Selbst-PR will gelernt sein – so rücken Sie sich ins richtige Licht!

Selbst-PR will gelernt sein
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Seit eh und je tun sich Frauen schwer damit, ein bisschen selbstbewusster im Job aufzutreten. Gerade in der Assistenzlandschaft, wo man leider immer wieder an seine Grenzen geführt wird, wenn es um das Thema Rollenverständnis und Positionierung geht, scheint dies ein besonders heikles Thema zu sein. Denn gefühlt agieren Assistenzen stets aus Reihe zwei und sehen sich noch immer als klassischen Dienstleister.

Aber weit gefehlt! Denn die Hüter der Macht und die Manager hinter den Managern können eine ganze Menge mehr, sie müssen es lediglich lernen, offen zu kommunizieren und darzustellen. Zeit also, damit frech und frei zu kokettieren und einmal allen zu zeigen, was in Ihnen steckt.

Aber wie stellt man es am besten an ohne sich dabei selbst zu schaden oder gar als Rampensau tituliert zu werden? Mit der richtigen Mischung werden Sie auf dem Parkett der Selbst-PR erfolgreich sein. Lassen Sie es uns gemeinsam angehen.

Wie überzeuge ich richtig?

Über­zeu­gung ist der Kern al­ler wirt­schaft­li­cher Tä­tig­keit. Kun­den müs­sen da­von über­zeugt wer­den, bestimmte Pro­duk­te zu kau­fen, Mitarbeiter müssen überzeugt werden, einer Unternehmensstrategie zu folgen. Ob­wohl es so wich­tig ist, über­zeu­gen zu kön­nen, ha­ben die meis­ten Assistenzen Schwie­rig­kei­ten damit, dies zu artikulieren und zu präsentieren.

Wie fängt man also an?

Ganz einfach, indem Sie sich Ihrer Stärken bewusst werden. Schreiben Sie daher einmal all Ihre derzeitigen Aufgaben auf und vermerken dahinter, welche Kompetenz und Stärke Sie für jede einzelne Aufgabe mitbringen.

Hier sind zwei Beispiele zur Veranschaulichung:

  1. Aufgabe: Terminmanagement
    Stärke: Ich bin proaktiv in der Terminführung meines Vorgesetzten, indem ich mit dem bewährten Farbsystem Strukturen schaffe.
    Schlagwort: proaktiv
  1. Aufgabe: E-Mail-Management
    Stärke: Ich arbeite meine E-Mails gewissenhaft ab und antworte stets innerhalb von 2 Stunden.
    Schlagwort: gewissenhaft

Storytelling als Erfolgsfaktor

Sicherlich sind Sie erstaunt, welch unglaublich tolle Schlagwörter Sie zusammengetragen haben. Es ist doch immer wieder ein schöner Wow-Effekt und Motivator, all diese Stärken vor sich liegen zu sehen. Seien Sie stolz auf Ihr Profil!

Um Ihren Chef und Ihre Kollegen für Sie zu begeistern, brauchen Sie eines: Geschichten. Achten Sie dabei darauf, dass Sie in Ihren Geschichten die Werte vermitteln, an die Sie glauben und von denen Sie andere überzeugen wollen. Und denken Sie dabei vor allem an Ihre Schlagwörter. Verbindlichkeit ist zum Beispiel ein sehr schönes Wort, das äußerst passend für den Beruf der Assistenz steht. Durch verbindliches Handeln zeigen Sie Ihre Kompetenz und vermitteln Ihrem Gegenüber Zuverlässigkeit und Professionalität.

Ausgestattet mit Ihrem zugeschnittenen Storytelling-Set laufen Sie nun motiviert los und erwähnen immer wieder bewusst Ihre Stärken an den richtigen Stellen bei den strategisch wichtigen Personen. Geht es also einmal darum, Teil des Organisations-Teams eines internationalen Meetings zu sein, schreien Sie künftig ganz laut: „Ich bin gerne dabei, denn ich bin bereits gut vernetzt mit den internationalen Kollegen und ich spreche sehr gutes Englisch.“ Haben Sie die zwei wichtigen Schlagwörter erkannt? „Vernetzt“ und „Englisch“. Und schon haben Sie wieder zwei Stärken erfolgreich positionieren können.

Frech kommt weiter!

