Kreativität lässt sich trainieren

Was wir von Thomas Alva Edison und Walt Disney lernen können

Kreativitätstechniken
© Sergey-Nivens / fotolia.de

Hängen Kreativität und beruflicher Erfolg zusammen? Ja – allerdings besteht kein Automatismus. Kreativität ist nur dann eine wertvolle Ressource, wenn sie in die richtigen Bahnen gelenkt wird.

Chaotische, ungelenkte Kreativität kann mehr schaden als nützen. Strukturierte Kreativität, bei der Menschen an einer Grundidee festhalten und anschließend kreative Ansätze entwickeln, um sie umzusetzen, ist dagegen deutlich erfolgversprechender, erklärt der Innovationsexperte und Kreativitätsforscher Dr. Jens-Uwe Meyer. „Hier sind Kreativität und strategisches Denken eng miteinander verknüpft. Ein Kreativer ohne eine klare Strategie wird nur selten Erfolg haben. Umgekehrt wird der Stratege zwar sein Ziel kennen, aber beim ersten unvorhergesehenen Hindernis aufgeben. Beides bedingt sich gegenseitig und führt gemeinsam zum Erfolg – es handelt sich dabei also um systematisch strukturierte Kreativität.“

Sitz der Kreativität

Hirnforscher suchen seit Jahrzehnten nach dem Sitz der Kreativität. Mit Hirnscans haben sie beobachtet, welche Areale des Gehirns beim Lösen kreativer Aufgaben aktiv sind. Resultat: Es gibt kein abgegrenztes Kreativitätsareal, dabei sind vielmehr verschiedene Hirnregionen aktiv. Das bedeutet auch, dass jeder von uns kreativ sein kann. Egal, ob man eher die analytischen Hirnregionen nutzt oder die künstlerisch ambitionierten.

Dossier „Mindmapping und Brainstorming am PC“

Ein Meeting mit mehreren Kolleginnen zu organisieren um ein bisschen zu brainstormen klappt zeitlich nicht? Sie können auch allein vor dem Rechner Ideen entwickeln oder die Ergebnisse eines Brainstormings elektronisch
nachhalten. Wir stellen Ihnen in diesem Dossier nützliche Werkzeuge rund um Kreativitätstechniken am PC vor.

Jetzt herunterladen und kreativ werden:

Dossier „Mindmapping und Brainstorming am PC“ Dossier „Mindmapping und Brainstorming am PC“

Also einfach hinsetzen, nachdenken und die Geistesblitze zählen? Ganz so einfach funktionieren Kreativitätstechniken leider nicht. Erfinderisch zu sein, ist oftmals harte Kopfarbeit, mehr Frust als Lust. Aber Kreativität lässt sich trainieren wie ein Muskel – allerdings nicht durch theoretische Aufgaben oder klassische Trainings, sondern vor allem durch das aktive Machen.

Der Klassiker: das Brainstorming

Als Erfinder des Brainstormings gilt der amerikanische Autor Alex F. Osborn, der vor gut hundert Jahren in der amerikanischen Werbebranche tätig war und erkannte, dass die Arbeitstreffen den Einfallsreichtum der Mitarbeiter eher begrenzten statt förderten. Brainstorming ist das lose Assoziieren von Ideen. Die Methode lässt sich allein und in der Gruppe umsetzen und eignet sich für den Beginn eines kreativen Prozesses. Osborn legte schon damals Regeln fest, die noch heute gelten:

  • Jede Idee ist erst einmal gut. Diskutieren, Totschlagargumente und Kritik sind streng verboten.
  • Es zählt erst einmal allein die Anzahl der Ideen. Sie sollten nur notiert und gesammelt werden.
  • Das Weiterspinnen von fremden Ideen ist erwünscht. Einen Urheberschutz gibt es nicht.
  • Freies Assoziieren, aber auch Abschweifen und Fantasieren ist während des Gedankensturms nicht nur erlaubt, sondern unbedingt erwünscht, weil das das Lösungsfeld nur vergrößert.

