Hilfe, mein Chef ist jünger als ich

Hilfe, mein Chef ist jünger als ich!
© sepy / fotolia.com

Mit dem Chef gemeinsam in Rente zu gehen, ist schon seit Langem nicht mehr die Realität in deutschen Unternehmen. Muss es auch nicht. Sehen Sie einen jüngeren Vorgesetzten als Chance für Sie selbst und Ihre Karriere!

Irgendwann ist es so weit: Wir sind 20 oder 30 Jahre in unserem Beruf. In dieser Zeit haben wir einen reichen Schatz an Lebenserfahrung und beruflichem Know-how gesammelt. Dann kommt der Tag, an dem eine junge Führungskraft, die dem Alter nach unser Kind sein könnte, die Position des Vorgesetzten übernimmt. Keine leichte Situation, weder für die Sekretärin noch für den neuen Chef. Gerade jetzt ist es wichtig, schnell ein gutes Verhältnis aufzubauen, statt den typischen Vorurteilen zu verfallen.

Generation „Facebook“ vs. Generation „Tagebuch“

Abseits gängiger Vorurteile lässt sich in Unternehmen mit vielen sehr jungen Mitarbeitern beobachten, dass diese mit Machtkonflikten viel selbstbewusster umgehen. Meist setzen sie sich offensiver durch, denken vernetzter und verknüpfen anders. Die Älteren haben dagegen einen anderen Wertekodex. Zu viel Offenheit wirkt suspekt und überfordert manche. Die Angst, nicht mehr mithalten zu können, ist groß.

Doch keine Sorge, das können Sie! Machen Sie sich bewusst, dass beide Verhaltensweisen ganz normal sind. Schließlich wächst jede Generation anders auf und Generationskonflikte gab es immer schon.

Wir ändern uns, weil sich unser Umfeld ändert

So leben die „Jungen“ von heute wieder in einer anderen Welt, in der es z. B. nicht mehr so viele Regeln gibt wie früher. Dafür ist vieles unübersichtlicher geworden. Die jungen Chefs lassen sich schneller duzen, kommunizieren wie selbstverständlich via WhatsApp und Facebook, während es älteren Vorgesetzten nie in den Sinn kommen würde, Privates und Geschäftliches online zu diskutieren. Die alljährliche Betriebsfeier mit kontrollierter Feierlaune war gestern. Heute lädt der junge Chef zum lockeren Brunch, morgen kritisiert er vor versammelter Mannschaft, „dass Monikas Arbeitsleistung absolut nicht ausreicht“

„Ich verstehe die Generation von heute nicht. Sie denkt, wer lacht, arbeitet nicht effizient. Alles muss man sich abzeichnen lassen …“ gestand mir kürzlich eine Personalassistentin. Entwickeln wir uns momentan zurück in die hierarchischen Strukturen unserer Großväter? Eher nicht. Gerade an dieser Aussage wird deutlich, dass nicht nur die ältere, sondern auch die junge Generation Probleme mit den Verhaltensweisen der anderen hat. Menschen, die in den 70er- und 80er-Jahren groß geworden sind, haben eine Menge Konventionen abgelegt – und genau das hat auch die jetzige junge Generation getan. Doch es sind andere Verhaltensnormen.

Beispiel:

Szenen im Sekretariat Während „sie“ ihr eigenes Tempo hat, vielleicht Gründlichkeit und einen Plausch mit langjährigen Kunden pflegt, wittert „er“ Trägheit und Ineffizienz dahinter. Sie legt Wert auf Umgangsformen, bügelt ihre Blusen morgens nochmals auf und trauert in alter Loyalität dem gediegenen Vorgänger nach. Die „alberne Duzerei“, die der junge Chef eingeführt hat, ist ihr ein Gräuel und für sie Zeichen von Pseudo-Lockerheit. „Wenn ich dieses hingeblaffte ‚Stephanie, komm bitte!‘ schon höre …“, schimpft sie sich in Rage: „Dieser Jüngling tritt auf, als hätte er das Rad neu erfunden, dabei hat er außer einem forschen Auftritt und einem ordentlichen Examen nicht viel vorzuweisen.“ Lassen Sie sich nie von Äußerlichkeiten täuschen! Versetzen Sie sich lieber in seine Lage: Ein Vorgesetzter, der im Umgang mit Mitarbeitern (noch) kaum Erfahrung machen konnte, wird Ihre Hilfe als langjährige Assistentin benötigen, aber kaum von Ihnen fordern. Wie auch, denn er oder sie weiß ja gar nicht, was.

