So „entgiften“ Sie Provokationen und Angriffe

Wer hat den Vorrang, Büro
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Im beruflichen Miteinander sollten Provokationen und Angriffe eigentlich tabu sein. Schließlich haben Sie und Ihre Kollegen als Team gemeinsame Ziele. Doch leider geht es im Alltag nicht immer harmonisch zu. Denn überall gibt es schwierige Persönlichkeiten, die gern und oft ihren Mitmenschen das Leben schwer machen. Schlimm wird dieser „Wesenszug“, wenn es sich um Ihren Chef oder einen Kollegen handelt. Unsere Tipps und Impulse helfen Ihnen, Ihren Ärger „zu entgiften“. Im ersten Moment ist das Wichtigste, dass Sie nach einem Angriff gelassen bleiben. Das geht – es ist sogar recht einfach. Bringen Sie Abstand zwischen sich und die Situation, die Sie ärgert. Das hilft Ihnen, sich zu beruhigen und Ihr inneres Gleichgewicht wiederzufinden. Langfristig ist es nützlich, wenn Sie sich eine Strategie überlegen, wie Sie Provokateuren gegenübertreten.

Provokantes Verhalten hat viele Gesichter

Es gibt einige typische Provokationen, mit denen schwierige Chefs und Kollegen Sie auf die Palme bringen:

  • Sie kritisieren viel und ohne Rechtfertigung.
  • Sie reagieren über alle Maßen emotional und unberechenbar.
  • Sie legen Ihnen absichtlich Steine in den Weg.

Kommen solche Situationen häufiger vor, führt das zu wachsendem Stress und Stress zieht aggressives Verhalten nach sich. Manchmal ist dann eine Situation so angespannt, dass Sie nicht mehr gelassen bleiben können.

Schaffen Sie Abstand

Sobald Sie merken, dass es nach einer Provokation in Ihnen zu brodeln beginnt und Sie nicht mehr souverän bleiben, gehen Sie besser aus der Schusslinie. Psychologen sprechen von der Exit-Strategie. Das heißt: den Ausgang benutzen und die Arena verlassen. Durch ein klares „Ende“ oder „Stopp“ gewinnen Sie Zeit und dadurch Ihre Gelassenheit zurück. So bleiben Sie, trotz Wut im Bauch, in einer überlegenen und starken Position.

Beenden Sie rasch und ohne weitere Diskussion das Gespräch. Formulieren Sie eindeutig das Gesprächsende: „Ich habe den Eindruck, wir kommen so nicht weiter. Deshalb möchte ich das Gespräch jetzt beenden.“ Auf Beleidigungen reagieren Sie ebenfalls mit der Exit-Strategie. Sagen Sie z. B.: „Darauf antworte ich Ihnen jetzt nicht.“

So demonstrieren Sie Stärke

Es ist eine Leistung, in einer emotional hoch angespannten Situation nichts zu erwidern. Wenn Sie das geschafft haben, sind Sie trotz Provokation gelassen geblieben. Sie haben die Lage entschärft. Das spüren Ihre Gesprächspartner genau. Durch Ihr Verhalten demonstrieren Sie Selbstdisziplin und Stärke. Denken Sie daran: Sobald Sie ebenfalls aggressiv werden, haben Sie dem Angreifer zu einem Sieg verholfen. Sie haben ihm die Gewissheit gegeben, dass er Sie mit seinen Provokationen aus der Fassung bringen kann. Und das wollen Sie ja nicht, oder?

Übrigens: Auch ein Vorgesetzter hat nicht das Recht, Sie anzuschreien und vor allen Leuten „runterzumachen“. Stehen Sie auf und verlassen Sie den Raum, wenn Ihr Chef ausfallend wird. Wenden Sie sich gegebenenfalls an den Betriebsrat!

