Das dritte Geschlecht in der Korrespondenz: Wie sprechen Sie Intersexuelle an?

Wie sprechen Sie Intersexuelle in der Korrespondenz an?
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Seit Dezember 2018 ist eine diskriminierungsfreie Anrede von Intersexuellen nicht mehr nur eine Frage von Respekt und Höflichkeit, sie hat auch eine rechtliche Grundlage. Mit der Änderung des Personenstandsrechts wurde eine offizielle dritte Geschlechtskategorie neben weiblich und männlich geschaffen. Für die Gleichberechtigung ist das ein großer Fortschritt, doch in der Korrespondenzpraxis wirft es ungeahnte Schwierigkeiten auf: Wie sprechen Sie Intersexuelle in Briefen und E-Mails eigentlich an?

Viele der bekannten Formulierungen der gendergerechten Sprache helfen da nicht weiter. „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ geht z. B. nicht, denn damit sind Menschen ausgeschlossen, die sich nicht eindeutig als Frauen oder Männer fühlen. Und was machen Sie, wenn Sie eine intersexuelle Person direkt ansprechen wollen? „Liebe Frau Brenner“ kann genauso unpassend sein wie „Lieber Herr Brenner“. Wir haben für Sie recherchiert und geben Ihnen Tipps für eine diskriminierungsfreie Anrede des dritten Geschlechts in Ihrer Korrespondenz.

Das neue Personenstandsrecht: Eintrag „divers“ im Geburtenregister möglich

Drittes Geschlecht, intersexuell, divers – mit diesen Wörtern sind Menschen gemeint, die sich weder als Frau noch als Mann fühlen. Vor dem Gesetz existierten sie bis vor Kurzem lediglich als Leerstelle: Im Geburtenregister gab es die Einträge „weiblich“ oder „männlich“, für Intersexuelle bestand nur die Möglichkeit, den Eintrag offen zu lassen. Im Oktober 2017 urteilte das Bundesverfassungsgericht, diese Praxis sei diskriminierend und verfassungswidrig, und forderte die Gesetzgebung auf, Abhilfe zu schaffen. Im Dezember 2018 wurde das Personenstandsrecht geändert und seitdem gibt es im Geburtenregister eine dritte Option für den Geschlechtseintrag: Intersexuelle sind nicht mehr nur nicht „weiblich“ und nicht „männlich“, sondern „divers“ – so die offizielle Bezeichnung des dritten Geschlechts.

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Wo gibt’s Empfehlungen für die Anrede von Intersexuellen?

Dass Sie Intersexuelle in Ihrer Korrespondenz angemessen ansprechen, gebietet schon der Anstand. Für Ihr Unternehmen hat das Thema aber auch eine juristische Komponente, denn wer sich aufgrund des Geschlechts sprachlich diskriminiert fühlt, kann rechtlich dagegen vorgehen. Jede Menge gute Gründe also für geschlechtergerechte Formulierungen, die wirklich alle ansprechen. Nur: Wie können die in der Geschäftskorrespondenz aussehen? Offiziell anerkannte Schreibweisen gibt es noch nicht. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich bislang mit Empfehlungen zurückgehalten. Im November 2018 hieß es, man wolle die Entwicklung beobachten und nicht durch frühzeitige Festlegungen eine Richtung vorgeben.

Praxistaugliche Empfehlungen hat stattdessen die Bundesvereinigung Trans* e. V. (BVT*) parat. Sie setzt sich für die gesellschaftliche Anerkennung vielfältiger Geschlechtsidentitäten ein und hat bereits Anfang 2017 die Broschüre Geschlechtliche Vielfalt im Öffentlichen Dienst herausgegeben, die hilfreiche Tipps für eine diskriminierungsfreie Sprache im Alltag enthält.

Nachfragen hilft

Der wichtigste Ratschlag der BVT* lautet: Orientieren Sie sich im Zweifelsfall daran, was sich die angesprochene Person wünscht. Wann immer Sie die Möglichkeit haben, fragen Sie nach! Eine Person, die sich als divers identifiziert, fühlt sich vielleicht dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht näher. Dementsprechend wird sie die Anrede „Herr“ oder „Frau“ und die entsprechenden Pronomen „er/sie“ bzw. „sein/ihr“ bevorzugen. Manche Intersexuelle wünschen sich aber auch eine geschlechtsneutrale Ansprache.

