Geschäftsessen mit Stil: Die Top 10 der Tischregeln

Stilvoll essen gehen
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Wie schnell aus einem angenehmen Abend ein verkrampfter Drahtseilakt werden kann! Sie begleiten Ihren Chef zu einem Geschäftsessen in ein gutes Restaurant. Für Sie kein Grund unentspannt zu sein – wären da nicht plötzlich lauter verschiedene Bestecke, Gläser und Teller vor Ihnen auf dem Tisch! Welches Messer ist bloß das richtige für Ihre Vorspeise? Und auf welchen Teller kommt das Brot? Damit Sie in Zukunft mit Fettnäpfchen sicher umgehen, verraten Ihnen unsere zehn Tischregeln, was beim Essen und Trinken zum guten Ton gehört.

Tischregel 1: Links steht der Brotteller

Betrachten Sie im Restaurant Ihr Gedeck, werden Sie feststellen, dass Sie eine Vielzahl von Tellern und Besteck vor sich haben. Der Teller zu Ihrer Linken ist der Brotteller. Bei runden Tischen kommt es oft vor, dass Ihr Nachbar zur Linken unwissenderweise Ihren Brotteller benutzen möchte. Weisen Sie in einem solchen Fall höflich darauf hin, dass dies Ihr Brotteller ist, oder versuchen Sie gleich, der Situation aus dem Weg zu gehen, indem Sie den Teller beim Reichen des Brotes als Erster belegen.

Tischregel 2: Die Reihenfolge von Messer, Gabel und Löffel

Bei einem festlichen Gedeck liegt in der Regel viel Besteck zu beiden Seiten und an der Stirnseite des Tellers. Oft finden Sie einen Platzteller aus Metall bzw. farblich vom Geschirr abgesetzt. Vom Platzteller wird nicht gegessen. Löffel und Messer liegen rechts, Gabeln links vom Teller. Das Dessertbesteck finden Sie oberhalb des Tellers. Dies wird vom Personal vor dem Servieren des Desserts „heruntergezogen“. Die Gabel liegt links und der Löffel rechts. Die Gläser sind auf der rechten oberen Seite des Gedecks zu finden. Das Glas, das zum Hauptgang benutzt wird, ist oberhalb der Spitze des Hauptgangmessers positioniert.

Die Benutzung des Bestecks und der Gläser erfolgt von außen nach innen. Zu einem komplett gedeckten Tisch gehört auch die Menagerie (Öl & Essig).

Tischregel 3: Der korrekte Griff zur Serviette

Die Serviette finden Sie meistens auf dem Teller drapiert. Diese wird, wenn Sie Ihnen im Weg sein sollte, gleich auf den Schoß gelegt, spätestens aber, bevor die Vorspeise serviert wird.

Eine Serviette liegt mit der geschlossenen Kante in Richtung Knie. Die offene Seite zeigt zum Bauch. Benutzt wird sie vor jedem Griff zum Glas, damit keine Essensreste oder Fettränder entstehen. Könner falten zur Benutzung der Serviette diese auf und tupfen sich den Mund an der Innenseite der Serviette ab. Sie legen die Serviette dann gefaltet wieder auf den Schoß zurück, sodass die Essensreste in der Innenseite der Serviette verschwinden.

Die einfachere Variante ist die Benutzung der Serviettenkante. Hierbei greifen Sie die Serviette an der Kante, die zum Knie zeigt, tupfen sich den Mund ab und legen die Serviette mit den Essensresten nach oben wieder auf den Schoß. Die Essensreste berühren so nicht Ihre Kleidung und verschwinden unter dem Tisch, sodass niemand etwas sehen kann.

Extratipp: Sollte Ihnen die Serviette herunterfallen, lassen Sie sie liegen. In einem guten Restaurant wird der Kellner dies beobachten und Ihnen gleich eine neue Serviette bringen. Sollte dieser Fauxpas nicht aufgefallen sein, bitten Sie den Kellner einfach, Ihnen eine neue Serviette zu bringen.

Servietten werden nicht zum Schutz vor Spritzern in den Kragen gesteckt oder um den Hals gebunden. Nach Beendigung des Essens legen Sie die Serviette leicht zusammengefaltet auf den Tisch. Auch Papierservietten finden ihren Platz am Ende nicht auf dem Teller, sondern links neben dem Teller. Müssen Sie nur kurz Ihren Platz verlassen, legen Sie die Serviette nicht auf den Stuhl, sondern auch hier leicht lose gefaltet links neben den Teller.

