1. SÜDPOOL PERSONALKONZEPTE

    Liebe Susanne Winkler,

    ich möchte Ihnen von Herzen zustimmen! Im Grunde geht es nämlich überhaupt nicht um den richtigen Titel, sondern um die (erfüllenden) Aufgaben und das eigene Selbst- bzw. Rollenverständnis.
    Leider erlebe ich in meinem Alltag als Karrierecoach und Headhunterin für Assistenz- und Sekretariatspositionen jedoch oft, dass sich Bewerberinnen von den vermeintlich „falschen“ Stellentiteln abschrecken lassen und eine Bewerbung erst gar nicht Betracht ziehen. Auf der anderen Seite sagen meine Mandanten oft, dass es ihnen ganz egal ist, wie der Stellentitel ist – Hauptsache die Person passt super! Häufig hatte ich auch schon den Fall, dass eine Firma eine Stelle als Office – Manager bezeichnet hat, aber eigentlich „nur“ eine Empfangsassistenz suchte….
    Titel werden nun mal nicht einheitlich verwendet. Das ist ein existierendes Problem, mit dem alle Beteiligten irgendwie umgehen müssen…Leider führt die unterschiedliche Verwendung der Titel oft zur Verwirrung und lenkt m. E. vom Wesentlichen ab:
    Liebe Assistentinnen, Sekretärinnen, Office Managerinnen… und Kaffee kochende Tippsen☺ , Sie wissen doch ganz genau welche tolle Arbeit Sie jeden Tag abliefern, Sie wissen doch ganz genau, dass ohne Sie und Ihre Kolleginnen das Chaos im Büro ausbrechen würde. Machen Sie sich also endlich frei von den Titeln und stehen Sie selbstbewusst zu Ihren Aufgaben und Ihren Leistungen. Sie sind es doch, die oft unmögliche Dinge erst möglich machen! Meinen Sie nicht, dass es das Wichtigste ist, wie Sie selbst sich sehen?!
    Nur Ihre Selbstwahrnehmung und Ihr Selbstverständnis zählen.
    Gehen Sie selbstbewusst mit Ihrem Titel um – auch wenn er Ihnen nicht gefällt, denn Namen sind nur Schall und Rauch und sagen nichts, aber auch gar nichts über Sie als Person und Ihre Qualifikation aus!
    Ich weiß, das klingt manchmal leichter gesagt, als getan. Daher habe ich hier drei mögliche (Handlungs-)Optionen für Sie:
    1. Sollten Sie auf Jobsuche sein:
    Dann sollten Sie bei der Suche niemals vom Stellentitel leiten lassen, sondern den Fokus auf die Funktionen und eigentlichen Aufgaben legen. Geben Sie unbedingt verschiedene (auch ungeliebte!) Stellentitel in die Suchmaske der Jobboards ein. So erhalten Sie eine größere Auswahl an möglichen Jobs.

    2. Sollten Sie lediglich mit Ihrem aktuellen Titel bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber unzufrieden sein:
    Sprechen Sie Ihren Chef an. Bei kleineren Unternehmen ist ein Titelwechsel oft gar kein Problem. Das habe ich schon oft erlebt. Chefs sind oft froh, wenn Sie mit so einer Kleinigkeit (in ihren Augen) einen Mitarbeiter glücklich machen (d.h. den Mitarbeiter nicht verlieren und auch keine Gehaltserhöhung zahlen müssen). Lassen Sie sich ggf. ein Zwischenzeugnis mit dem neuen Stellentitel ausstellen. Dann ist der Titel fixiert.
    Oder
    Akzeptieren Sie Ihren Titel (s.o) Denn SIE wissen was Sie leisten. Machen Sie Ihre Zufriedenheit nicht von äußeren Umständen (einem Titel) abhängig.

    3. Sollten Sie jedoch (ggf. auch aufgrund des Titels) finanziell ausgebremst sein bzw. benachteiligt sein und mehr Geld verdienen wollen:
    Suchen Sie das Gespräch!
    Bitten Sie um einen Termin, um über Ihren Verantwortungsbereich und Ihre Erfolge zu sprechen. In diesem Termin legen Sie dar, warum ein höheres Gehalt angemessen ist.
    Hier einige grundsätzliche Tipps auf die Schnelle:
    1. Bereiten Sie das Gespräch gut vor (Die richtige Vorbereitung und das Timing für ein Gehaltsgespräch sind das A und O!)
    2. Suchen Sie alle positiven Bemerkungen und jedes Lob, das Sie seit Ihrem letzten Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten erhalten haben, zusammen.
    3. Halten Sie sich an Zahlen Fakten. (Bitte keine schwammigen Aussagen wie „ich denke“, „gefühlt würde ich sagen dass“, schätzungsweise“ etc. Bitte auch keine privaten Begründungen wie z.B. gestiegene Lebenshaltungskosten oder das höhere Gehalt der Kollegin anführen!)