Keine Sorge, Ihre freundliche Nachfrage wird sicher nicht als Zeichen peinlicher Unwissenheit verstanden. Vielmehr zeigen Sie Respekt, indem Sie sich mit den unterschiedlichen Geschlechteridentitäten beschäftigen. Also, scheuen Sie sich nicht, Ihrem Schreiben eine kurze E-Mail vorwegzuschicken, oder, noch besser: Greifen Sie zum Telefonhörer! Geht es um eine Person aus Ihrem Unternehmen, sprechen Sie sie direkt an.

Intersexuelle Einzelpersonen im Brief ansprechen

Nicht immer können Sie diese Frage vorher klären. Dann müssen Sie sich in Ihrem Brief oder Ihrer E-Mail selbst für eine neutrale Formulierung entscheiden, die das Geschlecht divers mit einschließt. Ganz einfach ist das noch bei der Adresse im Briefkopf. Hier lassen Sie „Frau“ und „Herr“ weg und schreiben nur den Vor- und Nachnamen:

Kim Brenner
Gartenstraße 20
20253 Hamburg

Schwieriger wird es bei der Anrede. Es ist vielleicht verlockend, eine klare Formulierung zu umschiffen, indem Sie einfach „Hallo“ schreiben. Doch in der Geschäftskorrespondenz haben solche umgangssprachlichen Anreden in der Regel nichts zu suchen. Auch die BVT* rät davon ab, intersexuelle Menschen so anzusprechen. Stattdessen wird empfohlen, eine höfliche Anredeformel mit dem Vor- und Nachnamen zu kombinieren. Sie können z. B. schreiben:

Guten Tag, Kim Brenner, …

Und wie sieht es mit anderen gängigen Begrüßungsformeln wie „Sehr geehrte“ oder „Liebe“ aus? Auch die können Sie problemlos verwenden – Sie müssen sie nur ein klein wenig für die Ansprache von Intersexuellen modifizieren, z. B. mit dem Gendersternchen, auch Genderstar genannt. Die BVT* schlägt vor, die geschlechtsspezifische Endung einfach durch den Stern zu ersetzen:

Sehr geehrt* Kim Brenner, …
Lieb* Kim Brenner, …

Häufig wird auch das Gendersternchen oder der Unterstrich, der sogenannte Gendergap (vom englischen gap = Leerstelle), zwischen die weibliche und die männliche Endung gesetzt:

Sehr geehrte*r Kim Brenner, …
Liebe_r Kim Brenner, …

Ob Sie sich in der geschlechtsneutralen Schreibweise für den Genderstar oder den Gendergap entscheiden, ist für viele eine Geschmacksfrage. Das Sternchen wird häufig als schöner empfunden, weil es den Lesefluss weniger stört – das dürfte auch der Grund dafür sein, dass es weiter verbreitet ist. Auch einige öffentliche Verwaltungen bevorzugen mittlerweile den Genderstar, so etwa die Stadt Hannover, die ein Faltblatt mit Empfehlungen für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache herausgegeben hat.

Extratipp: Was ist eigentlich mit er/sie und sein/ihr? Auf eine Person des dritten Geschlechts, von der Sie nicht wissen, welche Form sie bevorzugt, können Sie nicht mit diesen Pronomen Bezug nehmen. Die BVT* rät, stattdessen den vollen Namen zu schreiben, z. B.: „Den Eröffnungsvortrag wird Kim Brenner halten. … Zum Schluss der Veranstaltung wird Kim Brenner (statt: er oder sie) Fragen beantworten.“

Wie sprechen Sie eine Personengruppe diskriminierungsfrei an?

Auch wenn Sie an einen größeren Personenkreis, etwa an Ihr Unternehmensteam schreiben, sollten Sie das dritte Geschlecht nicht ausschließen. Doppelformulierungen wie „Liebe Kolleginnen und Kollegen“ oder das große Binnen-I („Liebe KollegInnen“) scheiden deshalb aus, denn sie sprechen nur Frauen und Männer an. Die BVT* empfiehlt stattdessen auch in diesen Fällen das Gendersternchen oder den Gendergap:

Liebe Kolleg*innen, …
Liebe Kolleg_innen, …

Extratipp: Sicher sind Ihnen schon Texte begegnet, in denen ausschließlich die männliche Form verwendet und dann in einer Fußnote klargestellt wird, dass alle Geschlechter gemeint sind. Für bestimmte Textarten mag diese Lösung praktikabel sein, und immerhin zeigt man damit, dass das Thema als solches erkannt wurde. Doch für Ihre Korrespondenz, mit der Sie Menschen persönlich ansprechen möchten, ist sie untauglich. Nur „mitgemeint“ zu sein, gibt vielen Menschen das Gefühl, als Person nicht für voll genommen zu werden.