Tischregel 4: Messer, Gabel und Co. richtig halten

Wenn Sie sich im Restaurant umschauen, finden Sie zahlreiche verschiedene Möglichkeiten, wie das Besteck gehalten wird. Es gibt aber nur eine korrekte Handhabung dieses Werkzeugs. Das Messer kommt in die rechte, die Gabel in die linke Hand. Hierbei sollten Sie darauf achten, dass Sie das Besteck von oben greifen.

Weder Ellenbogen noch Handgelenk haben bei der Haltung des Bestecks Tischkontakt. Vom Griff sollten Sie die oberen zwei Drittel anfassen. Greifen Sie also nicht auf die Messerklinge oder zu weit in Richtung Gabelzinken. Von dieser Stellung aus wird das Essen mit der linken Hand zum Mund geführt. Drehen Sie die Gabel dabei nicht um. Das Besteck so zu benutzen, kommt noch aus der viktorianischen Zeit und ist bei uns in Deutschland die perfekte Haltung. Alle anderen Möglichkeiten, die Sie eventuell im Restaurant sehen, sollten Sie sich nicht aneignen bzw. gleich abgewöhnen. Gerade in der Handhabung des Bestecks können Sie Stil beweisen.

Extratipp: Sollten Sie auf diese Art beispielsweise Reis oder Erbsen nicht auf die Gabel bekommen, können Sie die Gabel drehen. Nun können Sie das Essen auf die Gabel schieben und zum Mund führen.

Linkshänder dürfen selbstverständlich das Besteck seitenverkehrt, also Gabel rechts und Messer links halten. Ordnen Sie aber nicht den gedeckten Tisch um. Und denken Sie daran: Das Essen geht zum Mund, nicht der Mund zum Essen.

Extratipp: Sich die Reihenfolge der Besteckbenutzung zu merken ist sehr einfach. Sie arbeiten sich von außen nach innen durch. Sollten Sie etwas bestellt haben, dessen Besteck nicht auf dem Tisch liegt, wird es entweder nach der Bestellung eingedeckt oder es wird direkt mit der Speise serviert. Keine Angst, sollten Sie jemals die falsche Gabel erwischt haben, wird Ihnen diese vom Personal nachgelegt. Ein Messer, das Sie nicht benutzt haben, wird abgeräumt.

Tischregel 5: Eindeutige Botschaften mit dem Besteck senden

Einmal benutztes Besteck wird nicht auf dem Tischtuch abgelegt. Weder die Klingen noch die Griffe dürfen den Tisch wieder berühren, sind sie einmal benutzt worden. Die so genannte Brücke bauen (Messer ist rechts an den Teller gelehnt, Gabel links an den Teller) ist also nicht erlaubt.

Es gibt eine internationale Bestecksprache, die es dem Kellner ermöglicht zu erkennen, wann Sie fertig gegessen haben. Diese orientiert sich an der Zeigerstellung der Uhr.

  • Die 20 nach 4-Stellung zeigt an, dass Sie fertig gegessen haben und der Teller abgeräumt werden kann.
  • Haben Sie Messer und Gabel auf 20 nach 7-Stellung, bedeutet dies für den Kellner: Sie machen nur eine Pause. Dabei zeigen die Zinken der Gabel nach unten.
  • Ist das Besteck gekreuzt und die Gabelzinken zeigen nach oben, bedeutet dies, Sie möchten noch etwas nehmen.

Eine so genannte Besteck-Geheimsprache gibt es nicht. Die Aussage: „Liegt das Besteck am Ende in 20 vor 8-Stellung, bedeutet dies: das Essen hat nicht geschmeckt“, ist eine reine Erfindung.

Tischregel 6: Fisch nicht schneiden

Das Fischbesteck besteht aus einer Fischgabel und einem Fischmesser. Diese unterscheiden sich in der Form vom anderen Besteck. Das Fischmesser besitzt keine scharfe Klinge, da Fisch in der Regel nicht geschnitten wird. Eine Ausnahme ist geräucherter Fisch, Rollmöpse oder Matjeshering. Statt eines Fischmessers könnten Sie den Fisch auch mit zwei Gabeln essen, da das Fischmesser meist nur zum Schieben oder Zerteilen gebraucht wird. Bestellen Sie einen ganzen Fisch, sollte Ihnen ein Abfallteller mitgebracht werden, um Gräten und Haut, Kopf und Flossen ablegen zu können.

Tischregel 7: Suppe angemessen auslöffeln

Essen Sie eine Suppe, die in einer Suppentasse serviert wird, legen Sie den Suppenlöffel nicht in die Tasse. Dieser wird beim Pausieren und am Ende auf dem Unterteller der Suppe platziert.

