Je unwissender, desto selbstbewusster – der Dunning-Kruger-Effekt

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„Ich weiß, dass ich nichts weiß“, sagte einst Sokrates, der sicher mehr wusste als viele seiner Zeitgenossen.

Wer wenig über ein Thema weiß, überschätzt mitunter die eigenen Fähigkeiten – dieses Phänomen wird als Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet. Warum gerade fehlendes Wissen die Selbsteinschätzung erschwert, welche Folgen das im Berufsalltag haben kann und wie sich die eigene Einschätzung verbessern lässt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Manchmal kann man sich nur wundern: Ausgerechnet die Kollegin, die über nichts lachen kann, hält sich für besonders humorvoll. Und gerade der Kollege, bei dessen Redebeiträgen alle wegnicken, ist von seinen Rhetorikkünsten überzeugt. Ähnliches zeigt sich bei Befragungen, bei denen über 80 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angaben, sie seien gute oder gar sehr gute Autofahrerinnen und Autofahrer – eine Einschätzung, die mit den Erfahrungen, die man selbst am Steuer macht, heftig kollidiert.

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Was ist der Dunning-Kruger-Effekt?

Benannt ist der Dunning-Kruger-Effekt nach den US-amerikanischen Psychologen David Dunning und Justin Kruger. In Studien stellten sie 1999 fest, dass Personen, die bei Tests zu Humor, Grammatik und Logik besonders schlecht abschnitten, sich selbst für überdurchschnittlich fähig in diesen Bereichen hielten. Was zunächst paradox wirkt, lässt sich durch eine fehlende metakognitive Kompetenz erklären.

Warum fehlendes Wissen zur Selbstüberschätzung führen kann

Um die eigenen Fähigkeiten in einem Bereich richtig einschätzen zu können, ist ein gewisses Wissen darüber notwendig. Wer beispielsweise die Regeln der Grammatik nicht kennt, erkennt auch die eigenen Fehler schwerer. Erst das Wissen um die Existenz und die Beschaffenheit der Regeln würde es dieser Person ermöglichen, ihre eigenen Fehler zu bemerken.

Mit wachsendem Wissen steigt also die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung. Oder, um es mit einem bekannten Gedanken von Albert Einstein auszudrücken: „Je mehr ich weiß, desto mehr erkenne ich, dass ich nichts weiß.“

Wenn Selbstüberschätzung sogar hilfreich sein kann

Ein realistischer Blick auf die eigenen Fähigkeiten kann manchmal entmutigen. Wer die eigene Kompetenz nur für mittelmäßig hält, traut sich eine anspruchsvolle Aufgabe vielleicht nicht zu und bewirbt sich erst gar nicht für ein herausforderndes Projekt oder eine attraktive Stelle.

Dann kann es leicht passieren, dass eine Kollegin zum Zuge kommt, die weit weniger kompetent ist, aber selbstbewusst auftritt und sich gut präsentiert. Vielleicht wächst sie schließlich an der neuen Aufgabe und meistert sie dennoch. Ein gewisses Maß an Selbstüberschätzung kann also durchaus dazu beitragen, sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Wie Selbstüberschätzung die Teamarbeit beeinträchtigen kann

Ausgeprägte Selbstüberschätzung kann allerdings die Leistung des gesamten Teams beeinträchtigen. Betroffene übernehmen möglicherweise immer wieder Aufgaben, denen sie nicht gewachsen sind. Das zieht Fehler und Nachbesserungsaufwand nach sich und führt bei den Betroffenen selbst zu Enttäuschung und Frustration.

Hinzu kommt: Wer die eigenen Fähigkeiten schlecht einschätzen kann, hat möglicherweise auch Schwierigkeiten, die Kompetenzen anderer realistisch zu beurteilen. Dadurch werden Gelegenheiten verpasst, von erfahreneren Kolleginnen und Kollegen zu lernen und produktiv mit ihnen zusammenzuarbeiten. Auch das kann die Teamleistung schwächen.

Praxistipp: Die eigene Selbsteinschätzung prüfen

  • Holen Sie sich regelmäßig Feedback ein: gezielt nach Einschätzung Ihrer Leistung fragen und kritische Rückmeldungen ernst nehmen.
  • Vergleichen Sie Ihre Einschätzung: vergleichen Sie Ihre eigenen Wahrnehmung mit messbaren Resultaten.
  • Hinterfragen Sie Ihre Wissenslücken: überlegen Sie, in welchen Bereichen Ihnen noch Erfahrung fehlt.
  • Nutzen Sie Weiterbildungen: Schulungen, Kurse und Trainings können die Selbsteinschätzung verbessern.

Wie sich die Selbsteinschätzung verbessern lässt

Kruger und Dunning stellten in ihren Untersuchungen fest, dass zusätzliches Training nicht nur die Fähigkeiten der Teilnehmenden verbesserte. Mit zunehmendem Wissen konnten sie auch ihre eigene Leistung realistischer einschätzen.

Übertragen auf den Berufsalltag bedeutet das: Weiterbildung und konstruktives Feedback können helfen, Wissenslücken zu erkennen und die eigenen Fähigkeiten besser einzuschätzen. Ein rhetorisch schwacher Kollege könnte beispielsweise von einem Rhetorikkurs besonders profitieren. Und vielleicht erkennt er anschließend sogar selbst, dass bei seinen Redebeiträgen noch Luft nach oben ist.

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