
Der Umgang mit künstlicher Intelligenz gehört für viele schon zum Alltag. Ständig erschließen wir uns neue Anwendungsbereiche. Mithilfe der KI bewältigen wir nicht nur rein berufliche Aufgaben, wir lassen uns auch bei unseren persönlichen Herausforderungen unterstützen. Ein Beispiel ist das Lernen. KI kann – richtig eingesetzt – zu unserem Lerncoach, Trainingspartner und Motivator werden.
Ein Schlagwort für den Erfolg in unserer schnelllebigen Zeit ist „lebenslanges Lernen“. Sich neues Wissen aneignen, bestehende Kenntnisse aktuell halten, vorhandene Fähigkeiten trainieren: All das kann neben Job und Privatleben ganz schön schwierig werden. Wer KI geschickt nutzt, kann die knappe Zeit optimal nutzen, schneller Lernfortschritte erzielen und die gelernten Inhalte besser in die Praxis übertragen.
Definieren Sie Ihren Lernprozess
Wie wir lernen, ist höchst individuell. Damit die KI Sie effektiv unterstützen kann, sollten Sie vorab ein paar Fragen zu Ihrem Lernprozess beantworten.
Welches Lernziel verfolgen Sie?
Damit das Lernen mit KI effektiv verläuft, sollten Sie zunächst Ihre Ziele definieren. Denken Sie dabei nicht nur an typische Lernsituationen wie „Ich lerne eine neue Sprache“. Mithilfe der KI können Sie komplexe Kommunikationssituationen simulieren, komplizierte Texte verständlicher machen, einen individuellen Lernplan erstellen oder über schwierige Sachverhalte reflektieren. Die Frage, was Sie lernen oder verbessern wollen, ist der Ausgangspunkt für alle weiteren Schritte. Um welchen Inhalt, welches Projekt geht es Ihnen? Wissensbasierte Inhalte sind dabei nur ein Baustein. Das Lernen mit KI kann auch ganz praxisnah, beispielsweise mit Simulationen, erfolgen. Gibt es vielleicht eine konkrete Situation, auf die Sie sich vorbereiten wollen?
Wie sehen die Rahmenbedingungen aus?
Definieren Sie als Nächstes die Rahmenbedingungen für Ihren Lernprozess. Wie viel Zeit haben Sie täglich oder wöchentlich fürs Lernen? Welcher Lernrhythmus passt in Ihren Alltag? Welche Zeiten entsprechen Ihrem Chronotyp und eignen sich zum Lernen besonders? Welche Ausgangssituation besteht? Fragen Sie sich, wo Sie beim Thema aktuell stehen. Welches Vorwissen bringen Sie mit? Mit welchen Problemen kämpfen Sie immer wieder? Ist Ihr Wissen noch sehr theoretisch oder haben Sie schon begonnen, es in die Praxis zu übertragen? Mit Antworten auf diese Fragen stellen Sie sicher, dass Sie auf dem richtigen Niveau starten. Die KI wird Ihnen damit Inhalte präsentieren, die weder zu leicht – was zu Langeweile führen würde – noch zu schwer sind, wodurch Überforderung und Frust eintreten können.
Welche Ausgangssituation besteht?
Fragen Sie sich, wo Sie beim Thema aktuell stehen. Welches Vorwissen bringen Sie mit? Mit welchen Problemen kämpfen Sie immer wieder? Ist Ihr Wissen noch sehr theoretisch oder haben Sie schon begonnen, es in die Praxis zu übertragen? Mit Antworten auf diese Fragen stellen Sie sicher, dass Sie auf dem richtigen Niveau starten. Die KI wird Ihnen damit Inhalte präsentieren, die weder zu leicht – was zu Langeweile führen würde – noch zu schwer sind, wodurch Überforderung und Frust eintreten können.
Fragen Sie sich auch, auf welchem Weg Sie am besten lernen. Wünschen Sie sich kleine, kurze Lerneinheiten oder wollen Sie umfangreiche Themenblöcke am Stück bearbeiten? Sind Sie ein visueller, auditiver, haptischer oder kommunikativer Lerntyp? Auch wenn es keine hundertprozentig eindeutige Lerntypen gibt, dominiert meist ein Kanal, den Sie bevorzugen sollten. Allerdings sollten Informationen möglichst immer auf unterschiedliche Weise präsentiert werden, um das Potenzial des menschlichen Gehirns vollständig auszunutzen.
Tipp: Nutzen Sie KI als persönlichen Nachhilfelehrer
Wenn Sie eine Berechnung, Definition oder Herleitung nicht nachvollziehen können, lassen Sie sich nicht einfach nur die Lösung nennen. Bitten Sie die KI, den Lösungsweg Schritt für Schritt zu erklären.
Fragen Sie gezielt nach:
- Wie entsteht dieses Zwischenergebnis?
- Welche Annahmen liegen der Erklärung zugrunde?
- Worauf basiert diese Aussage?
- Warum wird dieser Rechenschritt verwendet?
- Wie lässt sich überprüfen, ob das Ergebnis stimmt?
Fragen Sie so lange weiter, bis Sie den Lösungsweg selbst nachvollziehen können. Anschließend können Sie sich ähnliche Aufgaben geben lassen und anhand Ihrer Lösungen prüfen, ob Sie das Prinzip tatsächlich verstanden haben.
Gerade hier liegt ein praktischer Vorteil des Lernens im Dialog mit KI. Sie können Erklärungen beliebig oft neu formulieren lassen, nach einzelnen Zwischenschritten fragen und das Lerntempo selbst bestimmen.