Die Walt-Disney-Methode

Eine andere Variante, die ebenso alt wie das Brainstorming ist, wurde von einem Filmproduzenten erfunden, dessen kreative Schöpfungen wir alle kennen: Walter Elias Disney, der uns allen bekannte Vater von Micky Maus, Donald Duck und Susi und Strolch, hat schon früh und unbewusst die Basis für eine Kreativitätstechnik gelegt.

Disney entwickelte für sich und seine Mitarbeiter ein Rollenspiel, das heute noch in vielen Unternehmen angewandt wird. Bei dieser Methode schlüpfen die Mitarbeiter nacheinander in drei verschiedene Rollen: den Träumer, den Realisten und den Kritiker. So wird eine Idee von allen Seiten beleuchtet. Träumen Sie eine Idee frei von Zwängen und Regeln, setzen Sie diese erst der Realität aus und dann der Kritik. Übrig bleibt: eine gute Idee. Walt Disney selbst beherrschte, wie man sich erzählt, alle drei Rollen perfekt.

Er unterstützte das Rollenspiel, indem er für jede einzelne Rolle – die des Träumers, des Realisten und des Kritikers – sogar jeweils einen eigenen Raum in seiner Firma schuf, der entsprechend den Rollen eingerichtet war. So war der Raum des Träumers groß, hell, bunt und mit Bildern und kreativen Sprüchen geschmückt. Dem Realisten wurde ein Zimmer mit einem großen Zeichentisch und allen möglichen modernen Hilfsmitteln zur Verfügung gestellt, um die Träume zu realisieren. Der Kritiker musste in einem kleinen, engen Zimmer die Entwürfe des Realisten beurteilen und bewerten.

Es müssen aber nicht zwingend einzelne Räume sein, es reichen zum Beispiel auch schon drei Stühle, die in verschiedene Ecken eines Raums gestellt werden. Natürlich unterstützt jede zusätzliche „Verschönerung“ der Träumerecke, wie zum Beispiel Blumen oder Stoffe, die Kreativität und Ideenfindung des Träumers.

Das Edison-Prinzip

Eine besonders geeignete Methode, Ideen zu organisieren, ist das Edison-Prinzip. Thomas Alva Edison war vermutlich nicht klüger oder kreativer als andere Erfinder seiner Zeit. Was Edison von diesen unterschied, war die Ideenfindung mit System – die Kombination von kreativem und strategischem Denken.

1868 machte Thomas Edison seine erste Erfindung: ein Gerät, das die Stimmen von Abgeordneten bei Parlamentsabstimmungen automatisch zählte. Kurz vor seinem Tod 1931 züchtete er in Fort Myers Pflanzen, aus denen er Gummi gewann. Dazwischen lagen unzählige andere Ideen, darunter viele, die er nicht einmal zum Patent anmeldete. Was bei all seinen Erfindungen auffällt: Der Erfinder folgte stets der gleichen Systematik: sechs Schritte, die seinen Erfindungen zugrunde lagen und die Sie nutzen können, um systematisch neue Ideen zu finden und sie zu Konzepten weiterzuentwickeln.

Erkennen

„Ich finde heraus, was die Welt braucht. Und dann erfinde ich es.“
Thomas Edison machte sich systematisch auf die Suche nach Schwächen von Produkten und Trends, die die Wirtschaft beherrschten, sowie Problemen anderer Menschen. So erkannte er Chancen für die Ideenentwicklung.

Definieren

„Ich stelle die gleiche Frage auf hundert verschiedene Weisen.“
Edison definierte Probleme anders und entwickelte neue Fragestellungen. Er achtete stets darauf, Probleme und Fragen immer wieder neu und anders zu stellen. Daraus entstanden mehrere Lösungsansätze, die er parallel verfolgte.