Werden Sie kreativ!

Sie können Personengruppen auch geschlechtsneutral adressieren, indem Sie geschlechtsspezifische Wörter ganz vermeiden und stattdessen neutrale Begriffe verwenden:

Liebe Mitarbeitende, …

Allerdings empfinden viele Menschen solche Partizipien als etwas steif. Besser ist es, wenn Sie versuchen, andere geschlechtsneutrale Wörter zu finden, die zu Ihrer Zielgruppe und zum Anlass passen:

Liebes Vertriebsteam, …
Liebes Kollegium, …
Liebe Lehrkräfte, …

Werden Sie ruhig ein bisschen kreativ! Das ist ja das Schöne, wenn es noch keine etablierten Regeln gibt: Sie haben die Freiheit, verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren. Haben Sie weitere Ideen für Anredeformen, die Intersexuelle nicht diskriminieren? Wir sind gespannt auf Ihre Vorschläge in den Kommentaren unter diesem Beitrag!

  1. Gisela Myrick

    Ich bin 100 % Frau und stolz darauf. Und so möchte ich in Zukunft auch angesprochen werden. Sollte mich jetzt jemand mit *etwas ansprechen, bedeutet das für mich, dass er mein „Frau-Sein“ nicht anerkennt und werde mir überlegen, ob ich mich dadurch diskriminiert fühle. Ich frage mich nur, was kommt als nächstes? Nix für ungut – aber diese Dinge kann ich nur noch mit einer gewissen Prise Sarkasmus wahrnehmen.

  2. Sibylle

    Ich finde es übertrieben. So viele „geschlechtslose“ Personen wird es sicher gar nicht geben. Und vielleicht legen diese auch gar keinen großen Wert darauf.

  3. Daniela Dorschner

    „Hallo zusammen“,
    das verwende ich oft bei der internen Kommunikation für die Mitarbeiter. (als weitere Idee)
    (Wir haben aber allerdings keine geschlechtslose Person bei uns beschäftigt)
    Ich kann über diese unnötige und überflüssige Gesetzgebung auch nur noch schmunzeln…bisher hat es auch so funktioniert und es hat sich keiner beschwert! Aber man muss ja nun gezwungener maßen aufpassen was man sagt, von daher finde ich die Tipp´s ganz hilfreich und interessant.
    LG Daniela

  4. Anja

    Wir sprechen hier von schätzungsweise 100.000 Intersexuellen, von denen sich wiederum viele ganz klar als Mann oder Frau fühlen. Viel Lärm um nichts…

  5. Marita Kühnen

    Wie Sibylle schon schrieb, wird es ja nicht so viele Betroffene geben. Das Thema “ Das dritte Geschlecht in der Korrespondenz“ finde ich absolut überflüssig, um es milde auszudrücken. Diese absolut übertriebene Political Correctness bei diesem Thema und auch bei vielen anderen werde ich mir nicht aneignen.

  6. Martina Lorch

    Merkt niemand, wie wir von einem sinnlosen Aktionismus zum nächsten hecheln? Bei mir gibt es Mitarbeiter. Wem das nichr passt, der darf sich an mich wenden und die gewünschte Anrede werde ich selbstverständlich beherzigen. Der deutschen Sprache und dem Verständnis jedweden Textes schadet es ganz einfach. Aber Sprachgefühl wird völlig überbewertet!!?
    Falls ich jetzt genderneutral anreden muss, möchte ich auch genderneutrale Vornamen. Martina oder Martin wird dann Mariitnende, oder wie?
    Zuviel „political correktnes“ führt zum Gegenteil von dem, was gewünscht wird, nämlich zu Ausgrenzung.
    Weiter viel Erfolg und jede Menge Geduld…
    Martina, weiblich und Spass dabei!

    1. Sibylle

      Seh ich genauso. Man kann es auch übertreiben.
      Gibt’s nicht eigentlich größere Probleme, die man gesetzlich neu regeln müsste?

