Curated Shopping

Betreutes Online-Shoppen – werden wir bald alle so einkaufen?

Curated Shopping
© Syda-Productions / fotolia.com

Musik, Waschmaschinen, Schmuck, Mode – im Internet einzukaufen ist längst völlig normal. Noch nicht so bekannt ist allerdings die Möglichkeit, sich beim Curated Shopping („betreutes Einkaufen“) von persönlichen Einkaufsberatern begleiten zu lassen.

Mühsam erkämpfte Parkplätze, Gedränge in den Geschäften, lange Warteschlangen vor den Kassen… All das ist nichts für sie: „Pokerface“, wie sich die sekretaria-Leserin in unserem Forum nennt, ist Assistentin der Geschäftsleitung – und sie hasst shoppen. „Wenn es denn mal sein muss, bin ich hinterher (eigentlich schon von Beginn an) total genervt. Für mich persönlich wäre also so eine Box mit passenden Sachen, die mir auch noch gefallen, das Paradies.“

Nie wieder Einkaufstüten schleppen

Eine Frage in der Community hatte ihr Interesse geweckt und schon testete Pokerface die neue Shopping-Option kurzerhand selbst. Das Schönste: Während andere Einkaufstüten schleppten, wartete die sekretaria-Leserin zu Hause bequem auf das Paket.

Schon nach wenigen Tagen klingelte es an der Tür. „In dem Päckchen waren Oberteile, die ich mir im Geschäft nie ausgesucht, also gar nicht erst anprobiert hätte“, erzählt die Assistentin der Geschäftsleitung. „Da ich diese jetzt einmal zu Hause hatte, habe ich sie auch angezogen und dabei nur positive Überraschungen erlebt. Da werden garantiert ein bis zwei Lieblingsteile für die Zukunft dabei sein. In eine Bluse habe ich mich beim Anprobieren komplett verliebt.“

Offline wie online: Curated Shopping vereint die Vorteile beider „Welten“

So begeistert wie die sekretaria-Leserin sind immer mehr Nutzer des Curated Shopping. Immerhin vereint dieses Geschäftsmodell die Vorteile aus beiden „Welten“: die persönliche Beratung des Einzelhandels offline und die schier unbegrenzte Auswahl des Internets online.

Und man spart immens Zeit und Mühe – für viel beschäftigte Assistentinnen und Sekretärinnen ist das ein dickes Plus. Lange Anfahrtswege fallen ebenso weg, wie das Anprobieren in engen Umkleidekabinen – oder virtuell die mühsame Suche bei diversen Anbietern. Noch dazu hat man es meist mit echten Styling-Profis zu tun, die mit kundiger Hand ein stimmiges Komplett-Outfit zusammenbauen, individuell abgestimmt auf die Ansprüche und Wünsche der Kundin/des Kunden.

Es begann als Geschäftsmodell für shoppingfaule Männer

Die Geschäftsidee des Curated Shopping kam vor rund drei Jahren auf. Sie richtete sich zunächst an shoppingfaule Männer. Die ersten Anbieter waren Modomoto und Outfittery. Beide sind bis heute die wohl bekanntesten Dienstleister auf dem deutschsprachigen Markt. Sie bieten hochwertige Markenkleidung und richten sich ausschließlich an Herren. Unterschiede gibt es, wenn überhaupt, nur im Zuweisen einer persönlichen Stylistin mit Bild und Name.

Unter den Anbietern sprach es sich allerdings bald herum, dass auch viele Frauen ihre Zeit lieber sinnvoller verbringen, als in vollen Geschäften und langen Kassenschlangen. Schon spezialisierten sich Anbieter wie Kisura auf weibliche „Shoppingmuffel“.  Bald stiegen auch große Online-Händler wie Zalando ein: Der Onlineshopping-Riese gründete mit Zalon seinen eigenen Curated Shopping-Ableger – sowohl für Frauen, als auch für Männer.

Allerdings schaffte nicht jeder den erfolgreichen Sprung auf das vermeintliche „Zugpferd“ Curated Shopping: Nach kaum einem Jahr musste Peek und Cloppenburg seinen Online-Shop „Fashion-ID“ wieder schließen, vermutlich aus mangelnder Rentabilität.

Am Anfang steht der Fragebogen

Das Prinzip erfolgreicher Curated Shopping-Anbieter ist immer gleich: Am Anfang füllte auch Pokerface zunächst einen Online-Fragebogen aus, rund um Körpermaße, persönlichen Stil und modische Vorlieben. „Die persönlichen Angaben, die abgefragt worden sind, fand ich sehr vielseitig“.

Es folgte ein persönliches Telefonat zwischen Kundin und Beraterin. Alternativ dazu können mögliche Rückfragen auch per E-Mail geklärt werden. Danach geht das Paket auf die Reise und erreicht wenige Tage später die Kundin/den Kunden.

Im Optimal-Fall – wie bei Pokerface – trifft die Auswahl voll ins Schwarze: „Ich bin komplett aus dem Häuschen. Habe gestern Abend Modenschau für meinen Mann gemacht und wir waren wirklich beeindruckt, was für tolle Sachen mir da geschickt worden sind.“

Das Konzept ging hier voll auf: „Zumal ich gestehen muss, dass ich von den Oberteilen im Geschäft nicht ein einziges anprobiert hätte. Schon beim Auspacken habe ich gedacht: „Okay, die Blümchenbluse geht jetzt gar nicht….“, aber ich habe sie trotzdem angezogen und mich sofort in sie verliebt.“

Eine Frage des persönlichen Geschmacks

All ihren Freundinnen empfehlen würde die sekretaria-Leserin das betreute Online-Shoppen jedoch nicht: „Die meisten Frauen, die ich kenne, ziehen das Einkaufen im Geschäft wohl vor. Ich denke nicht, dass diese Art des Shoppens für meine Freundinnen interessant wäre.“

Zudem hat das Geschäftsmodell noch immer den Nachteil, dass man die Sachen, die nicht passen, wieder zurückschicken muss. „Ist halt eventuell mit einem kleinen Aufwand verbunden. Aber persönlich habe ich den Nachteil jetzt nicht gehabt.“

Doch selbst wenn die Stücke nicht passen, erfolgt die Bezahlung meist später per Rechnung und die Rücksendung ist gratis. Die geshoppte Ware per Post zurückschicken oder zu Fuß zurücktragen? Auch bis zum Schluss ist und bleibt Curated Shopping letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Curated Shopping, ja oder nein: Wäre diese neue Form des Shoppens auch was für Sie? Mehr dazu und zur richtigen Sommermode im Büro lesen Sie in der Mai-Ausgabe von sekretaria!


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  1. Sab

    Inzwischen ist der Trend in der Mitte der Gesellschaft angekommen, zuletzt ist SinnLeffers (http://www.textilwirtschaft.de/business/SinnLeffers-bietet-Curated-Shopping-an_102287.html) mit einem Curated Shopping Angebot gestartet. Auch für Kinder gibt es diese Angebote bereits (Kindhochdrei, Zalon). Ob es in 2 Jahren aber noch die hälfter der Unternehmen gibt, wird sich zeigen – vieles steht und fällt mit den Mitarbeitern und ob diese den Stil der Kunden wirklich treffen.

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