Grammatik im Griff

Grammatik im Griff
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Wie ist es richtig: „dank seines Einsatzes“ oder „dank seinem Einsatz“? Solche und ähnliche Grammatikfragen stellen sich im Office häufig, etwa wenn Sie eine Rede für Ihren Chef schreiben sollen. Wie gut ist Ihr Wissen in Sachen Grammatik?

Während sich die Rechtschreibung mit der korrekten Schreibung einzelner Wörter beschäftigt, geht es bei der Grammatik um die Beziehungen der Wörter und Satzteile untereinander, um Wortarten und Zeitformen, um Singular und Plural, um Fälle und Formen.

Die gute Nachricht ist, dass Sie die deutsche Grammatik in der Regel automatisch und ohne groß darüber nachdenken zu müssen richtig verwenden, wenn Sie mit der deutschen Sprache aufgewachsen sind. Sie wissen, dass es nach „die Stifte“ „sind blau“ heißen muss und nicht „ist blau“, dass das Passiv mit „werden“ gebildet wird (ebenso wie das Futur) und dass sich Adjektive dem Nomen anpassen, wie in „der blaue Stift“, aber „die blauen Stifte“. Dennoch hält die deutsche Grammatik ein paar Fallen bereit, die immer wieder für Kopfzerbrechen sorgen.

Der Konjunktiv

Die Anwendung und die Bildung des Konjunktivs gehören mit Sicherheit zu den schwierigsten Fragen in der deutschen Grammatik. Der Konjunktiv heißt auch Möglichkeitsform. Unterschieden werden zwei Formen: der Konjunktiv 1 und der Konjunktiv 2.

Wie wird der Konjunktiv gebildet?

Der Konjunktiv 1 wird vom Präsensstamm eines Verbs gebildet; zum Beispiel „schreiben“:

  • Er schreibe. (Konjunktiv 1)
  • Er schreibt. (Präsens, Stamm wird mit „ei“ gebildet)

Der Konjunktiv 2 wird vom Präteritumstamm des Verbs gebildet:

  • Er schriebe. (Konjunktiv 2)
  • Er schrieb. (Präteritum, Stamm wird mit „ie“ gebildet)

Zudem kommt oft die sogenannte „würde“-Form zum Einsatz: Er würde schreiben.

Der Konjunktiv in der indirekten Rede

Zu den häufigsten Einsatzfeldern des Konjunktivs gehört die indirekte Rede. Die brauchen Sie möglicherweise ab und zu in Protokollen. Allerdings sind die Regeln weit weniger kompliziert, als es zunächst wirkt.

  • Die indirekte Rede steht in der Regel im Konjunktiv 1.
  • Die indirekte Rede nutzt immer die gleiche Zeitform wie die direkte Rede.

Vor allem die zweite Regel sorgt schnell für Verwirrung, ist aber bei genauerem Hinsehen nicht schwierig.

Direkte Rede Indirekte Rede
Ich schreibe einen Brief.Er sagt, er schreibe einen Brief.
Ich habe einen Brief geschrieben. Er sagt, dass er einen Brief geschrieben habe.
Ich werde einen Brief schreiben.Er sagt, er werde einen Brief schreiben.

Den Konjunktiv 2 setzen Sie dann ein, wenn der Konjunktiv 1 und die Präsensform identisch sind und es daher zu Missverständnissen kommen kann: „Der Vorstandsvorsitzende berichtet von den Treffen mit den Vertretern der Banken. Diese hätten ihre Bereitschaft zu weiteren Investitionen signalisiert.“ So ist klar, dass es sich um eine Darstellung des Vorstandsvorsitzenden handelt. Der Konjunktiv 1 „Diese haben ihre Bereitschaft zu weiteren Investitionen signalisiert“ ist hingegen nicht eindeutig: Handelt es sich um einen Bericht oder um eine Tatsache? Daher kommt hier der Konjunktiv 2 zum Einsatz.

Stimmt dann wiederum der Konjunktiv 2 mit dem Indikativ im Präteritum überein, nutzen Sie „würde“, um den Konjunktiv 2 zu bilden. „Sie sagt, dass die Kollegen nicht arbeiten würden.“ Tatsächlich wird „würde“ heutzutage häufig eingesetzt, wenn der Konjunktiv gefordert ist und gilt mittlerweile als umgangssprachlich korrekt. Im professionellen Umfeld sollten Sie aber besser darauf verzichten.

Starke und schwache Verben

Während Sie den Konjunktiv bilden, merken Sie es schon: Verben verhalten sich bei der Konjugation unterschiedlich. Bei einigen ändert sich der Vokal: „ich falle – du fällst – ich fiel – du bist gefallen“. Das sind die sogenannten starken Verben. Andere hingegen ändern den Vokal bei der Konjugation nicht: „ich kaufe – du kaufst – ich kaufte – du hast gekauft“. Sie bilden zudem das Präteritum und das Partizip mit einem „t“. Das sind die sogenannten schwachen Verben.

