Home-Office – Fallen und Rechtliches

Home Office mit Laptop und Schreibtisch im Arbeitszimmer
© Robert Kneschke | fotolia.com

Das Büro in den eigenen vier Wänden: endlich ungestört daheim im Home-Office arbeiten. Wäre das auch was für Sie? Lesen Sie jetzt, wann und ob sich ein Heim-Büro für Sie als Sekretärin und Assistentin lohnt, welche rechtlichen Hintergründe Sie beachten sollten und wie Sie typische Heimarbeitsfallen umgehen.

Keine Anfahrtswege, keine lauten Nachbarkollegen, endlich ein ruhiger Arbeitsplatz in Ihrem schönen Zuhause – und arbeiten können Sie, wann und wie lang oder kurz Sie möchten! Denn der Chef ist ja weit weg. Ein Home-Office wird dank virtueller Vernetzung und kleiner mobiler Alleskönner immer einfacher. Als Vorreiter in Europa sprechen die Niederlande schon ab kommenden Juli ihren Arbeitnehmern das feste Recht auf Heimarbeit zu.

So weit ist das deutsche Recht zwar noch nicht. Aber mit etwas Geschick und guten Argumenten wie den folgenden machen Sie als Sekretärin und Assistentin Ihrem Chef Ihren neuen Wunsch-Arbeitsplatz schmackhaft.

Produktiver, entspannter und günstiger arbeiten: Darüber freut sich der Chef

  • Sie sparen Platz und bares Geld für Strom und Arbeitsmaterialien. Auch wenn Ihr Chef Ihnen die Ausgaben über den Lohnzettel wieder ausgleicht, bleiben die Material- und Stromkosten für ihn letztlich niedriger, als wenn Sie täglich die volle Infrastruktur seiner Firma nutzen.
  • Sie arbeiten produktiver und zufriedener, weil Ihre Work-Life-Balance ausgeglichener ist.
  • Sie widmen sich komplexen Aufgaben und anspruchsvollen Problemen konzentrierter. Denn Ihr Home-Office ist deutlich ruhiger und ungestörter als Ihr Büro voller Kollegen.
  • Sie können auch mit spontanen Aufträgen jederzeit loslegen. Schließlich sparen Sie sich den Weg zur Arbeit. Die gewonnene Zeit fließt direkt in Ihre Arbeit.
  • Sie arbeiten kreativer. Denn Ihre eigenen Vier Wände entspannen und inspirieren Sie deutlich mehr als ein öffentliches Büro.
  • Und nicht zuletzt können Sie als frisch gebackener Elternteil schneller zurück in Ihren Beruf einsteigen. Denn Arbeit und Familie lassen sich im Home-Office deutlich leichter verbinden.

Aber Vorsicht: Heimarbeit kann Sie überfordern oder ausbrennen!

Herrlich, so ein Arbeitsplatz zu Hause. Gerade wollen Sie loslegen, da klingelt die Nachbarin auf einen Plausch. Warum nicht? Sie können die Dokumente auch später durchgehen. Auf dem Weg zurück räumen Sie eben die Spülmaschine aus. Die Blumen könnten auch gegossen werden. Und wo Sie gerade da sind, kochen Sie sich gleich was zu Mittag?

Ohne festen Tagesfahrplan und Chef, der Ihnen jederzeit über die Schulter blickt, ist Ablenkung der größte Feind Ihrer Produktivität.

