Konflikte erkennen und richtig reagieren

Konflikte erkennen und richtig reagieren
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Als Sekretärin haben Sie besonders sensible Antennen für die Befindlichkeiten und Wehwehchen Ihrer Kollegen. Doch leider ist es nicht immer leicht, Konflikte zu erkennen.  Und wenn es erst zum offenen Streit kommt, ist es oft schon zu spät. Deshalb sollten Sie Ihren Blick für Spannungen im Unternehmen noch mehr schärfen. Am Kopierer diskutieren zwei Kollegen über Kleinigkeiten? Sie bemerken, dass die beiden sich zunehmend aus dem Weg gehen? Dann wissen Sie: Hier braut sich Ärger zusammen. Egal, ob Sie sich zwischen die Streithähne stellen oder Ihren Chef informieren – wichtig ist, dass Sie rechtzeitig eingreifen.

Wie Sie auch verborgene Konflikte erkennen

In der Regel beginnt jeder Konflikt mit einem Problem. Nur selten entstehen Auseinandersetzungen grundlos. Allerdings werden Konflikte im Beruf nicht immer offen und für alle sichtbar ausgetragen. Häufig handelt es sich um verdeckte und von anderen kaum wahrzunehmende Unstimmigkeiten. Mit etwas Erfahrung und Sensibilität werden Sie dennoch Anzeichen für aufkeimende oder bereits bestehende Konflikte erkennen.

Sichten Sie das Konfliktpotenzial

Um aber Warnzeichen für eine Auseinandersetzung richtig interpretieren zu können, benötigen Sie zusätzliche Informationen. Sammeln Sie deshalb alle für den Konflikt relevanten Hinweise, insbesondere zu Ursachen und Hintergründen, den Rahmenbedingungen sowie über die Beteiligten und ihre Interessen. Eine solche Sichtung des Konfliktpotenzials ist mühsam. Sie verhindert aber, dass Sie sich allein von Emotionen leiten lassen. Eine gute Vorbereitung und entsprechende Analyse trägt dazu bei, Fehleinschätzungen und Schubladendenken zu vermeiden. So weichen Sie möglichen Fallstricken und Stolpersteinen aus und verschaffen sich für die weitere Auseinandersetzung eine bestmögliche Ausgangsposition.

Ein Tagebuch hilft, den Konflikt zu verstehen

Mit der Zeit wird es immer schwieriger, sich an zurückliegende Streitpunkte zu erinnern. Aufzeichnungen können hier eine sinnvolle Gedächtnisstütze sein. Anlässe und Themen, aber auch die Einstellungen und Verhaltensweisen der Beteiligten lassen sich so besser analysieren und in ihrer Systematik erkennen. Legen Sie sich deshalb ein Konflikttagebuch an. Dieses sollte Datum und Ort, den Problemhintergrund, die Beteiligten und den konkreten Anlass sowie die Auswirkungen des Konflikts dokumentieren.

Haben Sie etwas zum Konflikt beigetragen?

Natürlich sind an Auseinandersetzungen in der Regel mehrere Personen beteiligt. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch Sie die Entstehung und den Verlauf eines Konflikts beeinflussen können. Fangen Sie deshalb zunächst bei sich an: Klären Sie, welchen Anteil Sie am Konfliktgeschehen haben. Nehmen Sie eine ehrliche Selbsteinschätzung vor. Anders ausgedrückt: Bevor Sie Ihre Kollegen oder bestimmte Umstände verantwortlich machen, sollten Sie abklären, ob nicht Sie selbst der Auslöser des Konflikts sind.

Wie sieht es aus im Unternehmen? Objektive Bedingungen für Konflikte

Sind Sie sich nun über Ihren persönlichen Beitrag zu der Konfliktsituation im Klaren, sollten Sie Ihr Augenmerk auf das breite Spektrum weiterer Konfliktbedingungen richten. Alle auf einer sachlichen Ebene liegenden und relativ leicht nachvollziehbaren Einflüsse und Ursachen zählen zu den objektiven Konfliktbedingungen. Dazu gehören neben den moralischen Grundsätzen und den Zielen des Unternehmens, seinem Aufbau und seinen Strukturen, den Arbeitsaufgaben und -abläufen, Normen und Werten auch die zur Verfügung stehenden Mittel und Ressourcen.

Ein Beispiel: Herr Rieger kann in seiner Firma nicht auf flexible Arbeitszeiten hoffen und muss auch auf die Möglichkeit einer regelmäßigen Fort- und Weiterbildung verzichten. Der Arbeitgeber von Frau Schüber hingegen sorgt mit einer entsprechenden Infrastruktur – vom Betriebskindergarten bis zum Betriebssport – für das Wohl der Beschäftigten. Während sich hier Psychologen und Sozialarbeiter um die Lösung von Problemen kümmern, sucht Herr Rieger entsprechende Hilfsangebote vergebens.

Jedes Unternehmen bietet also Bedingungen, die Konflikte entweder fördern oder aber verhindern. Finden Sie heraus, inwieweit sich derartige Einflüsse auf das Konfliktpotenzial an Ihrem Arbeitsplatz auswirken.

Es wird persönlich: subjektive Bedingungen für Konflikte

Konflikte am Arbeitsplatz entwickeln sich nie allein aufgrund schwieriger Arbeitsbedingungen oder einer bestimmten Unternehmenssituation – immer steuern Menschen etwas dazu bei. Deshalb spielen auch subjektive Bedingungen für das Konfliktpotenzial und -geschehen eine wichtige Rolle. Von persönlichen Gefühlen und Interessen geleitete Handlungen sind für andere Menschen besonders schwer nachzuvollziehen. Persönliche Merkmale, Einstellungen und Verhaltensweisen gehören ebenso dazu wie das Beziehungsverhältnis zwischen den Konfliktparteien. Anders ausgedrückt: Menschen verhalten sich nicht immer wie erwartet oder erwünscht. Sie reagieren empfindsam, wenn sie sich ungerecht behandelt oder unwohl fühlen. Sie können aggressiv werden oder sich zurückziehen. Sie können einfühlsam und hilfsbereit sein, aber auch andere übergehen und sich besser darstellen, als sie sind. Sie können sich ebenso unterordnen und zurücknehmen wie ihre Mitmenschen dominieren und für ihre Interessen einspannen. Kurz: Sie sind alles andere als perfekt. Lernen Sie daher, diese subjektiven Konfliktbedingungen einzuschätzen.

aus: Fehlau, Eberhard G.: Konflikte im Beruf: Erkennen, lösen, vorbeugen