Frischer Wind oder heiße Luft? Wer sehr jung zum Vorgesetzten wird, hört und liest oft, dass man sich gleich von Anfang an Respekt verschaffen müsse. Das Team soll merken, wer hier der Chef oder die Chefin ist, von der Kleiderordnung bis zum Führungsstil. Unerfahrene Führungskräfte verwechseln dann schnell Strenge und Verbote mit echter Führungsqualität.

Hinzu kommt der enorme Druck von der Firmenleitung, die auf einem jungen Chef lastet. Man hat ihn eingestellt, um frischen Wind ins Unternehmen zu bringen und um alte, vielleicht nicht mehr zeitgemäße Strukturen aufzubrechen. Eigentlich eine gute Idee, die mit dem „falschen“ Kandidaten aber nicht so laufen wird.

Woher kommen die Probleme?

1. Die „selbsterfüllende Prophezeiung“
Wer glaubt, dass nur erfahrene Führungskräfte gut sind, gibt einer guten Zusammenarbeit keine Chance, denn er oder sie sieht dann nur das Negative in diesem Verhältnis. Gerade zu Beginn ist daher „positive thinking“ angebracht. Probieren Sie es z. B. mit: „Allein dadurch, dass er jünger ist, hat mein Chef so einiges, was andere Vorgesetzte nicht haben.“

2. Machtspielchen
Zwischen Sekretärin und Chef richten sich die Hierarchien eben nicht nach dem Alter. Vergessen Sie nicht Ihre Position, obwohl Sie jetzt sicher die Frage beschäftigt: Von wem lasse ich mir etwas sagen? Auf der anderen Seite will und muss Ihr neuer Vorgesetzter sich ganz schnell beweisen, da er sicherlich Druck von der Geschäftsleitung und eng gesteckte Zielvorgaben hat.

Buchtipp:

Alexander Groth
„Der Chef, den ich nie vergessen werde – Wie Sie Loyalität und Respekt Ihrer Mitarbeiter gewinnen“
campus Verlag, 2014, ISBN 3593501341

Paul Babiak, Robert D. Hare
„Snakes in Suits“ Deutsche Ausgabe: „Menschenschinder oder Manager – Psychopathen bei der Arbeit“
Carl Hanser Verlag, 2007, ISBN 3446409920.

3. Generationskonflikte
Neue Chefs haben prinzipiell eigene Vorstellungen davon, wie sie ein Team führen. Doch eine junge Führungskraft der „Generation Facebook“ bringt mit ihren anderen Werten und Umgangsformen auch eine neue Art von Führungsstil mit, der für Sie ungewohnt sein mag. Denken Sie daran: Auf jüngere, „frisch gebackene“ Führungskräfte kann manche eingefahrene Gepflogenheit im Unternehmen ebenso befremdlich wirken. Die Papierablage beispielsweise, die in vielen Unternehmen noch parallel zum Online-Archiv gepflegt wird: „Warum alles noch ausdrucken, wenn ich die Dokumente im Intranet speichern und dann per Smartphone von unterwegs einsehen kann?“, werden sich die meisten 20- bis 30-Jährigen denken.

Der Altersunterschied macht es gerade am Anfang schwer, Anweisungen von einem jüngeren Chef entgegenzunehmen. Doch diese Haltung führt zu Problemen, denn Sie geben dem „Neuen“ von Anfang an keine Chance, Sie zu überzeugen. Folgende Tipps helfen, Ihr Verhältnis zu entspannen.

