LinkedIn – ein Businessnetzwerk auf dem Vormarsch

Viele Jahre lang spielte LinkedIn im deutschsprachigen Raum eine eher untergeordnete Rolle. Die meisten Menschen in Deutschland setzten eher auf Xing als Businessnetzwerk, nur die großen, international aufgestellten Unternehmen waren bei der Konkurrenz aus Amerika engagiert. Das hat sich mittlerweile gründlich geändert. LinkedIn hat in den letzten Jahren kräftig zugelegt.

© Constanze Wolff

Constanze Wolff
ist Texterin und PR-Beraterin und berät Unternehmen u. a. zum professionellen Einsatz von Social Media.

sekretaria hat mit Expertin Constanze Wolff darüber gesprochen, wie Sie als Sekretärin und Assistentin das Netzwerk für sich am besten nutzen können.

sekretaria Magazin: Frau Wolff, was ist LinkedIn eigentlich?

Constanze Wolff:LinkedIn ist ein Businessnetzwerk. Darin unterscheidet es sich von anderen Plattformen wie beispielsweise Facebook und Instagram. Hier geht es um den Job, um Businessthemen.

Angenommen, ich hatte vorher noch nie etwas mit LinkedIn zu tun, wie gehe ich am Anfang vor?

Sich in einem neuen Netzwerk zu bewegen, ist ein wenig so, als würde man eine Party besuchen: Bevor ich gehe, mache ich mich erst einmal ein wenig hübsch. Die erste Aufgabe ist also, das eigene Profil vorzeigbar zu machen.

Wie sieht ein vorzeigbares Profil aus?

Ein gutes Profil ist vollständig ausgefüllt und hinterlässt einen guten Eindruck von mir und meinem Arbeitgeber. LinkedIn bietet hier nicht besonders viele Gestaltungsmöglichkeiten, sondern stellt mir Formularfelder zur Verfügung, in die ich meine Daten eintrage. Diese Formulare sollte ich möglichst auch alle bearbeiten. Profile, bei denen nur ein oder zwei Punkte ausgefüllt sind, sind nicht sehr attraktiv. Hübsch kann ich mein Profil machen, indem ich ein ansprechendes, professionelles Foto hochlade. Außerdem sollte ich unbedingt den Header nutzen. Hier kann ich ein großes Bildmotiv, eine Grafik verwenden, das funktioniert dann wie eine Werbefläche.

Wenn das Profil dann hübsch ist, wie baue ich Reichweite auf? Wie komme ich zu Kontakten?

Das Einfachste ist, erst einmal die Leute auf der Plattform wiederzufinden, die wir ohnehin schon kennen. Wir alle haben ein Netzwerk, das wir aber oft unterschätzen. Jeder und jede von uns kennt im Durchschnitt 150 Menschen. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit sind einige davon auch schon auf der Plattform vertreten. Wenn ich vorher schon bei Xing war, kann ich meine dortigen Kontakte auf LinkedIn suchen und sie einfach einsammeln. Damit habe ich mein Netzwerk auf der einen Plattform schon einmal in der anderen abgebildet. Im nächsten Schritt kann ich gezielt Kontakte anbahnen. Welche das sind, hängt davon ab, was ich auf der Plattform will.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Ein typischer Fall ist, dass die Sekretärin oder Assistentin potenzielle neue Mitarbeiter recherchieren soll. Es gibt eine spezielle Position zu besetzen und der Chef möchte versuchen, ohne Headhunter auszukommen. Dann lautet die Frage: Gibt es eventuell schon jemanden im Netzwerk, den man ansprechen könnte? Über die Suchfunktion in LinkedIn kann ich nach ganz unterschiedlichen Kriterien suchen. So kann ich die Suche beispielsweise auf Kontakte zweiten Grads eingrenzen. Die Frage lautet also: Kennt einer meiner Kontakte jemanden, der die geforderten Kriterien erfüllt? Dann kann ich meinen Kontakt ansprechen und darum bitten, die betreffende Person mit mir zusammenzubringen. Meine Kontaktperson tritt dann quasi als Vermittler auf.

Wie sieht denn eine geschickte Ansprache von Personen aus, mit denen ich noch nicht vernetzt bin?

Grundsätzlich sollte ich zu jeder Kontaktanfrage etwas dazuschreiben. Es gibt zwar die Möglichkeit, eine Anfrage ohne jeden Text zu schicken. Aber das ist, als würde ich bei einer Netzwerkveranstaltung meine Visitenkarte auf den Tisch knallen, mich umdrehen und wieder gehen. Da würde ich ja auch ein paar Worte mit den Anwesenden wechseln, mich vorstellen und erklären, warum ich mich für sie interessiere. Das ist bei LinkedIn oder Xing nicht anders. Ich schreibe also zu jeder Kontaktanfrage eine persönliche Nachricht, in der ich mich vorstelle und erkläre, warum ich sie oder ihn anspreche. Mein Ziel ist, dass mein Gegenüber mich als Kontakt bestätigt und mir damit seine Kontaktdaten freigibt. Dann kann ich ihn beispielsweise anmailen oder anrufen.

