China: Benimmregeln für das Reich der Mitte

Fremd und geheimnisvoll – so wirkt China auch heute noch auf uns. Die Sitten und Gebräuche dort unterscheiden sich deutlich von unseren, das gilt auch für den Business-Knigge China. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich gut auf einen Besuch aus Fernost vorbereiten, sich Dos und Don’ts vergegenwärtigen und so Fettnäpfchen vermeiden. Die wichtigste Regel, die über allem steht: Vermeiden Sie einen Gesichtsverlust Ihres Gegenübers. Ausgesuchte Höflichkeit und Respekt sind daher von überragender Bedeutung. Gute Vorbereitung ist unerlässlich.

Bestens vorbereitet auf Gäste aus China

Sie sollten wissen, wann und wo die Delegation aus China ankommt und wer ihr angehört. Vor allem die jeweilige Position ist bedeutend, denn die Wahrung der Hierarchie ist äußerst wichtig. Stellen Sie sicher, dass für die Unterbringung und Betreuung der Gäste gesorgt ist. Klären Sie, ob ein Dolmetscher vonnöten ist. Wenn ja, erkundigen Sie sich, welcher Dialekt gebraucht wird (Mandarin, Kantonesisch etc.).

Chinesische Geschäftsleute werten Pünktlichkeit von Gästen und Gastgebern als Zeichen von Höflichkeit und Respekt. Sie sollten daher alle Termine und Zeiten genauestens vormerken und einhalten. Eine Grundregel im Umgang mit Chinesen ist, dass Sie sich möglichst viel um Ihre Gäste kümmern und alles für sie organisieren sollten. Sorgen Sie für den Transport vom Hotel zu Ihrem Unternehmen und reservieren Sie einen großen, repräsentativen Besprechungssaal. Wählen Sie nur feine Restaurants aus. Ihr Chef ist Gastgeber, daher wird erwartet, dass er die Rechnung übernimmt. Bei einem Abendbankett sollten Sie für ihn eine kleine Ansprache vorbereiten.

Bleiben Sie bei der Begrüßung im Hintergrund

Hochrangige Gäste sollte Ihr Chef am besten persönlich empfangen und betreuen, z. B. bereits am Flughafen oder am eintreffenden Taxi. Sie als Assistentin sollten sich stets im Hintergrund halten, um dem Hierarchieempfinden der Gäste entgegenzukommen. Geschäftsleute aus China begrüßt man heute mit einem Händedruck, allerdings nur mit einem sehr leichten. Ein gleichzeitiges Senken des Kopfes gilt als höflich, vermeiden Sie intensiven Blickkontakt. Die korrekte Anrede Ihrer Gäste enthält Position und Namen, z. B. „Direktor Li“, ansonsten Anrede und Nachnamen. Visitenkarten werden korrekt mit beiden Händen genommen und auch so überreicht, damit Ihr Gegenüber sie lesen kann. Gehen Sie sehr sorgfältig mit erhaltenen Karten um.

Was gilt für die Sitzordnung?

Die Sitzordnung sollte sich daran orientieren, was in China Brauch ist: In der Raummitte befindet sich der große Verhandlungstisch. Die Tischseite, an der man auf den Eingang blickt, ist den Gästen vorbehalten. Die gegenüberliegende Seite, mit dem Rücken zum Eingang, ist die der Gastgeber. Jeweils in der Mitte beider Seiten sitzen sich die Ranghöchsten gegenüber, rechts neben dem chinesischen und links neben Ihrem Chef sitzen sich die Dolmetscher bzw. Sprecher gegenüber. Auf der anderen Seite neben den Ranghöchsten sitzen die Zweithöchsten, weiter außen die Dritthöchsten etc. entsprechend der Rangfolge der Firmenhierarchie. Geleiten Sie Ihre Gäste zu deren Tischseite bzw. zu deren Plätzen.

Sorgen Sie für einen angemessenen Abschied

Bei der Verabschiedung begleiten Sie Ihre Gäste aus China vom Raum an den Lift (den Sie rufen), zum Ausgang und eventuell bis an das Taxi. Lassen Sie ihnen dabei immer den Vortritt. Berührungen des Körpers sind stets tabu, den einzigen Kontakt bilden der leichte Händedruck zur Begrüßung und zur Verabschiedung.

Tipps für die China-Reise

Auf einen rundum gelungenen Empfang Ihrer Gäste aus dem Reich der Mitte folgt sicher irgendwann eine Gegeneinladung. Legen Sie Ihrem Chef für eine Geschäftsreise nach China noch ein paar weitere Business-Knigge-Regeln ins Gepäck:

  • Bedenken Sie bei Geschenken oder auch Kleidung, dass „Weiß“ eine Trauerfarbe ist. Rot gilt dagegen als Glücksfarbe.
  • Bei „Mitbringseln“ und Geschäftspräsenten achten Sie auf Qualität, und wenn möglich, auf deutsche Wertarbeit. Diese ist in China hoch angesehen.
  • Wundern Sie sich nicht, wenn Geschenke vom Empfänger nicht geöffnet werden. In China gehört es sich einfach nicht, die Verpackung in Gegenwart des Schenkenden zu öffnen.
  • Ihr Chef sollte in Gesellschaft nicht das Glas von allein erheben, sondern immer jemand zum Mittrinken auffordern. „Qing“ (ausgesprochen: tjing) heißt „bitte“, „gan bei“ fordert dagegen zum Austrinken auf.
  • Denken Sie daran, die Stäbchen beim Essen immer neben die Schüssel zu legen und auf keinen Fall in den Reis zu stecken
  • Putzen Sie sich bei Tisch nicht die Nase, das gilt als Todsünde!
  • Trinkgelder sind mittlerweile in China gerne gesehen. Besondere Leistungen Einzelner (Chauffeure, Dolmetscher, Reiseführer) sollten anerkannt werden.
  • Vereinbaren Sie Festpreise für Leistungen jeglicher Art im Voraus, z. B. für Taxifahrten.
  • Wenn Sie Einladungen machen, denken Sie daran, dass Vier und Zehn als Unglückszahlen gelten. Achten Sie ansonsten aber auf eine gerade Anzahl von Gästen.
  • Auch wenn die Englischkenntnisse Ihres Chefs ausreichen werden: Er kann Vertrauen und Anerkennung gewinnen, wenn er sich einige Grundkenntnisse in chinesischer Sprache aneignet. Für den nicht-offiziellen, nicht-geschäftlichen Umgang gibt es Sprachführer mit den wichtigsten, umgangssprachlichen Sätzen. Sie werden viel freundlicher behandelt, wenn Sie sich „sprachkundig“ erweisen.
  • Bringen Sie Offenheit für unvorhergesehene Situationen wie Änderungen im Begleitprogramm mit. Ihr Vorgesetzter sollte seine chinesischen Partner nicht in Verlegenheit bringen, indem er auf dem vorgesehenen Programm oder einer Begründung für die Änderung besteht.
  • Gehen Sie nicht immer vom hohen westlichen Standard in Sachen Hygiene und Service aus. Das trifft besonders für ländliche Regionen Chinas zu. Begegnen Sie manchen „Unzulänglichkeiten“ mit Toleranz.

Wenn Ihre Reisegruppe diese Benimmregeln für China beherzigt, vermeiden Sie Fettnäpfchen und alle können sich auf das Wesentliche konzentrieren: den Erfolg der Geschäftsreise!

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