So gelingt der gemeinsame Neustart

  • Erkennen Sie Kompetenz:
    Auch wenn er oder sie nicht über so viel Erfahrung verfügt wie Sie, gibt es einen Grund dafür, dass ihm diese Führungsposition übertragen wurde. Finden Sie diese Kompetenzen heraus, dann fällt es Ihnen leichter, den neuen Vorgesetzten zu akzeptieren.
  • Seien Sie aufgeschlossen:
    ‚Wer dem „Neuen“ gleich mit Ablehnung begegnet, verhindert, dass eine fruchtbare Arbeitsbeziehung entsteht. Ihr Chef wird Ihnen nicht vertrauen, wenn er fürchten muss, dass Sie ihm bei der nächstbesten Gelegenheit in den Rücken fallen. Zeigen Sie lieber, dass er sich auf Sie verlassen kann und Sie ihm loyal zur Seite stehen.
  • Sparen Sie mit Ratschlägen:
    Genauso wie Sie nicht möchten, dass Ihnen der junge Vorgesetzte sagt, was Sie zu tun haben, wird er oder sie dies auch nicht gerne hören. Merken Sie, dass er falsch liegt, argumentieren Sie aus der Ich-Perspektive. Achten Sie darauf, dass Ihr Chef sich weder angegriffen noch bloßgestellt fühlt, dann wird er Ihren Rat eher annehmen.
  • Sehen Sie Veränderungen als Chance:
    Der jüngere Chef bringt frischen Wind in die Abteilung und ins Team? Diese Veränderungen müssen nicht schlecht sein, sie bieten auch eine Chance für Sie. Wie schön, wenn die junge Führungskraft endlich Ihre Ideen anhört und Vorschläge ernst nimmt!
  • Zeigen Sie Lernbereitschaft:
    Auch nach jahrelanger Berufserfahrung gibt es immer etwas Neues zu lernen. Seien Sie offen und neugierig, lassen Sie sich auf neue Arbeitsweisen ein und erweitern Sie Ihr Wissen.

Fazit

Das Alter sollte – wie auch das Geschlecht – generell keine Rolle spielen. Wenn Sie als Assistentin dazu beitragen, dass Jung und Alt schnell zu einem eingespielten Team zusammenwachsen, gehören Sie auch mit 50 noch lange nicht zum „alten Eisen“!

Die Autorin Manuela Krämer M.A. (federkunst- texte.de) arbeitet in der Werbe- und Verlagsbranche als Texterin, Autorin und Redakteurin

Dossier zum Thema „Chefentlastung“

Kompetenzfelder abstecken und Entscheidungen für den Chef vorbereiten – das sind zwei wichtige Punkte in der Chefentlastung. Dieses Dossier leitet Sie an, beide Punkte zu überprüfen und zu optimieren.

Dossier: AKV-Prinzip und Entscheidungen vorbereiten – Chefentlastung Dossier: AKV-Prinzip und Entscheidungen vorbereiten – Chefentlastung

  1. Carmen Perez

    Naja, ich denke, ein Problem ist auch, wenn ein junger Chef die vorhandenen Ressourcen und das Wissen nicht nutzt, denn die Ablage „das sind ja nur 5 Min.“ und damit stellt er gerne Leute aufs Abstellgleis. Klar machen, was man leisten kann, schön, aber wenn es nicht gewünscht oder gesehen wird, was bleibt dann übrig? Veränderungswille alleine bringt es auch nicht, wenn die Kompetenzen und das Wissen als irrelevant angesehen werden und stattdessen sich das Leben unnötig schwer gemacht wird. Jeder hat seinen Platz und seine Bestimmung, aber das muss auch genutzt und anerkannt werden. Lösungsvorschläge für Beratungsresistente?

  2. Bianca Neubert

    Klingt ja alles ganz gut. Und im Wesentlichen sitmme ich dem auch voll und ganz zu. Was aber, wenn der junge Chef, der Junior ist, dem das Familienunternehmen gehört. Und er gar nicht jung & frisch agiert, sondern die alteingefahren Strukturen und Verhaltensweisen seines Vaters übernimmt und sich gar nicht bemüht „frischen Wind“ zu bringen. Da ist manche/r Angestellte/r mit über 40 moderner und aufgeschlossener. Wie soll man sich da verhalten; außer zu resignieren?

Sekretaria-Talk: Was meinen Sie dazu?