Getrennt- und Zusammenschreibung – machen Sie’s richtig!

Auch Jahre nach ihrer Einführung sorgt sie noch immer für Verwirrung: die neue Rechtschreibung. In vielen Fällen ist nicht klar, was nun die Ausnahme und was die Regel ist. Vor allem bei der Getrennt- und Zusammenschreibung ist die Suche nach der korrekten Formulierung oft ein Glücksspiel. Ein Beispiel? Das Wort „getrennt schreiben“ wird getrennt geschrieben. Müsste dann das Gegenteil nicht „zusammen schreiben“ heißen? Leider nicht. Richtig ist: „zusammenschreiben“. Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen! Mit unserem Quiz trainieren Sie Ihr Rechtschreibwissen.

Verb und Verb gesellt sich gern

Eine der einfachsten Zusammensetzungen ist die von zwei Tätigkeitswörtern bzw. Verben, wie „lesen lernen“ oder „einkaufen fahren“. Sie werden in der Regel auseinandergeschrieben. Eine Ausnahme stellen allerdings Verbindungen mit den Verben „lassen“ oder „bleiben“ dar. Sie haben oft eine übertragene Bedeutung. Der Ausdruck „hängen lassen“ z. B. kann nicht nur wörtlich verstanden werden, sondern auch im Sinne von „jemanden im Stich lassen“. In solchen Fällen ist Getrennt- und Zusammenschreibung gleichermaßen möglich. Wenn Sie sich jedoch nicht unnötig den Kopf zerbrechen wollen, folgen Sie am besten der Dudenempfehlung und schreiben auch diese Wörter getrennt. Damit machen Sie nichts falsch.

Extratipp: Anders verhält es sich bei dem Wort „kennenlernen“. Auch hier sind zwar beide Varianten möglich, der Duden empfiehlt aber die Zusammenschreibung.

Die Zusammensetzung aus Adjektiv und Verb

Verben treten auch als zweiter Bestandteil einer Verbindung mit Adjektiven (Eigenschaftswörtern) auf. Beispiele sind die Ausdrücke „fein hacken“ oder „hoch werfen“. Die Regel lautet hier: Bezeichnet das Adjektiv das Ergebnis der Tätigkeit, die das Verb beschreibt, ist Getrennt- und Zusammenschreibung möglich. Das gilt allerdings nur für einfache Adjektive. Kombinationen mit Eigenschaftswörtern, die z. B. erweitert sind werden immer getrennt geschrieben: „feiner hacken“. Das Gleiche gilt, wenn das Verb der Kombination selbst schon zusammengesetzt ist: „spät aufstehen“.

Oft ergibt die Kombination von Adjektiv und Verb eine neue Bedeutung, die sich nicht aus den einzelnen Bedeutungen der Bestandteile ablesen lässt. Diese Wörter werden immer zusammengeschrieben. Ein Beispiel ist das Wort „gutschreiben“ („Wir werden Ihnen den Betrag gutschreiben.“) im Unterschied zu „gut schreiben“ („Sie kann gut schreiben.“).

Extratipp: Ist für Sie nicht eindeutig ersichtlich, ob eine Zusammensetzung aus Adjektiv und Verb eine neue Bedeutung hat, dürfen Sie getrennt oder zusammenschreiben. Im Zweifelsfall hilft ein Blick ins Wörterbuch.

Für Getrennt- und Zusammenschreibung von Partizipien, also Mittelwörtern, gelten ähnliche Regeln wie für Adjektive. Auch sie werden nur zusammengeschrieben, wenn sich eine neue Gesamtbedeutung aus der Kombination ergibt. Ist dies nicht der Fall, schreiben Sie getrennt. Das Wort „getrennt schreiben“ ist selbst ein gutes Beispiel – hierbei entsteht keine neue Bedeutung und deswegen wird getrennt geschrieben.

Partizipien – Sie haben die Qual der Wahl

Die gefürchteten Mittelwörter bzw. Partizipien können übrigens auch als zweiter Teil einer Zusammensetzung auftreten. Da Partizipien immer Formen eines Verbs darstellen, ist es sinnvoll, sich bei der Schreibung am zugrunde liegenden Verb zu orientieren. Das Partizip „Vertrauen erweckend“ ist von „Vertrauen erwecken“ abgeleitet und wird deshalb wie dieses getrennt geschrieben. Das gilt auch, wenn Sie aus dem Partizip ein Substantiv bilden, also z. B. schreiben: „die Vertrauen erweckenden Maßnahmen“. Um die Verwirrung perfekt zu machen, legt die neue Rechtschreibung dies aber nicht als Regel fest, sondern lässt für solche Verbindungen auch die Zusammenschreibung zu. Wenn Sie unsicher sind und nicht selbst entscheiden möchten, sollten Sie nachschlagen und der Dudenempfehlung zum jeweiligen Wort folgen.

