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Die GF-Assistenz
Köln 18.-19.07.2013 |
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Neue Rechtschreibung - 1. Gebot: Die Schreibungen ss und ß
Beispiel: ss oder ß?
Diese neue Regel ist eine konsequente Vereinfachung, denn: • sie fügt sich in die allgemeinere Regel ein, derzufolge ein kurzer Vokal durch Konsonantenverdopplung angezeigt werden kann, so z. B. in Komma, Wette, Kontrolle und tippen (womit Sie gleich Beispiele für Konsonanten, auch Mitlaute genannt, haben). • Dadurch ermöglicht sie Ihnen eine "Trefferquote" von 100 % korrekte Schreibungen ohne einen Blick ins Lexikon! Übrigens: Vokale sind Laute, die "tönen", aber mit wenig "Geräusch" verbunden sind (a, e, i, o, u), Konsonanten hingegen sind Laute, die mit mehr "Geräusch" verbunden sind (z. B. b, f, t). Wenn Sie also einen kurzen Vokal hören, müssen Sie das ß der alten Rechtschreibung durch ss ersetzen:
Praxis-Beispiel
und ebenso neu sind die Schreibungen von:Abschluss, Ausschlussfrist, Beschluss, Jahresabschluss, Ladenschlussgesetz, Schlussverkauf; Praxis-Beispiel
Betroffen ist hiervon auch das Wörtchen dass, wenn es als Bindewort (Konjunktion) gebraucht wird (alt daß):Genussschein, Kompromiss, Messgerät, Misserfolg, Nachlass, Prozess, Stress, verlässlich, Überschuss, Vorschuss, Zuschuss und Zahlungsfluss. Man kann sogar sagen, dass dies das Erkennungszeichen der Rechtschreibreform ist, denn dass ist ein häufiges Wort. Test: Dass oder das? Wenn Sie einmal im Zweifel sind, ob Sie es mit der Konjunktion dass oder dem Pronomen das zu tun haben, können Sie einen einfachen Test machen. Wenn das durch welches ersetzt werden kann, schreibt man es mit einem s: Praxis-Beispiel
Diese Ersetzung funktioniert bei der Konjunktion dass nicht:
Goldpfeil ist das Pferd, das den Pokal gewonnen hat (welches den Pokal gewonnen hat). Das Auto, das ich gekauft habe, ist eine Montagsproduktion (welches ich gekauft habe). Praxis-Beispiel Ich glaube nicht, dass das Pferd den Pokal gewinnen wird. Nach langem Vokal und Doppellaut "ß" Die neue Rechtschreibung schafft das ß nicht ab, denn der zweite Teil der Regel besagt erstens: Wenn der Vokal vor dem s-Laut lang ist, schreibt man wie bisher ß: Praxis-Beispiel
Und so ändert sich auch nichts bei: Praxis-Beispiel
Weil Sie gleich hören können, dass der Vokal lang ist, müssen Sie überhaupt nicht darüber nachdenken, ob sich bei diesen Wörtern etwas geändert hat. Zweitens schreibt man aber auch nach Doppellauten (den sogenannten Diphthongen) weiterhin ß. Im Deutschen gibt es in der gesprochenen Sprache drei Doppellaute, die, wie der Name sagt, aus der Verbindung von zwei (vokalischen) Lauten bestehen, nämlich au, ai/ei und eu/äu. In der Schrift entsprechen den drei Diphthongen also fünf Buchstabenkombinationen. (Den Diphthong ui brauchen wir nicht zu berücksichtigen, weil er nur in den Ausrufen Ui! und Pfui! vorkommt.) Praxis-Beispiel
Kurzer Laut geht vor Wortstamm Die eindeutige Regelung der s-Schreibung verdankt sich dem Lautprinzip. Damit ändert sich auch bei einigen Verben etwas, die kurze Vokale haben (du lässt, er muss etc.). Bei manchen kommt dabei gleichzeitig das Stammprinzip zum Zug, denn alle Formen werden nun gleich geschrieben. Aber in anderen Fällen wird das Stammprinzip auch verletzt. Hinweis
Also Achtung: Der Schaden lässt/ließ sich nicht mehr beheben.
Merken Sie sich bei Verben mit ß/ss: Die Lautung hat immer Vorrang! Hier widerspricht das Lautprinzip dem Stammprinzip nicht: fassen - sie fasst - er fasste - gefasst Die Daten werden per Computer erfasst. Ebenso bei müssen u. v. a.: müssen - er muss - sie musste - gemusst Ich muss Sie darauf aufmerksam machen, dass? Hier geht das Lautprinzip vor: messen - sie misst - er maß - gemessen; lassen - er lässt - sie ließ - gelassen. Noch ein kleiner Hinweis Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen: Wo bisher nach kurzem Vokal s geschrieben wurde, ändert sich nichts: Praxis-Beispiel
Sie erinnern sich an das Prinzip der Unterscheidungsschreibung? Hier haben Sie schöne Beispiele dafür.In Last, das sich von lasst (ihr lasst) unterscheiden soll, in fast, das sich von fasst (sie fasst nach) unterscheidet, in das (als Artikel wie in das Haus bzw. als Pronomen wie in das Haus, das abbrannte), im Unterschied zur Konjunktion dass (wie in er glaubt, dass). Vorsicht, Dialekt-Falle! In einigen deutschen Gegenden werden Vokale, die standardsprachlich lang gesprochen werden, kurz gesprochen. So wird z. B. Ruß standardsprachlich mit langem u, in Westfalen aber mit kurzem u gesprochen. Daraus dürfen Sie als Westfale aber nicht ableiten, dass Ruß mit -ss zu schreiben wäre! Selbst wenn Sie zum Beispiel Vater immer mit kurzem -a- sprechen, schreiben Sie ja auch nicht Vatter. In einem Fall ist übrigens die standardsprachliche Aussprache nicht klar - die Reformatoren haben daher die Schreibungen Löss und Löß zugelassen. Hinweis
Wenn Sie unsicher sind, was denn die standardsprachliche Lautung ist, vergegenwärtigen Sie sich einfach, wie die Nachrichtensprecher von Tagesschau oder Tagesthemen sprechen!Wenn Sie überlegen, ob ein Vokal kurz oder lang ist, denken Sie daran: Es gilt die deutsche standardsprachliche Aussprache! Besonderheiten in Österreich und der Schweiz Übrigens: Wenn Sie öfter Zeitungen aus der Schweiz lesen, werden Sie wissen, dass man im Schweizer Schriftdeutsch kein ß benutzt (außer bei Eigennamen). Daran hat auch die Reform nichts geändert. "Aus aktuellem Anlass ..." - einige Formulierungen für Mustertexte Und nun noch einige Standardformulierungen, die von den Änderungen des ersten Gebots betroffen sind. Wenn sich solche oder ähnliche Wendungen in Ihrer Korrespondenz, z. B. in Musterbriefen finden, sollten Sie sie am besten gleich ändern bzw. prüfen, ob sie geändert sind: Praxisbeispiel
Aus gegebenem/aktuellem Anlass ? Es lässt sich leider nicht vermeiden, dass ? Der Schlussbetrag ist am ? fällig. Wir gewähren einen Nachlass von ? Unser Angebot umfasst ? Wir sind überzeugt, dass ? Ich muss nicht betonen, dass ? Für den Fall, dass ? Hier liegt leider ein Missverständnis vor.
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