      Ich schreib weiterhin „Sehr geehrte Damen und Herren“.

  7. Dan

    Danke für diesen Beitrag! Auch für mir als Industriemechaniker hat er weitergeholfen (:

    Und an alle, die sich beschweren: Seht es nicht so krumm, dass ihr euch evtl. zusätzlich einen * schreiben müsst. Freut euch, dass Deutschland sich für die Gleichberechtigung jedes Menschen einsetzt.

  8. Momo Grace

    Danke für den schönen Beitrag! Ich identifiziere mich selbst als nicht-binär, also weder Mann und noch Frau, und empfinde als als große Erleichterung endlich den Personenstand „divers“ annehmen zu können. Die Empfehlungen hier gefallen mir sehr gut, auch der positive Ton. Wenn ich mal wieder gefragt werde, wie mensch denn Inter* oder auch nicht-binäre Trans* Personen anreden kann (ganz allgemein, nicht nur auf mich selbst bezogen), werde ich auf diese Seite hier verweisen. Vielen Dank dafür. 🙂

  9. Judith

    Toller Beitrag, zeitgemäß und sehr hilfreich! So etwas mitzudenken ist das Tüpfelchen auf dem i der Kundenfreundlichkeit. 🙂

  10. Taucher

    Sehr geehrt m/w/d,
    was machen wir mit unserer Sprache? Haben wir sonst keine Probleme?

  11. Wood

    Guten Tag!
    Als Personalberaterin habe ich im letzten Jahr mit mehreren intersexuelle Kandidaten per Email Kontakt gehabt und mich hier mit der Anrede durchaus schwer getan. Vielen Dank für diesen Artikel, der für mich interessant ist.
    Unabhängig davon finde ich die Kritik an dem Beitrag merkwürdig. Das Thema ist durchaus relevant für Personalverantwortliche. Warum nicht auch hier freundlich und tolerant Professionalität leben? An die männliche und weibliche Anrede haben Sie sich sicher inzwischen gewöhnt. Da wird ein „*“ doch nicht so ein großes Problem sein.

    1. Gisela Myrick

      Liebe Frau Wood,
      ich sehe hier in den Beiträgen keinerlei Kritik. Es handelt sich hier ausschließlich um freie Meinungsäußerungen von Betroffenen. Es ist schade, dass Sie als Personalerin Meinungen, die nicht dem Mainstream folgen, gleich als Kritik empfinden. Das ist das eigentliche Problem nicht nur hier sondern allgemein: Jeder der auch nur etwas gegen den Strom schwimmt, wird in eine Ecke gedrängt. Eine Entwicklung, um die wir mehr besorgt sein sollten als um ein Sternchen in der Anrede. Es grüßt Sie herzlich Gisela Myrick

  12. Sabine Pankau

    Hallo zusammen,
    ich freue mich über den Artikel, da ich mich auch schon gefragt habe, wie ich es hinbekomme, alle Adressat*innen respektvoll anzusprechen. Ich benutze schon seit einiger Zeit das Gender-Sternchen, weil ich dies als einzigen Kompromiss für die Ansprache aller möglichen Personengruppen empfunden habe. Früher habe ich eben männliche und weibliche Anrede benutzt, auch wenn es etwas mehr Arbeit war.
    Ich bin auch ein wenig entsetzt darüber, wie „robust“ (brutal) mit den Gefühlen unserer Mitmenschen umgegangen wird, indem man am liebsten nur eine Form (nämlich die männliche) verwendet. Auch ich habe mich früher nicht sehr daran gestört, wenn nur die männliche Form verwendet wurde. Mittlerweile denke ich aber, dass durch Sprache viele Dinge manifestiert werden und den Blick sehr oft verengen. Nur weil ich evtl. selbstbewusst und dickfellig genug bin, mich nicht durch eine bestimmte Verwendung von Sprache ausgrenzen und verunsichern zu lassen, gilt dies nicht für alle Menschen. Ich möchte meinen Respekt für meine Mitmenschen eben auch durch korrekte Verwendung von Sprache demonstrieren (und nicht nur wegens legalern Vorgaben).

