren von Nummer, Schlosssaal wegen Schloss und Saal usw.).
  3. Aufeinanderfolgende Wörter werden vorzugsweise getrennt geschrieben, entsprechend bevorzugt die neue Rechtschreibung die Getrenntschreibung.

Der Anteil der neuen Schreibung ist, bezogen auf einen durchschnittlichen deutschen Text, nicht groß. Schon deshalb braucht niemand vor der neuen Rechtschreibung Angst zu haben. Der weitaus häufigste Fall einer Neuschreibung ist die Konjunktion dass, wie in ich glaube, dass… Sie ist geradezu das Erkennungszeichen der neuen Rechtschreibung, und Sie werden sich, dank der Pressetexte, schon an sie gewöhnt haben.

Die Rechtschreibung besser verstehen

Alle Orthographiesysteme folgen gewissen Prinzipien. Um die neue Rechtschreibung besser verstehen zu können, sollten Sie sich die Prinzipien der deutschen Rechtschreibung einmal klargemacht haben. Es sind die folgenden drei:

  1. Buchstaben entsprechen Lauten (Lautprinzip).
  2. Die Schreibung leitet sich vom Wortstamm ab (Stammprinzip).
  3. Die Schrift lebt nicht vom Wort allein – sondern auch von der Silbe (Silbenprinzip).

Nach Lauten schreiben – das Lautprinzip

Dieses Prinzip (aller Alphabetschriften) besagt, dass einem Laut in der Regel ein Buchstabe oder eine Buchstabenkombination entspricht. Daher können wir im Deutschen z. B. das Wort kalt mit einiger Treffsicherheit nach dem Gehör schreiben. Wenn Kinder Schreiben lernen, befolgen Sie zuerst einmal diese Regel: Es ist deshalb auch nicht ungewöhnlich, wenn die siebenjährige Katharina Entschuldigung als in schuldigung undGeburtstag als geburztag zu Papier bringt.

Achtung Ausnahmen!

Dass das Lautprinzip in der deutschen Rechtschreibung aber nicht ausnahmslos gilt, erkennt man z. B. durch den Vergleich von kalt und bald: Obwohl bald nach der deutschen Standardsprache genau wie kalt mit t am Ende gesprochen wird, wird es mit dgeschrieben! So etwas bereitet beim Schreibenlernen natürlich Kopfschmerzen und kann im Gebrauch zu Unsicherheiten führen. Doch hier greift das nächste Prinzip:

Nach dem Wortstamm schreiben – das Stammprinzip

Dieses Prinzip kann man sich ebenfall leicht am Beispiel von bald klarmachen: Geschrieben wird nach dem Wortstamm bald-, den Sie auch in Bälde baldig usw. finden. Sie erinnern sich vielleicht an die Eselsbrücke, die Sie dazu in der Grundschule gelernt haben:

bald mit -d wegen baldig

Kleid mit -d wegen Kleider

weit mit -t wegen weiter…

Der Stamm aller verwandten Wörter soll also möglichst gleich geschrieben werden. So kann man sie leichter erkennen, was das zügige Lesen fördert. Das Stammprinzip kann allerdings dem Lautprinzip direkt widersprechen: Wir haben ja gesehen, dass nach dem Lautprinzip im Standarddeutschen bald mit -t geschrieben werden müsste!

Wörter zerlegen – das Silbenprinzip

In einem Wort wie Rose muss die Länge des Vokals (Selbstlautes), hier „o“, nicht geschrieben werden: Wenn eine betonte Silbe (hier: Ro-) auf einem Vokal endet – man spricht von „offener Silbe“ -, ist der Vokal lang. So lautet die Silbenregel für diesen Fall. Wir schreiben nicht Rohse, also kein Dehnungs-h.

Ganz so einfach ist es allerdings leider nicht. Überlegen Sie einmal, wie andere Wörter geschrieben werden, die so ähnlich klingen wie Rose, also auch mit einer offenen Silbe beginnen. Kohle z. B. schreiben wir sehr wohl mit Dehnungs-h. Sie sehen also, dass auch das Silbenprinzip keineswegs durchgängig gilt. Vor r, l, m und n wird das h nämlich in der Regel geschrieben.

Aber das ist immer noch nicht die ganze Wahrheit der neuen Rechtschreibung: In Sole (mit der Bedeutung „kochsalzhaltiges Wasser“) fehlt das Dehnungs-h, weil man Sole dadurch von der Schuhsohle unterscheiden wollte. Man spricht hier von „Unterscheidungsschreibung“, d.h. der Vermeidung von gleicher Schreibung für gleich klingende Wörter, die eine unterschiedliche Bedeutung haben. Sinn ergibt das ebenfalls: Beim schnellen Lesen bekommen wir so eindeutige Hinweise, welche der Bedeutungen gleich lautender Wörter denn nun gemeint ist: Dies gilt nicht nur für Wörter mit offenen Silben, z. B. Boote vs.Bote, sondern auch für die Unterscheidungen zwischen Leib und Laib, Verse und Ferse, usw.

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