Streit als reinigendes Gewitter

Bloß kein Streit! Ist das auch bei Ihnen in der Abteilung das oberste Motto, wenn es zu Meinungsverschiedenheiten kommt? Vorsicht, diese Einstellung kann gefährlich werden. Dann nämlich, wenn alle Differenzen unter dem Deckmäntelchen einer scheinbaren Harmonie so lange vor sich hinbrüten, bis sie sich zu einem großen Konflikt verdichten. Da ist es besser, wenn es von Zeit zu Zeit einmal kracht! Denn so hat Frust gar keine Chance, sich aufzubauen. Ein guter Streit kann also die Wirkung eines reinigenden Gewitters haben. Voraussetzung ist allerdings, dass sich alle Beteiligten an einige wenige Regeln halten.

Wenn Harmonie zum Problem wird

Harmonie um jeden Preis kann etwas sehr Destruktives an sich haben. Sie kann Kritik unterbinden, denn das könnte der andere ja falsch auffassen. Sie kann auch verhindern, dass Missverständnisse offen angesprochen werden, denn damit unterstellt man ja dem Gegenüber, es wolle einen verletzen oder einem etwas Böses tun. Schlimmstenfalls führt erzwungene Harmonie dazu, dass sich über einen langen Zeitraum hinweg Frust aufstaut, der einerseits krank machen kann und andererseits irgendwann einmal in einem heftigen Konflikt eskaliert. Plötzlich kommt auf einmal all das auf den Tisch, was in der Vergangenheit schief lief, verletzt hat und runtergeschluckt wurde. Dann ist eine sehr wichtige Voraussetzung nicht mehr gegeben, um einen Konflikt zu lösen, nämlich die Sachlichkeit.

Sprechen Sie Differenzen an

Lassen Sie es nicht so weit kommen. Wenn Sie sich über einen Kollegen oder auch Ihren Chef richtig ärgern, sprechen Sie das Problem an. Wobei die Betonung auf „sprechen“ liegt. Das bedeutet, dass Sie nicht gleich lospoltern, wenn Sie sich angegriffen fühlen, sondern erst einmal tief durchatmen und versuchen, etwas Abstand zu gewinnen. Der Vorteil dabei: Sie können in einem sachlichen Tonfall reagieren, damit wird Ihr Einwand gleich viel ernster genommen. Dann können Sie aber auch deutlich sagen, was Sie denken.

Richtig streiten heißt fair bleiben

Möglicherweise reagiert ihr Gegenüber nun erschrocken und entschuldigt sich. Allerdings: Wenn Sie ein Problem ansprechen, müssen Sie auch damit rechnen, dass Ihr Kollege oder Ihr Chef bei seiner Meinung bleibt und Ihnen kontra gibt. Dann kann es zwischen Ihnen auch schon mal laut werden. Wenn Sie sich alle an Regeln dabei halten, muss ein Streit aber nichts Schlechtes sein.

  • Keine Schläge unter die Gürtellinie! Das ist wohl die wichtigste Regel beim Streiten. Auch wenn der Tonfall vielleicht schärfer werden sollte, versuchen Sie niemals, den anderen emotional zu verletzen. Solche Verletzungen heilen nur sehr langsam, das Verhältnis zwischen Ihnen ist möglicherweise dauerhaft beschädigt. Außerdem tragen Schläge unter die Gürtellinie nichts dazu bei, den strittigen Sachverhalt zu klären. Und darum geht es doch eigentlich im Streit darum – eine Lösung für eine bestehende Meinungsverschiedenheit zu finden.
  • Den anderen ausreden lassen! Zu einem Streit gehören immer mindestens zwei Parteien und damit mindestens zwei Meinungen. Wenn Sie den Streit ernsthaft beenden wollen, müssen Sie sich mit den Argumenten der Gegenseite auseinandersetzen und versuchen, ein gemeinsames künftiges Vorgehen zu finden. Wenn Sie die Gegenseite nicht ausreden und nur Ihre Argumente gelten lassen, werden Sie vielleicht Ihren Frust los, sorgen aber gleichzeitig für Frust bei Ihrem Streitgegner. Früher oder später werden Sie dann wieder mit dem Thema konfrontiert werden – und wer weiß, wie die Vorzeichen dann stehen, ob eine gemeinsame Lösung dann noch möglich ist.
  • Ein versöhnliches Ende finden! Nicht jeder Streit endet mit einer gemeinsamen Lösung. Das kennen Sie bestimmt: In der Diskussion stellt sich heraus, dass bestimmte Sachzwänge eine gewünschte Lösung nicht zulassen. Oder der Aufwand dafür ist viel zu hoch und nicht zu rechtfertigen. Das kann passieren. Wichtig ist, dass Sie und auch alle anderen Beteiligten dann einen versöhnlichen Abschluss finden. Sie haben eine Änderung versucht und Sie konnten Ihre Argumente vorbringen. Diese wurden ernst genommen und anerkannt, aber leider findet sich keine Lösung, um allen gerecht zu werden. Manchmal ist das schon das Beste, was man erreichen kann. Das geht jedem von uns so, man kann nicht immer gewinnen. Verbuchen Sie auch ein solches Gespräch als Erfolg. Und gehen Sie im Guten auseinander.

Wenn Sie und auch Ihr Konfliktpartner mit dieser Einstellung in ein Streitgespräch gehen, kracht es vielleicht einmal – aber danach hat sich wie bei einem richtigen Gewitter die dicke Luft verzogen.

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