Sind Arbeitszeugnisse überflüssig?

Sind Arbeitszeugnisse bald überflüssig?
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Geht ein Arbeitnehmer, hat er Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. So weit, so bekannt. Forscher der FH Jena behaupten allerdings nun, dass Arbeitszeugnisse in der bisherigen Form überflüssig seien. All die Vorbereitung, Formulierung und Organisation – die ja oft genug in den Sekretariaten erledigt werden – also für nichts und wieder nichts? Ganz so einfach ist es wohl doch nicht.

Was bringt ein Arbeitszeugnis?

„Wahr“ soll ein Arbeitszeugnis sein. Und gleichzeitig „wohlwollend“. Wie wir alle wissen, kann das durchaus ein Widerspruch sein. Arbeitgeber greifen dann gern, sagen die Forscher, zum sogenannten Zeugniscode, also zu Formulierungen, in denen Botschaften verschlüsselt sind. „Aber wie rational ist es eigentlich, dass der Zeugnisersteller zunächst Wahrheiten versteckt, die der Zeugnisleser dann mühsam enttarnen soll?“ fragen sie. Weiter stellen sie fest, dass die Zeugnisse „auf der einen Seite von ungeschultem Personal lieblos zusammengeschustert, auf der anderen Seite oft nur oberflächlich zur Kenntnis genommen“ würden. Ihr ziemlich radikales Fazit: Arbeitszeugnisse könne man auch gleich ganz abschaffen.

Ohne Arbeitszeugnisse geht es nicht

Aber wie sieht es in der Praxis aus? Rechtsanwältin und Arbeitszeugnisexpertin Dr. Stephanie Kaufmann-Jirsa zumindest teilt die Ansicht der Forscher nicht: „Arbeitszeugnisse sind und bleiben wichtige Instrumente in der Personalarbeit und in der Dokumentation eines Arbeitslebens.“ Mängel stellt sie aber an anderer Stelle fest: „Vielmehr zeigen die Forscher auf, dass die befragten Arbeitgeber offensichtlich ihren Arbeitnehmern zum Abschied nicht die angemessene Wertschätzung entgegenbringen wollen.“

Ein gutes Zeugnis zu erstellen, koste Zeit und Geld, aber der betreffende Arbeitnehmer habe ja auch viele Jahre gute Dienste geleistet, so Kaufmann-Jirsa weiter. Den vorbereitenden Tätigkeiten auch durch das Sekretariat kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

Das vollständige Interview mit Dr. Stephanie Kaufmann-Jirsa inklusive Tipps, wie Sie ein aussagekräftiges Zeugnis erstellen, lesen Sie auf www.arbeiten-im-sekretariat.de.

  1. G. Lehnert

    Arbeitszeugnisse: Bei uns in der Firma immer heiß diskutiert. Zum einen, weil die scheidenden Mitarbeiter sich anders einschätzten als es die Chefs taten, zum anderen weil die Mitarbeiter eine andere Auffassung von korrekter Zeugnissprache hatten. Das, was manche rauslasen, wirkte wie die Interpretation eines Gedichts. Selbst vorgefertigte Formulierungen halfen nicht. Da sich unsere Chefs aber weigern, Mitarbeitergespräche zu führen oder angemessene Rückmeldungen zu geben, kann man seine Leistung auch vorher nicht einschätzen. So könnte man ja sagen, dass eine Beschreibung der Tätigkeit ausreicht, aber ich finde gerade hier ist das Formulieren besonders schwierig. Was fasst man richtig zusammen und welche Art von Projekten sollten denn dort erwähnt werden? Bei einer recht klar strukturierten Arbeitsorganisation dürfte das einfach sein, bei uns in unserem kleinen Unternehmen mit vielen Aufgaben und Tätigkeiten ein Problem.

    1. Liebe Frau Lehnert,
      auch in einem kleineren Unternehmen, in dem der einzelnen viele Aufgaben hat, sollte die Tätigkeitsbeschreibung bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Die muss zunächst wertfrei formuliert sein, also nur beschreiben, was gearbeitet wurde. Darüber hinaus kann man entweder die wichtigsten Aufgaben zu erst nennen oder chronologisch vorgehen und dabei mit den aktuellsten Aufgaben beginnen. Aber Sie haben sicher Recht: Um das wirklich gut zu machen, muss etwas Vorarbeit geleistet werden.

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