Feedback und Motivation
Wer für sich allein im stillen Kämmerchen lernt, bekommt häufig kein direktes Feedback und verliert schnell die Motivation. Das können Sie mithilfe von KI verhindern. Überlegen Sie sich, was Sie brauchen, um Ihre individuellen Lernfortschritte beurteilen zu können und um Ihre Motivation hochzuhalten. Wünschen Sie sich eine sofortige Fehlerkorrektur? Helfen Ihnen kleine Reflexionsfragen am Ende einer Lerneinheit? Soll die KI Ihnen eine Übersicht über Ihre Lernfortschritte erstellen? So kann die KI Sie mit den richtigen Interventionen unterstützen, am Ball zu bleiben.
Was alles in den Prompt gehört
Gießen Sie all die Überlegungen aus dem Vorfeld in einen Prompt. Gehen Sie dabei Schritt für Schritt vor: Definieren Sie also zunächst die Rolle, bevor Sie zum Lernziel weitergehen usw. Ist der Prompt zu lang und zu umfangreich, kann das die KI verwirren.
Rolle
Welche Rolle nimmt die KI ein? Ist sie Sparringspartner, der Kundengespräche simuliert? Feedbackgeber, der Präsentationen oder Übersetzungen bewertet und verbessert? Analysetool, das Konzepte ordnet und Inhalte zusammenfasst? Motivator, der Sie durch Quizze, Erinnerungen und Challenges bei der Stange hält?
Beispiel: Du bist mein Lerncoach zum Thema „strategisches Denken und strategische Entscheidungen im Unternehmen“.
Lernziel
Beschreiben Sie, was Sie konkret erreichen wollen. Formulieren Sie im Prompt Ihr Ziel so präzise wie möglich.
Beispiel: Ich möchte lernen, komplexe Unternehmenssituationen anhand verschiedener Modelle systematisch zu analysieren, strategische Optionen zu finden und Entscheidungen vorzubereiten. Dabei möchte ich sowohl theoretisches Wissen aufbauen als auch die Fähigkeit erwerben, Chancen und Risiken in der Praxis zu bewerten und die Auswirkungen von Entscheidungen auf Unternehmen zu beurteilen.
Rahmen
Geben Sie die weiteren Bedingungen vor: Zeit, Dauer, Einstiegsniveau, bevorzugte Formate etc.
Beispiel: Ich habe dreimal pro Woche 30 Minuten Zeit, verfüge über geringe Vorkenntnisse zu dem Thema und lerne am besten anhand von praxisnahen Fallbeispielen. Zur Erfolgskontrolle wünsche ich mir Reflexionsfragen und konkrete Aufgaben, die kritisches Denken erfordern und bei denen ich die erlernten Inhalte anwenden muss.
Faktentreue
Dass KI gern mal Dinge erfindet, ist nichts Neues. Daher ist es wichtig, eine konkrete Anforderung an Faktentreue in den Prompt aufzunehmen. Schließlich wollen Sie keinen Unfug lernen. Gewöhnen Sie also der KI das Halluzinieren ab.
Beispiel: Wenn du bei einer Strategiemethode, einer Theorie oder ihrer praktischen Anwendung unsicher bist, kennzeichne die Aussage entsprechend. Nenne nachprüfbare Quellen oder Literaturhinweise, anhand derer ich konkrete Aussagen überprüfen kann. Gib keine Empfehlungen als gesicherte Fakten aus, wenn du ihre Richtigkeit nicht zuverlässig beurteilen kannst.
Aufgabe
Teilen Sie der KI schließlich noch mit, welches Ergebnis ihrer Tätigkeit Sie sich wünschen. Geht es Ihnen um einen konkreten Lernplan? Wollen Sie eine Materialsammlung? Soll die KI als Sparringspartner auftreten?
Beispiel: Erstelle zunächst einen Lernplan für vier Wochen, um die Grundlagen zu erlernen. Die Inhalte dienen später als Grundlage für meinen weiteren Lernweg. In diesen vier Wochen will ich verschiedene Theorien kennenlernen und anhand konkreter Übungen inklusive einer Fallstudie ausprobieren.
Verfeinern Sie den Lernplan im Dialog

Wenn Sie alle Punkte eingegeben haben, fordern Sie die KI auf, den Prompt auszuführen. Wenn Sie die genannten Formulierungen benutzen, erhalten Sie als Ergebnis einen Vier-Wochen-Plan, der die Lerninhalte auflistet.
Der erste KI-Vorschlag muss nicht sofort passen. Prüfen Sie den Lernplan darauf, ob Umfang, Schwierigkeitsgrad und Übungen Ihren Vorstellungen entsprechen und sich die einzelnen Lerneinheiten gut in Ihren Alltag integrieren lassen.
Ändern Sie einzelne Punkte, bevor Sie weiter ins Detail gehen. Wenn der Gesamtplan steht, können Sie beispielsweise Woche für Woche ausarbeiten lassen:
- welche Inhalte Sie behandeln,
- welche Erklärungen Sie benötigen,
- welche Übungen Sie bearbeiten,
- wie Sie Ihr Verständnis kontrollieren,
- welche praktische Anwendung sich anbietet.
Auf diesem Weg können Sie viel vorbereitende Recherche und Planung an die KI delegieren und sich auf das konzentrieren, worum es tatsächlich geht: auf den Aufbau neuen Wissens.
Die Autorin Cordula Natusch ist Chefredakteurin des sekretaria-Magazins, freie Texterin und Redakteurin für Unternehmenskommunikation sowie Bloggerin bei www.arbeiten-im-sekretariat.de.
www.redaktion-natusch.de