Diese Unterscheidung ist für den Konjunktiv 2 wichtig, denn auch er vollzieht bei den starken Verben einen Wechsel im Vokal. Das macht es manchmal schwierig, die richtige Form zu finden, zumal der Wechsel oft, aber nicht immer parallel zum Präteritum verläuft. Im Zweifelsfall helfen Konjugationstabellen weiter, die Sie zuhauf im Internet finden.

Präsens Präteritum Konjunktiv 2
Ich denke.Ich dachte.Ich dächte.
Du befiehlst.Du befahlst.Du beföhlest. (von „befohlen“, aber auch „befählest“ ist richtig)
Sie liest.Sie las.Sie läse.
Er zieht.Er zog.Er zöge.

Präpositionen

Präpositionen sind Verhältniswörter. Zu ihnen gehören Wörter wie „auf“, „seit“, „von“, „während“, „gegenüber“ und „inklusive“. Sie treten immer in Verbindung mit einem anderen Wort – oft einem Nomen – auf, dessen Kasus (Fall) sie bestimmen. Sie legen also fest, ob der Akkusativ, der Genitiv oder der Dativ folgt. Zahlreiche Präpositionen verlangen auch verschiedene Fälle für unterschiedliche Aussagen:

  • „Das Buch liegt auf dem Tisch.“ – Dativ, definiert den Ort
  • „Sie legte das Buch auf den Tisch.“ – Akkusativ, definiert die Richtung

Solche einfachen Präpositionen bereiten in der Regel keine Schwierigkeiten. Die folgenden Verhältniswörter dagegen schon eher:

PräpositionFall/Kasuskorrektes Beispiel
abzüglichGenitivabzüglich Genitiv abzüglich des Skontos …
abzüglich der Differenz …
aufgrundGenitivaufgrund des schlechten Wetters …
dankGenitiv/Dativdank seines Einsatzes
dank seinem Einsatz
einschließlich Genitiv einschließlich aller Kosten
entsprechend Dativ entsprechend unserem Angebot
gemäß Dativ gemäß seinem Alter
während Genitiv während des Treffens

Präpositionen können übrigens vor und hinter dem Nomen stehen:

  • Gemäß der Aussage des Kollegen …
  • Dem Kollegen zufolge …

Kongruenz

Grammatische Kongruenz bedeutet, dass zusammengehörende Satzglieder formal übereinstimmen. Das Subjekt steht im Plural – das dazugehörende Verb ebenfalls: „Die Kugelschreiber liegen im Schrank.“ Neben solch offensichtlichen und einfachen Übereinstimmungen gibt es aber eine ganze Reihe Zweifelsfälle in Sachen Kongruenz. Heißt es „Fuchs & Partner suchen neue Mitarbeiter“ oder „Fuchs & Partner sucht neue Mitarbeiter“? Ist „Sie alle hoben die Hand“ richtig oder doch „Sie alle hoben die Hände“?

Firmennamen

Werden Firmennamen wie „Traugott & Partner“ oder „Schult und Schulz“ als Subjekt im Satz verwendet, kann das Verb sowohl im Singular als auch im Plural stehen. Es sind also beide Möglichkeiten richtig: „Traugott & Partner suchen neue Mitarbeiter“ und „Traugott & Partner sucht neue Mitarbeiter“.

Anders sieht es aus, wenn der Firmenname im Plural steht, der Zusatz aber im Singular steht: „Duftseifen-Werke GmbH“. Dann müssen Sie das Verb ebenfalls in den Plural setzen: „Die Duftseifen-Werke GmbH erweitern ihre Produktion.“ Ist die Gesellschaftsform hingegen nicht Zusatz, sondern Namensbestandteil, verwenden Sie den Singular: „Die Seifen-GmbH steckt in Schwierigkeiten.“

Eine Sache bei mehreren Subjektiven

Wenn Sie eine Sache bei mehreren Subjektiven bezeichnen, müssen Sie den Singular nutzen. Es heißt also: „Sie alle hoben die Hand“, etwa wenn es um eine Abstimmung geht. Wenn Sie schreiben: „Sie alle hoben die Hände“, heben die bezeichneten Personen beide Hände – etwa wenn Sie einen Überfall beschreiben. Hier bestehen also Bedeutungsunterschiede, die sich in der Grammatik niederschlagen.

Die Autorin Cordula Natusch ist Chefredakteurin des sekretaria-Magazins, freie Texterin und Redakteurin sowei Bloggerin bei www.arbeiten-im-sekretariat.de (www.redaktion-natusch.de)

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