Beim Adverb hilft die Betonung weiter

Ganz besonders knifflig ist die Schreibung von Wörtern wie „hinterhergehen“ bzw. „hinterher gehen“. Bei dem Wort „hinterher“ kann es sich entweder um einen Verbzusatz oder ein Umstandswort, ein sogenanntes Adverb handeln. Kombinationen mit Verbzusätzen werden zusammen-, Verbindungen mit Adverbien hingegen getrennt geschrieben. Den Unterschied können Sie in der Regel ganz leicht an der Betonung feststellen. Bei „hinterhergehen“ liegt die Betonung auf „hinterher“. Im Ausdruck „hinterher gehen“ sind beide Bestandteile gleich stark betont.

Extratipp: Aus dieser Regelung ergibt sich ein kurioser Unterschied für die Wörter „zusammenschreiben“ und „getrennt schreiben“. Letzteres ist, wie Sie bereits gesehen haben, eine Verbindung aus Partizip und Verb und wird deshalb getrennt geschrieben. Anders verhält es sich dagegen mit „zusammenschreiben“. Intuitiv würden Sie es vermutlich genauso schreiben wie „getrennt schreiben“, also getrennt. Das ist allerdings nicht korrekt. „Zusammen“ ist kein Partizip, sondern ein Verbzusatz. Deswegen gilt für „zusammenschreiben“ die Zusammenschreibung. Das klingt kompliziert? Merken Sie sich einfach die folgende Eselsbrücke: „Zusammenschreiben“ wird zusammengeschrieben und „getrennt schreiben“ wird getrennt geschrieben.

Getrennt- und Zusammenschreibung von Substantiv und Verb

Verben werden häufig auch mit Substantiven, also Hauptwörtern kombiniert. Für die Getrennt- und Zusammenschreibung ist hier ausschlaggebend, ob das Substantiv in der Verbindung seine Eigenständigkeit bewahrt hat oder ob seine Bedeutung im Zusammenhang mit dem Verb verblasst ist. Für Kombinationen mit nicht verblassten Substantiven wie „Kaffee trinken“ gilt: Sie müssen getrennt und das Substantiv großschreiben. Ist das Substantiv nicht mehr eigenständig, müssen Sie zusammen- und kleinschreiben. Der Duden nennt hierfür das Beispiel „eislaufen“. Daran wird deutlich, wie schwer es ist, diese Regel anzuwenden: Oft ist kaum nachzuvollziehen, ob ein Substantiv eigenständig oder verblasst ist. Deshalb unser Tipp: Legen Sie sich für die Getrennt- und Zusammenschreibung am besten eine Liste mit Wörtern an, die Sie schon einmal nachgeschlagen haben.

Was gilt für Präposition und Substantiv?

Ähnlich ist der Fall bei Zusammensetzungen aus Präpositionen (Verhältniswörtern) und Substantiven wie „zurzeit“ oder „zu Ende“ gelagert. Auch hier entscheidet die Eigenständigkeit des Hauptworts über die Schreibung. Es gilt allerdings die Regel, dass Sie getrennt schreiben müssen, wenn die Bedeutung des Substantivs noch nicht verblasst ist: „zu Ende“. Bei nicht mehr eigenständigen Substantiven müssen Sie zusammenschreiben, denn sie sind selbst schon zu Präpositionen oder Adverbien geworden: „zurzeit“.

Extratipp: Bei vielen Wörtern ist nicht eindeutig festzustellen, ob das Substantiv bereits verblasst ist. Hier ist Getrennt- und Zusammenschreibung gleichermaßen zulässig: „zu Gunsten“ oder „zugunsten“. Treten solche Wörter zusammen mit einem Verb auf, müssen Sie den neuen Ausdruck jedoch auseinanderschreiben: „nach Hause gehen“ oder „nachhause gehen“.

Bei „sein“ muss es immer Getrenntschreibung sein

Eine unmissverständliche Regelung gilt für Kombinationen mit dem Wörtchen „sein“ und dessen verschiedenen Formen (z. B. „war“, „gewesen“). Diese werden immer getrennt geschrieben: „Sie müssen bei diesen wichtigen Vorgängen stärker hinterher sein.“ „Ich werde am Freitag nicht da sein.“ Aber Vorsicht: Substantivieren Sie die Zusammensetzung, bilden Sie also daraus ein Hauptwort, müssen Sie natürlich groß- und zusammenschreiben: „Ich werde am Freitag nicht da sein“, aber: „Er führt ein ärmliches Dasein.“

Quiz: Trainieren Sie gleich, was Sie gelernt haben – in unserem Quiz zur Getrennt- und Zusammenschreibung!

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