Eine langfristige Strategie gegen Provokationen

Auch wenn Sie es geschafft haben, bei einem Angriff gelassen zu bleiben, werden Sie sich hinterher natürlich erst mal ärgern. Machen Sie Ihrem Ärger ruhig kurz Luft. Das ist richtig und wichtig. Schließlich sollen Sie negative Gefühle nicht in sich „hineinfressen“ und verdrängen. Wichtig ist nur, dass Sie sich nicht zu lang Ihrem Ärger hingeben. Sie wissen es sicher selbst: Übermäßiger Ärger führt zu keinem Ergebnis und belastet Ihre Gesundheit.

Frei nach dem Satz „Ändere, was du ändern kannst – und akzeptiere, was du nicht ändern kannst“, hilft im Umgang mit schwierigen Menschen am besten, die eigene Haltung zu prüfen. Die folgenden zwei Tipps liefern Ihnen wichtige Impulse.

Tipp 1: Prüfen Sie Ihre Erwartungen

Überlegen Sie, ob Sie vielleicht eine zu hohe Erwartungshaltung anderen, speziell Ihrem Chef bzw. Kollegen gegenüber pflegen, die – nüchtern betrachtet – nur enttäuscht werden kann. Versuchen Sie, diese abzulegen. Werden Sie buchstäblich gelassener und lassen Sie ärgerliche Situationen einfach geschehen: Erwarten Sie nicht mehr, sondern hoffen Sie lediglich, dass etwas wunschgemäß geschieht. Als schöner „Nebeneffekt“ erwartet Sie ein kleines Glückserlebnis, wenn die Dinge tatsächlich so laufen, wie gewünscht. Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, dass Sie mit jedem Menschen zurecht kommen müssen. Nicht jeder Mensch muss Sie lieben. Zwischen vielen Menschen stimmt einfach die „Chemie“ nicht.

Tipp 2: Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Gefühle

Machen Sie sich bewusst, dass Sie allein die Macht über Ihre Gefühle besitzen. Nur Sie entscheiden, ob und wie stark Sie sich über Provokationen ärgern.

  • Verschenken Sie diese Macht über Ihre Gefühle nicht, indem Sie zulassen, dass Ihr anstrengender Kollege Sie völlig „aus dem Häuschen“ lockt.
  • Achten Sie auf Ihren Körper. Halten Sie kurz inne: Atmen Sie ruhig ein und aus und lockern Sie Ihre Muskulatur.
  • Überlegen Sie, was diese Äußerung mit Ihnen und Ihren Gefühlen macht. Denn meist bleibt unser Körper so lange ruhig und gelassen, bis unser Geist beschließt, „Das ist ja unerhört! Darüber muss ich mich jetzt aufregen!“
Schnell-Checkliste: So gehen Sie mit provokanten Chefs und Kollegen um
  • Nehmen Sie Spitzen, Angriffe und ärgerliche Aussagen nicht persönlich.
  • Versetzen Sie sich in seine Lage und analysieren Sie kurz, welche wahren Beweggründe sein Verhalten hervorrufen.
  • Grübeln Sie nicht über Ihren Ärger, sondern versuchen Sie, es mit Humor zu nehmen.
  • Lassen Sie sich nicht provozieren. Bleiben Sie in jedem Fall ruhig und sachlich.
  • Formulieren Sie Ich-Botschaften und sagen Sie anstatt „Sie haben mich schon wieder unterbrochen“ lieber „Ich hätte mir gewünscht, dass Sie mich ausreden lassen.“
  • Überlegen Sie sich bei wiederkehrenden Situationen eine Strategie. Legen Sie sich einen Schatz an passenden Antworten zu und üben Sie diese mit Freunden oder allein vor dem Spiegel.
  • Nehmen Sie Anteil. Versuchen Sie Ihren schwierigen Kollegen oder Chef durch Smalltalk besser kennen zu lernen. Gemeinsame Hobbies und Interessen verbessern Ihre Bindung.

Und last but not least: Reden Sie mit Ihrem Kollegen/Chef. Ein freundliches aber offenes Gespräch auf neutralem Boden hilft oft beiden Seiten aus der emotionalen Sackgasse.

Ein Gedanke zum Schluss: Natürlich sollen Sie ständige Provokationen und Angriffe nicht herab spielen. Denn was für den einen wie harmlose Reibereien wirkt, kann für den anderen schon Mobbing sein.

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