Apropos Xing – welche Unterschiede gibt es denn zwischen den beiden großen Businessnetzwerken?

Meiner Meinung nach hat LinkedIn derzeit beim Thema Content Marketing klar die Nase vorn, hier lassen sich besonders gut Inhalte verbreiten. Xing dagegen ist stark im Eventbereich, vor allem durch die integrierte Ticketingplattform. Außerdem finde ich, dass hier die Suche und die Einzelansprache von Personen besser gelöst sind. Allerdings muss man sagen, dass die Plattformen ständig in Bewegung sind, das kann morgen alles schon ganz anders aussehen.

Wie sieht denn die Contentstreuung bei LinkedIn konkret aus?

Da gibt es zwei Möglichkeiten. Ich kann zum einen kurze Beiträge direkt von meiner Startseite aus schreiben. Das sind sozusagen Statusmeldungen. Ich kann aber auch deutlich längere Artikel schreiben und die dann formatieren und mit Bildern versehen. LinkedIn bietet dafür einen Editor an, der ein bisschen aussieht wie Word – es ist also sehr einfach, Wörter zu fetten, Überschriften festzulegen usw. Und noch etwas ist besonders: Ich kann meine Beiträge und Artikel mit Hashtags versehen. Über die erreiche ich Menschen über mein eigenes Netzwerk hinaus. Personen, die sich für ein bestimmtes Thema interessieren, abonnieren solche Hashtags beispielsweise. Das gibt es bei Xing übrigens noch nicht.

Und wie sieht es mit Gruppen aus?

Auch auf LinkedIn gibt es zu allen möglichen Themen Gruppen. Um da passende zu finden, kann ich beispielsweise den Suchbegriff „Sekretärin“ oder „Assistentin“ eingeben und die Suche auf Gruppen eingrenzen.

Früher hieß es ja, LinkedIn sei nur auf Englisch nutzbar. Ist das heute immer noch so?

Mittlerweile gibt es eine relativ große deutsche Community. Die Zahl der Mitglieder aus dem DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) liegt bei ca. 14 Millionen – ähnlich viele wie in Xing. Die meisten kommunizieren untereinander natürlich auch auf Deutsch. Außerdem kann ich das ja auch steuern – über ein rein deutschsprachiges Profil, über eine gezielte Suche etc. Damit richte ich schon Filter ein. Übrigens ist es auf LinkedIn auch möglich, das Profil in verschiedenen Sprachen anzulegen. Das ist dann interessant, wenn ich in einem internationalen Umfeld unterwegs bin und mich international vernetzen will.

Gibt es denn auf LinkedIn eine Funktion, die nur wenig genutzt wird, die Sie aber unseren Leserinnen unbedingt ans Herz legen würden?

Lektüre
Netzwerken mit Xing und LinkedIn für Dummies Constanze Wolff, Wiley 2020

Ja, es gibt die sehr spannende Möglichkeit, sich Empfehlungen aussprechen zu lassen. Daran merkt man, dass es sich um ein amerikanisches Netzwerk handelt, die legen unheimlich viel Wert auf Empfehlungen.

Und wie funktioniert das?

Zunächst einmal kann man sich einfach seine Kenntnisse bestätigen lassen. Ich kann in meinem Profil meine Kenntnisse hinterlegen und ein Dritter, also beispielsweise ein Kunde oder eine Kollegin, kann mit einem einfachen Klick darauf bestätigen, dass diese Kenntnisse auch wirklich vorhanden sind. Je mehr Personen dies bestätigen, desto glaubwürdiger ist das natürlich. Solche Bestätigungen kann ich ganz einfach dadurch auslösen, dass ich selbst bei meinen Kontakten deren Kenntnisse bestätige – dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie mir den gleichen Gefallen tun. Und dann gibt es noch die echten Empfehlungen. Da reicht ein einfacher Klick nicht mehr, sondern da muss sich jemand hinsetzen und einen Text schreiben, warum es so toll war, mit mir zusammenzuarbeiten. Diese Empfehlungen werden dann im LinkedIn-Profil angezeigt. Das macht etwas Mühe und ist genau deshalb so wertvoll.

Vielen Dank für das Gespräch.

 Das Interview führte Cordula Natusch.