Geben Sie Mobbing keine Chance

Eine Frau wollte eine Rekordentschädigung von 900 000 Euro wegen Mobbing vor Gericht erstreiten. Sie scheiterte, denn nicht jeder Konflikt, so das Gericht sinngemäß, bedeutet, dass Mobbing vorliegt. Nichtsdestotrotz ist Mobbing in vielen Unternehmen ein Problem. Wenn Sie bemerken, dass Kollegen dauerhaft und systematisch angefeindet und ausgegrenzt werden, sollten Sie eingreifen. Zunächst müssen Sie herausfinden, ob Sie es mit Mobbing oder einem normalen Konflikt zu tun haben. Liegt Mobbing vor, sollten Sie eingreifen, etwa indem Sie dem gemobbten Kollegen unmittelbar Ihre Unterstützung zeigen.

Wo Menschen zusammenarbeiten, sind Konflikte nicht zu vermeiden – diese Erfahrung haben Sie sicherlich auch schon gemacht. Mit einer konstruktiven Streitkultur lassen sich Auseinandersetzungen im Berufsleben in der Regel schnell beilegen. Problematisch wird es allerdings, wenn sich Konflikte verfestigen und Kollegen dauerhaft und systematisch angegriffen werden. Für die Betroffenen ist ein solches Mobbing eine starke psychische Belastung. Zudem kann es sich langfristig sogar auf das gesamte Betriebsklima auswirken. Machen Sie Ihren Chef unbedingt auf solche Missstände aufmerksam, denn er muss einschreiten.

Wann liegt Mobbing vor?

Der Begriff „Mobbing“ ist mittlerweile zu einem Modewort geworden und wird oft für alle möglichen Arten von Auseinandersetzungen verwendet. Doch es gibt klare Unterschiede zu einem normalen Konflikt. Von Mobbing sprechen wir, wenn Angriffe gegen eine Person wiederholt, regelmäßig und über einen längeren Zeitraum (z. B. sechs Monate) hinweg erfolgen. Außerdem kommt es früher oder später zu einer Eskalation und der Betroffene gerät langfristig in eine unterlegene Position, sofern er sich nicht schon von Anfang an in einer solchen Lage befand.

Wenn es sich dagegen um einen isolierten Vorfall handelt und beide Parteien gleich stark sind, liegt ein herkömmlicher Konflikt vor. Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen, die wieder beigelegt werden, gelten im Arbeitsleben als normal und daher nicht als Mobbing. Es wird allgemein erwartet, dass sich Frust oder Unmut immer mal wieder in Form eines „reinigenden Gewitters“ entladen.

Die Merkmale des Mobbings

Systematisches Mobbing kann sich im Alltag auf verschiedenen Ebenen abspielen. Es kann sich um kommunikative Attacken handeln oder um Versuche, den Betroffenen im Unternehmen zu isolieren.

Folgende Verhaltensweisen sind typisch für Mobbing:

  • Kollegen unterbrechen den Betroffenen ständig oder lassen ihn nicht zu Wort kommen.
  • Sie bedrohen ihn mündlich oder schriftlich.
  • Sie kritisieren ständig seine Arbeitsleistung.
  • Sie beschimpfen oder beleidigen ihn oder machen sich über ihn lustig.
  • Sie verweigern indirekt oder direkt den Kontakt mit ihm.
  • Sie sprechen nicht mehr mit dem Betroffenen und behandeln ihn wie Luft.
  • Die räumliche Nähe mit dem Betroffenen wird gemieden.
  • Kollegen machen den Betroffenen hinter seinem Rücken schlecht und verbreiten Gerüchte.
  • Sie greifen seine politische oder religiöse Überzeugung an.

Häufig versuchen die Aggressoren auch, Einfluss auf die Berufs- und Lebenssituation des Betroffenen zu nehmen. Dies geht in der Regel von seinen unmittelbaren Vorgesetzten aus – hierfür wird auch der Begriff „Bossing“ verwendet:

  • Die Vorgesetzten weisen dem Betroffenen keine Arbeitsaufgaben mehr zu. Im Extremfall wird ihm jegliche Beschäftigung genommen.
  • Die zugewiesenen Arbeiten sind sinnlos, unter Niveau oder erniedrigend.
  • Die zugewiesenen Aufgaben überfordern und liegen über Niveau, sodass sie nicht bewältigt werden können.
  • Die zugewiesene Arbeit ist ständig neu und/oder zu viel.

In Extremfällen kann es sogar zu gezielten Angriffen auf Körper und Gesundheit des Betroffenen kommen. Sexuelle Handgreiflichkeiten und Belästigungen gehören in diese Kategorie.