  13. Hea

    Danke für den Beitrag und den Kommentar von „Wood“. Die Diskussion nicht zu führen, ist keine Lösung. Beispiel: Ich bekomme regelmäßig Emails von einem Finanz- und Versicherungsmakler, der im Jahr 2019 in seinem Abspann dafür wirbt, eine Petition gegen den Genderwahn zu unterschreiben, was ich schon als Frau eine diskriminierende Frechheit finde. Pech für ihn, dass ihm nicht aufgeht, dass er mich als Kundin bald verlieren wird.
    Stellen wir uns dem Thema der Diversität – sie begegnet uns nicht nur im Bereich der sexuellen Zugehörigkeit. In einer multikulturellen Welt können wir das Rad nicht zurückdrehen. Es geht nicht um political correctness, sondern um Anerkennung, dass es Menschen gibt, die nicht klar erkennbar Er oder Sie sind, andere Hautfarben oder Religionen haben. Das haben wir zu respektieren und uns daran zu gewöhnen, dass es in unserem Alltag „normal“ werden wird. Je eher, desto besser.

  14. Beate Frisch

    Das hat nichts mit Intoleranz zu tun: aber wir „lassen es auf einen Prozess in diesem Fall ankommen!“ und bleiben beim konservativen Schreibstil.
    Der Mensch (m/w/d) wird also über *_Platzhalter definiert…..?
    Wie liest sich so ein Schreiben denn? Das ist doch keine Schreibkultur!

  15. Waldhaus

    ich bin in der Personalabteilung tätig und tue mich ebenfalls schwer, das dritte Geschlecht zu formulieren. Ich habe z. B. Zeugnisse, Arbeitsverträge etc. als fertige Dokumente gespeichert und füge entsprechend die Daten ein. Hier musste ich bereits extra Dokumente für weiblich und männlich erstellen, da sich die Frauen diskriminiert fühlten. Und jetzt für das dritte Geschlecht schreibe ich dann statt er oder sie *_??? Welcher * outet sich denn bei einem Vorstellungsgespräch auf einen Job als solcher? Und wie erkenne ich im normalen Schriftverkehr, ob es sich um * handelt? Ich kann doch nicht in einer Einladung zu einem Gespräch alle drei Formen anwenden? Anhand des Vornamens kann man einen * nicht ausmachen. Ich stelle mir gerade vor, wie ich mich fühlen würde, wenn ich gefragt würde, ob ich weiblich, männlich oder geschlechtsneutral bin. Und ehrlich gesagt fühle ich mich diskriminiert, wenn ich in einem Brief „lediglich“ mit Vor- und Zunamen angesprochen werde. So schreibt man Kinder an.
    Und wie ist das Zeichen für das dritte Geschlecht? So lange das alles nicht geregelt ist, werde auch ich wie bisher bei der alten Form bleiben. Ich finde nicht, dass wir im Sekretariat oder in der Personalabteilung gefragt sind und uns damit aufhalten müssen (von wegen Kreativität), sondern diejenigen, die dafür zuständig sind. Sollte ich jemanden begegnen, der sich als geschlechtsneutral outet, wird dieser Jemand auch wissen, wie Jemand angesprochen werden will. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber in der Geschäftswelt einen wichtigen Kunden, z. B. im Vorstand, geschlechtsneutral anzusprechen (schreiben), halte ich für waghalsig. Und wie erkläre ich das *_ dem Chinesen oder Dänen?
    Ich finde es gut, dass der Gesetzgeber dem dritten Geschlecht Raum gibt. Schließlich ist die Natur nicht immer eindeutig. Aber in der Korrespondenz sollte das so schnell wie möglich geklärt werden. Die deutsche Sprache ist schon kompliziert genug.

  16. Barbara

    Auch ich freue mich über den Artikel. Ich finde es weder übertrieben, auf jegliches Geschlecht Rücksicht zu nehmen. Deshalb kann ich auch nicht verstehen, wenn gerade Frauen sich darüber beschweren, dass sie ihre Dokumentvorlagen nun noch einmal überarbeiten müssen. Das ist in Zeiten von EDV-Anwendungen ja nun wirklich kein unzumutbarer Arbeitsaufwand!
    Übrigens waren wir sprachlich schon einmal weiter. Zunehmend wird nur noch die männliche Form benutzt. Ganz besonders schräg finde ich, wenn Frauen ihre eigene Berufsbezeichnung in der männlichen Form benennen (ich bin Bürokaufmann usw.). So etwas hat auch mit Selbstbewusssein und eigener Wertschätzung zu tun.

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