Assistenzen im digitalen Zeitalter

Alexander Müller erklärt die digitale Revolution im Office

Referent Alexander Müller

sekretaria.de: Alle sagen immer, dass wahnsinnige Veränderungen auf uns zukommen. Können Sie uns ein paar Beispiele nennen? Ganz konkret: Wie ist es heute, wie läuft es in 2 Jahren?

Alexander Müller: Generell unterschätzt man immer die nächsten zwei Jahre, weil man glaubt, dass sich die nächsten zwei Jahre so schnell verändern, wie die letzten zwei Jahre. Bei Innovation ist es jedoch so, dass die Geschwindigkeit immer zunimmt! Denn Innovationen verlaufen exponentiell. Ein Beispiel: Wenn man 30 Schritte läuft und jeden Schritt verdoppelt, dann läuft man 800.000.000 Meter. Das glauben viele nicht, es ist aber tatsächlich so. Das Ganze ist dann eine exponentielle Kurve. Und genauso ist das auch bei Innovationen, bei Digitalisierung und bei der Geschwindigkeit, mit der sich Dinge verändern. Die nächsten zwei Jahre entwickeln sich daher mindestens doppelt so schnell wie die letzten zwei Jahre und das muss uns bewusst sein!

So werden zum Beispiel ganz konkret persönliche Assistenzen wie Siri oder wie Amazon Echo, also persönliche Assistenzen, die durch künstliche Intelligenz gesteuert sind, enorm an Intelligenz und auch an Services und Dienstleistungen zunehmen. Aktuell werden solche persönliche Assistenzen eher im Privat-Bereich eingesetzt, zukünftig wird so etwas auch, wie heute schon auf dem iPhone bei Siri, große Bedeutung im Businessbereich bekommen.

sekretaria.de: Wie kann sich die Assistenz vorbereiten? Können Sie uns konkret ein paar Soft Skills nennen, die man haben sollte?

Alexander Müller: Es sollte jede Chance genutzt werden, sich mit dem Thema Digitalisierung auseinanderzusetzen. Es gibt gute Bücher, die einem ein besseres Verständnis geben, es gibt Kongresse, wie beispielsweise den Assistentinnen-Tag oder es gibt Veranstaltungen, die man besuchen kann – aber das aller, allerwichtigste ist, dass man eine spielerische Neugierde entwickelt, was es an neuer Technik gibt und diese auch einfach anfängt zu testen. Man sollte sich als ständig lernenden Menschen definieren, der immer Lust darauf hat, neue Dinge zu lernen. Beispielsweise Apps zu testen, die einem den Alltag und vor allem auch den beruflichen Alltag, also das Leben von sich und seinem Chef, einfacher machen. Das spielerische Testen ist einer der Schlüsselfaktoren, um digitale Trends für sich nutzen zu können!

sekretaria.de: Wie ändert sich die Beziehung Assistenz-Chef?

Alexander Müller: Vor ein paar Jahrzehnten, da hatte jeder Vorstand oder jede Geschäftsführung noch ein eigenes Schreibbüro. Da saßen dann mehrere Mitarbeiter, die den ganzen Tag lang Briefe an der Schreibmaschine geschrieben haben. Diese wurden dann zu anderen Abteilungen zum Gegenlesen gegeben, dort wurde korrigiert und so hat man viele Menschen beschäftigt. Heute ist das alles effizienter. Heute hat man in der Regel eine Assistenz und die ist heute schon viel, viel mehr als eine klassische Sekretärin oder ein klassischer Sekretär. Denn sie hat wirklich Assistenzfunktion, d.h. sie ist ein Stück weit das zweite Gehirn des Chefs oder der Chefin. Aber auch das wird sich weiterentwickeln.
Durch künstliche Intelligenz, virtuelle bzw. digitale Assistenten wird das althergebrachte Aufgabenspektrum von Assistenzen weiter reduziert. Aufgaben werden durch Automatisierung und durch künstliche Intelligenz ausgelagert. Es wird hierbei Chefs geben, die das ganz intensiv für sich nutzen. Es wird aber auch Chefs geben, wo die Assistenz als menschliche Schnittstelle zwischen Internet, Digitalisierung und Chef dienen wird. Dabei ist es ganz wichtig, dass die Assistenz digitale Kompetenzen hat, um ihren Chef oder ihre Chefin bei dieser digitalen Transformation zu unterstützen und weiterhin sein/ihr Rückgrat auch bzw. gerade bei digitalen Fragen zu sein.

sekretaria.de: Welche gesellschaftlichen Veränderungen sind zu erwarten? 

Alexander Müller: Das Ausmaß einer gesellschaftlichen Veränderung ist kaum absehbar. Denn durch die zunehmende Geschwindigkeit von Digitalisierung und Veränderung ist beispielsweise auch der Staat gefragt, die Gesetze anzupassen sowie die Geschwindigkeit zu erhöhen, mit der Gesetze verändert und angepasst werden können. Ansonsten wird es eine immer größere Kluft geben zwischen der Gesetzgebung und der digitalen Revolution.

Darüber hinaus haben wir gesellschaftliche Themen zu klären: Es gibt Szenarien, die besagen, dass in ein paar Jahrzehnten in Deutschland oder auch anderen Ländern nur noch maximal die Hälfte der heutigen Arbeitnehmer gebraucht werden. Das hätte auf der einen Seite den tollen Vorteil, dass wir viel Freizeit gewinnen, weil wir durch Effizienz und Effektivität im Bereich der Digitalisierung viel Arbeit einsparen würden, gleichzeitig bräuchte es dann aber neue Gesellschaftsformen, die gewonnene Effektivität fair zu verteilen und keine Schere oder kein Ungleichgewicht zwischen verdienender und nicht verdienender Gesellschaft zuzulassen.

Gerade deswegen wird das bedingungslose Grundeinkommen aktuell schon viel diskutiert und wahrscheinlich auch in Zukunft noch mehr diskutiert werden. Oder die Flexibilität bei Arbeitszeiten und Arbeitsorten. Die Dimension wird grundsätzlich unterschätzt, was die nächsten Jahre und Jahrzehnte an Veränderung auf uns zukommt.

Gleichzeitig sind Veränderungen auch immer mit riesigen Chancen verbunden. Die Chancen heute etwas zu bewegen, mit wenig Mitteln, die Möglichkeit Einfluss zu haben, auf sein Umfeld, auf sein Unternehmen oder auf seinen Chef, sind wahrscheinlich so groß, wie sie noch nie waren. Veränderung bietet also immer auch eine große Chance und die kann und sollte jeder nutzen!

sekretaria.de: Herr Müller, wir freuen uns schon auf Sie im Juni 2018, wo Sie unsere Teilnehmerinnen in gewohnt umtriebiger Manier auf die Reise in die Zukunft vorbereiten…

Alexander Müller: …die bereits begonnen hat! Ich freu mich auch.

Klicken Sie hier, um alle Inhalte und den Ablauf des TOP-Seminars Digitalisierung: Veränderungen und Herausforderungen zu sehen. Auch wer das TOP-Seminar nicht bucht, kann sich auf seinen Einführungsvortrag am 20. Juni 2018 auf dem Assistentinnen-Tag freuen.