Zum guten Storytelling gehört es ab und an auch, dass man Grenzen austestet. Dies kann eine sehr direkte Art des Feedback-Gebens sein oder das Einfordern von mehr Gehalt. Haben Sie es schon einmal ausprobiert? Wenn nicht, dann helfen Ihnen diese sprachlichen Vorgaben sicherlich dabei:

Feedback an den Vorgesetzten geben:
„Ich hätte mich gefreut, wenn ich es von Ihnen persönlich erfahren hätte, dass Herr Müller uns nächsten Monat verlassen wird. Sie wissen, wie sehr ich ihn als Kollegen und Menschen geschätzt habe. Das hat mich enttäuscht.“

Fordern einer Gehaltserhöhung beim Vorgesetzten:
„Ich wünsche mir, dass Sie mich in meiner Entwicklung kontinuierlich unterstützen und meine Arbeit honorieren. Ich möchte auch weiterhin motiviert für Sie arbeiten und bin dafür bereit, die Extrameile zu gehen. Unterstützen Sie mich dabei, eine Gehaltserhöhung von 10% zu erreichen.“

Sie begeben sich mit dieser direkten Art der Kommunikation automatisch auf eine neue Flughöhe und dies verschafft Ihnen nicht nur den Respekt sondern auch die Akzeptanz Ihres Gegenübers.

Es versteht sich von selbst, dass man gerade bei dieser Herangehensweise sehr stark auf seine Wortwahl achten sollte. Forsch aufzutreten ist eine Sache, die richtige Tonalität zu treffen eine andere. Oftmals ist dies nur ein schmaler Grat zwischen dem Artikulieren eines ausgeprägten Wunsches und einer Forderung oder gar einem Befehl. Bleiben Sie hierbei immer in der Ich-Botschaft. Dies verdeutlicht einmal mehr, welche Relevanz das Thema für Sie hat und dass Sie klare Ziele verfolgen. Das imponiert und man wird Ihnen Gehör schenken.

Bleiben Sie authentisch

Nach den Erkenntnissen des Soziologen Ervin Goffman spielen wir alle Theater und versuchen ständig, andere durch seriöse Kleidung, freundliche Mimik, feste Stimme und bestimmtes Verhalten zu beeinflussen. Keine Frage, wir alle wollen authentisch wirken. Bleiben Sie also bei sich selbst und bei Ihren Werten und versuchen Sie nicht, das selbstbewusste Auftreten anderer zu kopieren. Man wird es ihnen nicht abnehmen. Vorsicht also vor zu viel Selbstinszenierung.

Rückschläge wird es immer geben

Angst und Ablehnung – dies sind die größten Hürden, die es zu meistern gilt in der Selbst-PR. Denn natürlich wird es Rückschläge geben. Vergessen Sie an dieser Stelle jedoch nie, dass Sie wichtige Meilensteine bereits gemeistert haben. Mut ist einer davon. Sie sind mit diesem Mut vielen voraus, die sich vor ihrer eigenen Courage einschüchtern lassen, sich nie offen äußern werden, Dinge einfordern und somit weiterhin in der zweiten Reihe agieren werden.

Bleiben Sie also gelassen, wenn einer dieser Rückschläge bei Ihnen anklopft. Suchen Sie Ihren „Inner Circle“ auf, ein Kreis von Vertrauten, die sie fachlich und thematisch auffangen können und sprechen Sie mit einem Mentor. Mentoring kann ein wichtiger Bestandteil in der Erlernung des Selbst-Marketings sein. Vertrauen Sie daher von Anfang an auf bewährte Wegbegleiter, die ihnen immer mal zum Tun oder Nicht-Tun raten und Sie in Ihren Stärken ermutigen.

Fazit

Von heute auf morgen lassen sich bekanntlich keine Berge versetzen. Aber man kann sie dezent anschubsen, immer ein bisschen mehr. Ein Anfang ist schnell gemacht, aber den können nur Sie alleine machen. Kommen Sie also raus dem Schneckenhaus und setzen Sie sich mit Pauken und Trompeten in Szene und arbeiten an Ihrer Selbst-PR. Investieren Sie in sich selbst. Denn gerade im Zeitalter der Digitalisierung und der Vernetzung, ist nun auch Ihre Zeit gekommen. Werden Sie zum Marketing-Profi Ihrer eigenen Marke: der Marke Ich.

Diana BrandlDie Autorin und sekretaria-Dozentin Diana Brandl blickt auf eine erfolgreiche Karriere auf Top-Managementebene in Unternehmen wie ratiopharm, Sony und Mister Spex zurück. Sie engagiert sich intensiv für das Berufsbild der Office Professionals und fungiert als Acting Public Relations Officer im Vorstand von IMA. Frau Brandl ist zudem Fachautorin, betreibt ihren eigenen Blog, gibt Schulungen und Workshops und spricht auf nationalen wie internationalen Konferenzen.

Ihre umfangreichen Erfahrungen fließen in Ihren Online Zertifikatskurs „Selbstmarketing für die Assistentin“ ein.

  1. Rita Weymann

    Aus meiner langjährigen Erfahrung können nur authentische, selbstsichere Vorgesetzte mit einer selbstbewussten Assistenz auf Augenhöhe arbeiten. Wer immer nur möchte, dass A gemacht wird, wenn A gesagt wurde, wünscht sich einen Untertanen. Meine Ansprüche an meine Chefs sind im Laufe der Zeit gewachsen. Meine Selbstsicherheit ist für viele ein rotes Tuch.

Sekretaria-Talk: Was meinen Sie dazu?