Heben Sie einen Suppenteller nicht an, um den letzten Rest der Suppe aus dem Teller zu bekommen. Schaffen Sie es nicht, die Suppe ganz auszulöffeln, lassen Sie einen kleinen Rest übrig. Bei einem flachen Teller wird der Löffel in 20 nach 4-Stellung in den Teller gelegt. Den letzten heißen Schluck der Suppe können Sie austrinken, wenn Ihnen die Suppe in einer Suppentasse mit Henkeln serviert wird. Heben Sie hierfür die Tasse aber nur an einem Henkel hoch und trinken den letzten Rest aus.

Tischregel 8: Kartoffeln und Knödel nicht zerquetschen

Das Verbot, bestimmte Speisen zu schneiden, stammt aus der Zeit, in der beim Kontakt mit Säure, Ei und Stärke die Besteckteile so stark oxidierten, dass dies den Geschmack der Speisen beeinträchtigte. Konservative Esser verzichten daher auf den Einsatz des Messers bei Salat, Kartoffeln, Nudeln, Knödeln und Eierspeisen und bedienen sich der erhöhten Fingerfertigkeit sogar beim Verzehr von Fisch und Gemüse.

Es ist heute kein Fauxpas mehr, die Kartoffel zu schneiden. Dennoch ist es ratsamer, sie mit der Gabel zu zertrennen. Hierbei „zerklüftet“ die Kartoffel besser und kann somit mehr Soße aufnehmen. Bitte zerquetschen Sie aber nicht die Kartoffeln mit der Gabel und vermengen sie anschließend mit der Soße. Generell gilt: Machen Sie aus Ihrem Essen keinen Brei!

Gleiches gilt auch für den Kartoffelknödel. Dieser wird mit der Gabel zerteilt und nicht mit dem Messer geschnitten. Auch Pasta wird nicht mit dem Messer geschnitten. Neben Spaghetti und anderer Pasta gibt es zur besseren Soßenaufnahme die Spiralnudel. Sie kann durch ihre Windungen mehr Soße aufnehmen.

Extratipp: Sollten Sie als Vorspeise einen Salat bekommen, denken Sie bitte daran, diesen nicht zu schneiden, sondern große Blätter mit der Gabel und dem Messer zu falten. Das gefaltete „Salatpäckchen“ können Sie dann mit der Gabel aufspießen und mundgerecht zu sich nehmen.

Tischregel 9: Wann Sie Fingerfood mit den Fingern essen dürfen

Oft wird die Frage gestellt, ob man Hähnchenschlegel mit der Hand essen darf. Hier gilt: Sobald Sie eine Fingerschale oder Erfrischungstücher zum Abwischen der Finger am Platz vorfinden, dürfen Sie Speisen wie Hähnchenschlegel, Spareribs, ganze Garnelen und Schrimps mit den Fingern essen. Finden Sie nur eine Stoffserviette am Platz vor, sollten Sie alle Speisen mit Messer und Gabel essen.

Finden Sie eine Zitrone auf Ihrem Schnitzel oder Fisch, benutzen Sie zum Saftpressen die Gabel. Zerquetschen Sie die Zitrone nicht zwischen den Fingern. Sie treffen dabei sicher das Auge Ihres Tischnachbarn.

Tischregel 10: Stilvoll zuprosten

Das formvollendete Zuprosten ist die Aufgabe des Gastgebers oder des Ranghöheren. Hierzu wird das Glas am Stiel gehoben und die Gäste werden angeschaut. Sich nur auf das Glas zu konzentrieren, gilt als stillos. In großer Runde wird nicht angestoßen, sodass die Gläser klingen. Dies gelingt nur in einer Runde, in der man alle Gäste leicht ohne Strecken erreichen kann. Meistens ist hier eine Anzahl von vier bis fünf Personen die Obergrenze.

Halten Sie das Glas am Stiel und spreizen Sie dabei nicht den kleinen Finger ab. In der Regel wird nur mit Getränken wie Wein, Sekt oder Champagner angestoßen. Sollten Sie aber keinen Alkohol trinken, sind Sie vom Anstoßen nicht ausgenommen. Selbstverständlich dürfen Sie auch mit Mineralwasser oder Saft den anderen zuprosten. Mit Getränken wie Bier, Cocktails oder Digestifs sollten Sie die Gläser aber nur anheben.

Worte wie: „Zum Wohl“ oder „Prosit“ (lateinisch: „Es möge nützen!“) sind hier am schönsten. Das Ritual des Prostens sieht folgendermaßen aus: Glas heben, Zuprosten, (Anstoßen), Blickkontakt, Trinken, Glas anheben, Glas absetzen. Und nicht vergessen: Vor dem Trinken den Mund mit der Serviette abtupfen!

aus: Christina Tabernik, Anke Quittschau: Business Knigge für Frauen. Sicher auftreten im Beruf. Haufe Verlag.

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