Neue Rechtschreibung: Getrenntschreibung

Die Getrenntschreibung gehört oft zu den großen Kopfzerbrechern in der deutschen Rechtschreibung. Sind Sie auch manchmal im Zweifel, wann ein Wort getrennt und wann es zusammengeschrieben werden muss?

Getrenntschreibung ist der Normalfall in der deutschen Rechtschreibung

Die gute Nachricht ist: Die Getrenntschreibung ist in der deutschen Orthografie der Normalfall. Entscheiden Sie sich also im Zweifel lieber für zwei separate Wörter als für ein zusammengesetztes. Die schlechte Nachricht: Es gibt zahlreiche Wortverbindungen, bei denen eine Getrenntschreibung den Sinn verfälschen könnte, zum Beispiel: „freisprechen“ (bei Gericht) und „frei sprechen“ (ohne Manuskript).

Getrenntschreibung bei Verbindungen mit Verben als zweitem Bestandteil

Verbindungen mit Verben als zweitem Bestandteil werden unter fünf Bedingungen getrennt geschrieben:

  1. Verbindungen aus Adjektiv und Adverb werden getrennt geschrieben. (Beispiel: leer stehen)
  2. Verbindungen aus zwei Verben werden getrennt geschrieben. (Beispiel: fürchten lehren)
  3. Verbindungen aus Partizip und Verb werden getrennt geschrieben. (Beispiel: geschenkt bekommen)
  4. Verbindungen mit dem Verb sein als zweitem Bestandteil werden getrennt geschrieben. (Beispiel: pleite sein)
  5. Verbindungen aus Substantiv und Verb werden getrennt geschrieben. (Beispiel: Auto fahren)

Getrennschreibung bei Verbindungen aus Adjektiv und Adverb mit Verben

1. Regel: Verbindungen aus Adjektiv und Adverb werden getrennt geschrieben. Diese Bedingung gilt sowohl für einfache Adjektive (blind vertrauen) als auch für mehrteilige (bewusstlos schlagen) und erweiterte Adjektive (ganz nahe kommen).

Vorsicht, Falle: Verbindungen aus Adjektiv und Verb werden nur getrennt geschrieben, wenn sie in wörtlicher Bedeutung gebraucht werden. Das ist z. B. bei falsch schreiben der Fall. Bei falsch spielen dagegen gibt es zwei Möglichkeiten: Sie können z. B. Doppelkopf falsch spielen, weil Sie die Regeln nicht beherrschen; dann wird getrennt geschrieben: falsch spielen. Sie können Ihre Mitspieler aber auch betrügen und falsch spielen. Dann hat die Verbindung eine neue, sogenannte idiomatisierte Gesamtbedeutung und wird zusammengeschrieben: falschspielen. Die Zusammenschreibung gilt auch bei: fernsehen, krankschreiben, kürzertreten und richtigstellen. Hier macht es Ihnen die neue Rechtschreibung auch nicht leichter als die alte! Im Zweifelsfall können Sie aber auf Ihr Sprachgefühl – oder das Wörterverzeichnis – vertrauen.

Getrenntschreibung bei zwei Verben

2. Regel: Verbindungen aus zwei Verben werden getrennt geschrieben. Das betrifft Verbindungen wie arbeiten gehen oder laufen lernen.

Bei manchen Verbindungen mit bleiben oder lassen als zweitem Bestandteil gibt es die Verwendung in übertragener Bedeutung. So kann man z. B. im wörtlichen Sinne sitzen bleiben, nämlich nicht aufstehen. Man kann aber auch im übertragenen Sinne sitzen bleiben, nämlich in der Schule nicht versetzt werden. Dann dürfen Sie zusammenschreiben. Daher ist übrigens auch kennenlernen erlaubt!

Getrenntschreibung bei Verbindungen aus Partizip und Verb

3. Regel: Verbindungen aus Partizip und Verb werden getrennt geschrieben. Das gilt z. B. für betrunken machen, gefangen nehmen, und geschenkt bekommen. Aber wie bei der Schreibung von Adjektiv und Verb gilt auch hier: Getrennt geschrieben wird nur bei wörtlicher Bedeutung der Verbindung. Wenn die Gesamtbedeutung nicht aus den Bestandteilen ableitbar ist, gilt die Zusammenschreibung. Also müssen Sie z. B. geneigt machen, (sich jd.) gewogen machen und getrübt erscheinen (Zukunftsaussichten) getrennt schreiben.

Verbindungen mit sein

4. Regel: Verbindungen mit dem Verb sein als zweitem Bestandteil werden getrennt geschrieben. Schreiben Sie also: beisammen sein, los sein, pleite sein, vonnöten sein, vorbei sein, vorhanden sein, vorüber sein, zufrieden sein und entsprechend: beisammen gewesen, los gewesen usw.

Diese Regel ist erfreulich einfach – und sie hat obendrein auch nur eine Ausnahme – nämlich ist die Verbindung da gewesen. Diese kann nämlich in attributiver Verwendung vor einem Substantiv auftreten. Und in dieser Verwendung dürfen Sie auch zusammenschreiben. Also: eine nie da gewesene oder nie dagewesene Erfolgsbilanz.

Verbindungen aus Substantiv und Verb

5. Regel: Verbindungen aus Substantiv und Verb werden getrennt geschrieben. Oder etwas präziser formuliert: Substantive gehen mit Verben Verbindungen ein. Behält das Substantiv dabei seine Eigenschaften, wird diese Verbindung getrennt geschrieben. Das klingt kompliziert? Ist es aber gar nicht! In Auto fahren z. B. hat Auto die Merkmale eines Substantivs, was Sie sich gut anhand des Satzes: „Er fährt Auto.“ klarmachen können. Hier geht es um das Fortbewegen eines Fahrzeugs – des Autos. Die Grundbedeutung von „Auto“ ist also beibehalten.

Anders verhält es sich z. B. bei standhalten: Im Satz: „Ich halte ihm stand“, ist stand nicht Objekt. Die ursprüngliche Bedeutung von „der Stand“ ist nicht mehr erhalten. Es steht hier vielmehr für: „Ich gebe ihm nicht nach, weiche ihm nicht.“ Also wird zusammengeschrieben.

Ein häufiger Stolperstein ist in diesem Zusammenhang auch das Wort „Ernst“. In Verbindungen mit nehmen wie z. B. ernstnehmen ist ernst nicht Objekt, sondern Adverb (er nimmt mich nicht ernst). Daher müssen Sie es zusammenschreiben. Anders bei Ernst machen, wo Ernst als Objekt auftritt. Übrigens: Nach dem Objekt können Sie immer mit den Fragen Wörtern „wen oder was“ bzw. „wem oder was“ fragen, zum Beispiel: „Wen oder was fährt er?“ Antwort: „Das Auto.“ Oder: „Wen oder was macht er?“ Antwort: „Er macht Ernst.“

Unser Tipp: Drucken Sie sich diesen Beitrag am besten aus und legen Sie ihn in Ihren Duden. So haben Sie die Regeln zur Getrenntschreibung stets parat.

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