    4. Überlegen Sie, was Sie im nächsten Jahr (und in den folgenden Jahren) zum Erfolg des Teams oder des Unternehmens beitragen können.

    5. Überlegen Sie, aus welchem Grund Ihr Chef Ihnen mehr Geld geben möchte(!).

    5. Recherchieren Sie genau, wie viel mehr Geld Sie verlangen können und
    6. Sprechen Sie NIEMALS, NIEMALS von einer Gehaltserhöhung! Dieses Wort muss tabu sein!!

    Ok, soweit so gut…Wie sollen Sie das Gehaltsgespräch aufbauen? Ganz einfach.
    Sie wollen mehr Geld? Dann müssen Sie Ihre Geschichte gut verkaufen! Genau wie bei jeder Selbstpräsentation („Elevator Pitch).
    Bauen Sie das Gespräch also wie folgt auf:
    • Ausgangssituation
    • Konflikt und
    • Lösung.
    Die Lösung sollte die Gehaltserhöhung sein. Am einfachsten erreichen Sie dies, wenn Sie die Fragen Wer?, Was?, Wo?, Warum?, Wann? und Wie? abdecken.
    Auf diese Weise gehen Sie nicht nur gut vorbereitet in das Gespräch, sondern Sie „entdecken“ auch jede Menge Projekte/Erfolge/Zusatzaufgaben etc. die Sie in der Vergangenheit „mal so nebenbei“ erledigt haben und schon fasst wieder vergessen hatten. Ein zusätzlicher Push fürs Selbstbewusstsein! Versprochen! 🙂

    Liebe Assistentinnen, vielleicht hilft Ihnen der eine oder andere Tipp weiter, um in Zukunft „Ihren Frieden“ mit Ihrem Stellentitel zu schließen und sich als das zu sehen, was Sie sind: Der (stets freundlich lächelnde) Dreh-und Angelpunkt eines komplexen Büro-Umfelds, ohne den Ihr Chef wahrscheinlich nicht „überlebensfähig“ wäre. Sie tragen durch die administrative Entlastung Ihres Executives zum messbaren (!) Unternehmenserfolg bei. Vergessen Sie das bitte nicht!

    Egal welchen der drei Wege (Akzeptanz, Jobsuche oder höheres Gehalt) Sie in Zukunft einschlagen: Ich wünsche Ihnen ganz viel Erfolg und die dafür nötige Portion Selbstbewusstsein.
    Herzlichst
    Constanze Wiedermann
    P.S: Eine genaue Anleitung für ein Gehaltsgespräch inkl. Workbook und (Wort-für Wort) Gesprächsleitfaden finden Sie auf unserem Blog. (Ich werde jedoch keinen Link einstellen, da ich nicht weiß, ob das erlaubt ist…)
    P.P.S.
    Aus Gründen der besseren Lesbarkeit und Vereinfachung habe ich bei Personenbezeichnungen ausschließlich die männliche ODER die weibliche Variante gewählt. Diese sollen jeweils für beide Geschlechter gelten. Die verkürzte Sprachform beinhaltet keinerlei Wertung.

  2. Charly

    Ich nenne mich lieber Sekretär/in, denn, wenn man in seiner Funktion im Wesentlichen Sekretariatsarbeiten erledigt, empfinden die Kollegen z. B. die Bezeichnung „Office-Manager“ als überzogen und schmunzeln über einen solchen Titel, denn schließlich ist man kein Manager.

    1. J.B.

      Da ist es dann aber auch wieder davon abhängig, wie „Manager“ definiert wird.
      Ich habe 4 Jahre in England gearbeitet und deshalb ist es für mich gang und gebe mich Office-Managerin zu nennen. Denn ich tue genau das. Ich manage das Büro. Nur weil man keine Personalverantwortung dabei trägt, ist es für mich nicht weniger eine Management Position.

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