Umgangsformen in Skandinavien: Business auf Augenhöhe

Flaggen von Scandinavien
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Unsere Nachbarländer im Norden fassen wir ja gern mal unter dem Begriff Skandinavien zusammen. Dabei gibt es in der Geschäftskultur von Dänen, Schweden und Norwegern durchaus Unterschiede, die Sie kennen sollten, wenn Sie Kontakte in Richtung Norden schließen. Beachten Sie z. B. in Schweden und Norwegen den Dresscode aus Anzug und Business-Kostüm – und bleiben Sie in Dänemark gelassen, wenn Ihre Gesprächspartner Ihnen in Jeans gegenübersitzen. Sekretaria-Expertin Dr. Liane Steiert zeigt, welche Business-Knigge-Regeln Sie noch kennen sollten.

Dänemark, Schweden und Norwegen sind nicht nur beliebte Urlaubsziele für uns Deutsche, auch die wirtschaftlichen Kontakte sind nicht zu unterschätzen. Zu allen drei Nationen bestehen enge Handelsbeziehungen. Und obwohl wir uns Dänen, Schweden und Norwegern in unserer Mentalität sicherlich näher fühlen als z. B. Chinesen oder Japanern, gibt es doch einige wichtige kulturelle Unterschiede, die Sie kennen sollten, wenn Sie öfter mit den Nachbarn im Norden zu tun haben.

Geschäftserfolge erzielen Sie am ehesten, wenn sich alle Beteiligten auf Augenhöhe begegnen, sich langsam menschlich annähern und einer den anderen nicht „überrollt“.

Terminplanung in Skandinavien

In allen drei Ländern legen die Menschen viel Wert auf die Work-Life-Balance. Die Familie und das Privatleben haben einen ebenso hohen Stellenwert wie das Berufsleben. Das heißt nicht, dass weniger gearbeitet wird, sondern zu anderen Zeiten. Vermeiden Sie es, in Schweden und Norwegen Termine nach 16 Uhr oder für die Wochenenden zu vereinbaren. Die Dänen schätzen eine ruhige und ausgiebige Mittagspause. Generell ist die Zeit von Mittsommer (24. Juni) bis Ende August nicht gut geeignet, um neue Geschäfte anzubahnen – hier ist Sommerpause. Pünktlichkeit gehört zur nordischen Geschäftskultur genauso wie zur deutschen. Kommen Sie nicht zu spät und lassen Sie Ihren Geschäftspartner nicht warten.

Der Dresscode in der skandinavischen Geschäftskultur

  • In Dänemark findet beim Dresscode ein Generationenwechsel statt. Traditionell sind für die Damen Hosenanzug oder Kostüm üblich. Die Herren tragen Anzug und Krawatte, wobei das Jackett gern recht schnell ausgezogen wird. Jüngere Geschäftsleute tragen auch bei offiziellen Anlässen oder Verhandlungen gepflegte Jeans und Pullover. Das ist keinesfalls unhöflich.
  • Schweden setzen bei der Kleidung auf klare Formen und schlichte Eleganz. Die Damen tragen ein Businesskostüm oder einen Hosenanzug. Die Herren wählen Anzug und Hemd – je nach Branche mit oder ohne Krawatte.
  • In Norwegen wird viel Wert auf formelle, gepflegte Kleidung bei offiziellen Verhandlungen gelegt. Der dunkle Anzug und das Businesskostüm sind nahezu allgegenwärtig.

Findet ein Abendessen statt und es bleibt Zeit, um sich umzuziehen, dann wählen die Beteiligten in allen drei Ländern für diesen Anlass ein etwas förmlicheres Outfit.

Begrüßung und Anrede

Wie in Deutschland begrüßen sich die Anwesenden in Dänemark und Schweden per Handschlag. Die Norweger haben sich ebenfalls darauf eingestellt, allerdings wird hier nur bei der ersten Begrüßung am Tag die Hand geschüttelt und nicht wie teilweise in Deutschland mehrmals am Tag. Dass Geschäftspartner und Vorgesetzte immer mit „Du“ und dem Vornamen angesprochen werden, wirkt auf Deutsche oft sehr befremdlich. Beim ersten Kontakt werden Vor- und Nachname genannt. Danach ist auch in der Geschäftskultur aber schnell nur noch der Vorname üblich.

Extratipp: In Skandinavien weiß man, dass vielen Deutschen die Titel, der Nachname und das „Sie“ sehr wichtig sind. Wundern Sie sich also nicht, wenn sich Ihre Gesprächspartner darauf eingestellt haben und Sie entsprechend anreden.

Das „Du“ unserer nördlichen Nachbarn drückt nicht die gleiche Nähe aus, wie dies in Deutschland der Fall ist. Sie werden schnell bemerken, dass der nötige Respekt trotz der symbolischen Gleichstellung stets vorhanden ist.

Smalltalk in Dänemark, Schweden und Norwegen

Wie überall ist auch in der skandinavischen Geschäftskultur ein kleiner Smalltalk zu Beginn eines Treffens wichtig, um das Eis zu brechen. Ebenso wie in Deutschland wird er aber eher kurz gehalten. Als Tabuthemen gelten die Kritik am jeweiligen Land, das Belächeln der Monarchie, die Ausländerthematik, Alkohol und hohe Preise. Unverständnis ruft auch meist die immer wieder ausufernde Kritik der Deutschen am eigenen Land hervor.

In Skandinavien gilt das Gleichheitsprinzip

Eine Gemeinsamkeit der skandinavischen Länder ist das Gleichheitsprinzip. Danach soll sich niemand über den anderen erheben. Daraus entsteht eine unnachahmliche Art, füreinander da zu sein, ohne zu belästigen, den anderen in Ruhe zu lassen, um dann doch auf Anfrage sofort hilfsbereit zu sein.

  • Wer mit Dänen verhandelt, sollte nicht übertreiben, sondern immer sachlich und eher zurückhaltend sein. Gute Vorbereitung, das Wissen, was Sie erreichen wollen, und die Offenheit für andere Argumente sind dabei gute Voraussetzungen. Da Dänemark traditionell eine Handelsnation ist, sind die Dänen exzellente und harte Verhandlungspartner. Daher sollten Sie auf jeden Fall perfekt vorbereit sein – und es kann schon einmal etwas direkter zugehen.
  • Die Schweden kommen in Verhandlungen gern direkt und sachlich auf den Punkt. Ebenso wie wir lieben sie Zahlen und Fakten. Gleichzeitig sollte aber z. B. bei Präsentationen Spielraum für Ideen und Vorschläge vorhanden sein. Grundsätzlich wird so lange verhandelt und diskutiert, bis jeder Partner sich mit dem Ergebnis einverstanden erklären kann. Dafür sollten Sie ausreichend Zeit einplanen.
  • Norweger verhandeln gern aus einer Käuferposition heraus. Dennoch gilt, dass Verhandlungen unbedingt auf Augenhöhe geführt werden sollten.

Sekretaria-Expertin: Dr. Liane Steiert ist Trainerin für Interkulturelles Management und Intrakulturelle Kommunikation sowie Partnerin der Coaching & TrainingsPartner.

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