Extratipp: Ein weiteres Phänomen ist das sogenannte Cyber-Mobbing über Internetseiten, z. B. Facebook, oder elektronische Kommunikationsmittel wie Handys. Inhalte im Internet lassen sich schlecht kontrollieren und verbreiten sich schnell. Die Täter sind zudem schwer zu ermitteln und können oft anonym bleiben.

Mobbing frühzeitig erkennen

Am besten ist es natürlich, wenn Sie einen Mobbingfall in Ihrem Unternehmen erkennen, bevor sich die Situation zuspitzt. Im Sinne eines Frühwarnsystems sollten Sie daher hellhörig werden,

  • wenn sich Kollegen über Angriffe auf ihre Person oder ihre Arbeit beschweren, auch wenn es sich zunächst nur um „Kollegenscherze“ zu handeln scheint.
  • wenn sich immer dieselben Kollegen in die Haare geraten, trotz aller Vermittlungsversuche – es könnte sich um ein grundlegendes Problem handeln.
  • wenn einzelne Kollegen isoliert werden und keine Rückendeckung mehr erhalten.
  • wenn ein Mitarbeiter entgegen seiner bisherigen Art auf einmal Aufgaben aus dem Weg geht.
  • wenn gehäuft Fehlzeiten und krankheitsbedingte Ausfälle auftreten.
Was Sie selbst tun können

Wenn Sie feststellen, dass ein Kollege ins Kreuzfeuer geraten ist, gibt es eine Reihe von Sofortmaßnahmen, mit denen Sie den Betroffenen unterstützen können. Machen Sie sich aber ein möglichst neutrales Bild von der Situation, bevor Sie einschreiten. Bemühen Sie sich, nicht in den Konflikt hineingezogen und verstrickt zu werden.

Das können Sie tun, wenn Kollegen gemobbt werden:

  • die betroffene Person ansprechen
  • ihr raten, sich Hilfe zu holen
  • ihr emotionale Unterstützung anbieten
  • sie eventuell bei Klärungsgesprächen begleiten
  • Intrigen nicht unterstützen
  • destruktives Verhalten aufdecken und verdeutlichen
  • Partei für die betroffene Person ergreifen (aber erst nachdem Sie sich einen Überblick verschafft haben!)
  • Mitläufer ansprechen und sensibilisieren
  • Opfer über Gerüchte und üble Nachrede informieren
Schlichtung durch Vorgesetzte

Meist werden Sie das Mobbing selbst nicht unterbinden können. Das ist die Aufgabe Ihres Chefs. Weisen Sie ihn also darauf hin, wenn Sie feststellen, dass in Ihrem Unternehmen gemobbt wird.

Als Erstes muss er eine Konfliktanalyse vornehmen und Gespräche mit den beteiligten Personen führen: immer zunächst einzeln, später gemeinsam, sofern dies hilfreich erscheint. Wird der Konflikt auf diese Weise gelöst, sollten Sie und Ihr Chef den Fall aber nicht einfach zu den Akten legen. Vielleicht ist der Täter jetzt einfach nur vorsichtiger geworden und wird bei passender Gelegenheit wieder aktiv. Deshalb ist es sinnvoll, eine Art „Mobbingnachsorge“ einzurichten. Der Bereich, in dem das Mobbing aufgetreten ist, muss unter Beobachtung bleiben. Ihr Chef sollte auch mindestens ein Nachfolgetreffen innerhalb von drei Monaten mit den Beteiligten vereinbaren. Sprechen Sie auch gelegentlich noch einmal das Opfer an und erkundigen Sie sich, ob sich die Lage entspannt hat.

Disziplinarische Maßnahmen

Ist ein Schlichtungsversuch gescheitert, muss Ihr Vorgesetzter nach anfänglicher Zurückhaltung eine eindeutige Position beziehen, das destruktive Verhalten aufzeigen und Verhaltensänderungen einfordern. Gegebenenfalls kann er auch Sanktionen androhen oder verhängen.

Dafür stehen ihm unterschiedliche Mittel zur Verfügung. Er kann die Kontrahenten zum Beispiel räumlich voneinander trennen, ihre Aufgaben neu verteilen oder einen von ihnen versetzen. Wenn die rechtlichen Voraussetzungen dafür gegeben sind, ist sogar eine Abmahnung oder Kündigung des Aggressors möglich. Alle disziplinarischen Maßnahmen gegen Mobbing sollten aber mit der Rechtsabteilung sowie mit dem Betriebsrat des Unternehmens besprochen werden.

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