Inspirieren

„Seien Sie immer auf der Suche nach Ideen, die andere erfolgreich genutzt haben. Ihre Idee muss nur in Bezug auf das zu lösende Problem neu sein.“
Edison ging bei der Ideenentwicklung immer vom Bekannten aus. Warum das Rad neu erfinden, wenn es woanders schon eine Lösung gibt? Sehen, was vorhanden ist, Analogien in anderen Gebieten suchen und dieses Wissen dann übertragen.

Sammeln

„Für eine großartige Idee brauchen Sie eines: viele Ideen.“
Edison hatte eine eigene Denktechnik, um Geistesblitze zu erzeugen: das kaleidoskopische Denken. Er kombinierte Fragestellungen mit den von ihm gefundenen Inspirationen und kam so zielgerichtet auf viele neue Ideen.

Optimieren

„Wir kennen jetzt tausend Wege, wie man keine Glühbirne baut.“
Edison gab nicht auf. Er entwickelte seine Konzepte bis zur Perfektion. Immer wieder neu. Scheitern war für ihn keine Blamage, sondern nur ein notwendiger Schritt auf dem Weg zum Erfolg.

Nutzen

„Ich habe mehr Respekt vor jemandem mit nur einer Idee, der sie umsetzt, als vor dem mit tausend Ideen, der nichts tut.“
Edison entwickelte das Umfeld für seine Ideen gleich mit und war ein Meister der Ideenvermarktung.

Haben Sie Spaß

Wirkungsvoll sind all diese Methoden besonders dann, wenn die Beteiligten Spaß haben. Keine Kreativtechnik der Welt kann Ihnen neue Ideen bringen, wenn Sie die richtigen Chancen nicht sehen oder das Problem immer von der gleichen Seite betrachten. Keine noch so gute Idee kann erfolgreich sein, wenn sie nicht genauso kreativ umgesetzt und dem Umfeld angepasst wird, für
das sie gedacht ist.

PRAXIS-TIPP:

Ist für eine Kreativsitzung keine Zeit und Sie brauchen dennoch Input von außen, um auf Ideen zu kommen, sollten Sie Twitter nutzen. Unter dem Hashtag „Followerpower“ können Sie um Ideen und Vorschläge bitten.

Mindmapping
Mit einer Art Karte werden die Gedanken strukturiert und Ideen visualisiert. Es wird ein zentrales Thema festgelegt und weitere Ideen werden drumherum gesammelt. Auf diese Weise können Verbindungen hergestellt und Zusammenhänge sichtbar werden. Wichtig dabei ist jedoch, dass nur mit Schlüsselbegriffen gearbeitet wird. Auf Detailbeschreibungen sollte verzichtet werden.

Brainwriting
Brainwriting bezieht alle mit ein: Hierfür sitzen alle Anwesenden im Kreis um einen Tisch. Jeder schreibt seine Ideen ganz oben auf ein DIN-A4-Blatt. Nach 5 bis 10 Minuten werden die Ideen an den linken Tischnachbarn weitergegeben. Dieser ergänzt die Idee mit seinen Gedanken. Jede Idee wird so lange weitergereicht, bis jeder die Gelegenheit hatte, alle Ideen zu ergänzen. Die aufgeschriebenen Skizzen bilden danach eine Diskussionsgrundlage.

Brainwalking
Diese Abwandlung des Brainwritings macht sich die Tatsache zunutze, dass Bewegung den Kopf frei macht und Raum für Kreativität schafft. Hierfür werden Flipcharts an verschiedenen Stellen über ein weiträumiges Gebiet verteilt. Jeder Teilnehmer wandert die einzelnen Stationen ab und ergänzt die Flipcharts mit den eigenen Einfällen. Die Ergebnisse werden im Anschluss diskutiert.

Die Autorin Tina Allerheiligen ist als PR-Beraterin und freie Journalistin tätig.

  1. Dieter Rudolf Peter Höger

    Sehr gehrte Damen und Herren
    Kommunikation ist in Bezug auf den damit
    alltäglichen Umgang in genauer und entsprechender
    Form unimgänglich!
    Ihr
    Dieter Rudolf Peter
    Höger

Sekretaria-Talk: Was meinen Sie dazu?