Auch die folgenden Tücken sollten Sie beachten:

  • Soziale Isolation: Der mangelnde Austausch im Team kann auf Dauer belasten und Sie von wichtigen Insider-Informationen abschneiden. Wirken Sie entgegen, telefonieren Sie lieber mit den Kollegen, statt zu schreiben. Und verabreden Sie sich so oft wie möglich zum Teammeeting oder wenigstens zum gemeinsamen Mittagessen.
  • Selbstdisziplin: Ohne feste Arbeits- und Zeitstruktur verfallen Sie schnell den vielen lockenden Ablenkungen. Schützen Sie sich mit täglichen und wöchentlichen To-Do-Listen und Kern-Arbeitszeiten.
  • Selbstausbeutung: Viele Büroarbeiter vergessen im Home-Office die eigenen Grenzen und arbeiten rund um die Uhr bis zur Erschöpfung. Halten Sie sich an feste Bürozeiten, machen Sie regelmäßig Pausen (außerhalb des Home-Office) und behalten Sie Ihre Überstunden im Blick.
  • Zu hohe Kosten: Wenn Sie die technischen Voraussetzungen wie Laptop, Software und Telefonanschluss selbst stellen müssen, kann das für Sie überraschend teuer werden. Informieren Sie sich lieber rechtzeitig, welche Mittel Ihr Chef stellt und wie viel Sie selbst beisteuern sollen und können.
  • Verwischen von Privatleben und Beruf: Wenn Sie zu Hause arbeiten bis zum Umfallen, gefährden Sie nicht nur Ihre Gesundheit sondern auch Ihr Privatleben. Trennen Sie lieber strikt zwischen Arbeit und Freizeit. Schalten Sie Ihre Arbeitsgeräte ab, räumen Sie den Schreibtisch auf und machen Sie Feierabend. Auch an Wochenende, Feiertagen und im Urlaub sowieso sollten Sie nur wenige Stunden arbeiten, wenn überhaupt.

Schützen Sie sich und Ihr Home-Office vor rechtlichen Fallen

Sie haben alle Pros und Kontras abgewogen, möchten Ihr Home-Office „beziehen“ und auch Ihr Chef ist dafür? Dann fehlt nur noch Ihre arbeitsrechtliche Absicherung gegen mögliche böse Überraschungen.

Wichtig: Regeln Sie Ihr Home-Office als spezielle Arbeitsform im Arbeitsvertrag. Beachten Sie dabei die folgenden Punkte:

  1. Sollen Sie laut Vertrag regelmäßig von zu Hause aus arbeiten, dann muss dies explizit im Vertrag stehen. 2
  2. Arbeiten Sie mehr als zwei Arbeitstage pro Woche zu Hause, sollte sich Ihr Arbeitgeber an Ihren Raumkosten beteiligen.
  3. Unterscheiden Sie zwischen der Arbeit zu Hause und der Arbeit unterwegs („Off-Office“). Denn auch die Reise zum und weg vom Firmenbüro kann schon als Arbeitszeit genutzt und abgerechnet werden.
  4. Prüfen Sie gründlich Ihre Betriebshaftpflichtversicherung. Denn die Arbeit im Home-Office ist arbeitsrechtlich eine außerordentliche Situation. Sie birgt spezielle Risiken wie Geheimhaltung oder Datenschutz, die in regulären Versicherungen nicht vorgesehen sind.
  5. Grundsätzlich hat der Arbeitgeber Ihnen alle benötigten Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen. Außerdem muss Ihr Chef mit entsprechenden Verschlüsselungen dafür sorgen, dass Ihre Datenübermittlung den betriebseigenen Sicherheitserfordernissen genügt. Und Ihr Arbeitgeber muss Ihnen bei der Geräte- und Sofware-Installation helfen bzw. Unterstützung besorgen.
  6. Wünscht Ihr Chef die Benutzung eines bestimmten Gerätes, muss er Ihnen dieses zur Verfügung zu stellen.
  7. Ihr Arbeitgeber soll und darf Ihre Arbeitspräsenz nicht ständig kontrollieren. Aber er kann einen Arbeitsbericht erwarten inklusive Erfassung Ihrer Arbeitszeit. Halten Sie im Vertrag fest, wie Sie genau berichten werden sollen.
  8. Vermeiden Sie mögliche Streitigkeiten um Überstunden und vermerken Sie in Ihrem Vertrag den Hinweis: „Bei Heimarbeit gelten die gleichen Arbeitszeitbestimmungen wie bei Arbeiten im Unternehmen.“
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