Anreden vor dem Text
Grundsätzliches
Mit der Anrede vor dem Text kommen Sie "ins Gespräch" mit Ihrem Leser. Entscheidungen werden selten nur über rationale Gesichtspunkte getroffen. Persönliche Beziehung, Vertrautheit, kommunikative Distanz sind wichtige Kriterien. (Beziehung zwischen rhetorischen Distanzzonen und der Vertrautheit zum Leser - s. auch Punkt 1)
Deshalb: Verschenken Sie nicht die Möglichkeiten, mit der Anrede vor dem Text die Beziehungen zum Leser auszugestalten.
Zum Aufbau
Die Zeile beginnt mit der Anrede und wird mit dem Namen (bzw. auch der Funktionsbezeichnung) fortgesetzt.
Zum Beispiel
Sehr geehrte Frau Dr. Meyer,
oder auch
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
Die Anredezeile endet mit einem Komma. Am Textbeginn wird demzufolge, wenn ein kleinzuschreibendes Wort steht, kleingeschrieben. In der Schweiz schreibt man ohne Komma nach der Anrede klein weiter.
Die Anrede wird durch eine Leerzeile vom Text getrennt.
Anreden als Spiegelbild der Distanz zum Leser
Die Standardformeln für viele Briefe lauten:
"Sehr geehrte Frau ...,"
"Sehr geehrter Herr ...,"
Mit diesen Varianten machen Sie nichts falsch. Allerdings wirkt das Wort "geehrte" für viele Nutzer bereits veraltet. Der Kunde ist König? Das war einmal. Der Kunde ist Partner! Die Beziehungen zwischen Menschen entwickeln sich. Damit entwickelt sich auch Ihre Sprache. Während "Sehr geehrte" für großen Respekt, ja fast schon Unterwürfigkeit steht, fassen wir Beziehungen zum Kunden bzw. Geschäftspartner gegenwärtig als Partnerschaft auf. Das spiegelt sich in der verwendeten Sprache (den Anredeformen) wider.
Welche zeitgemäßen Anredeformeln sind möglich?
"Guten Tag, Frau Schulze,"
(Für eine Geschäftsbeziehung, bei der Sie den Leser Ihres Briefes bereits ganz gut kennen.)
"Hallo, Frau Schulze,"
(Für die E-Mail-Korrespondenz, bei der Sie den Leser bereits kennen.)
"Liebe Frau Dr. Schulze,"
(Für sehr gute und vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen.)
Sie können also ganz bewusst mit den Formulierungen in der Anrede vor dem Text die Distanz zum Kunden darstellen. Die folgende Tabelle zeigt die grundsätzliche Ausdrucksvarianten mit ihrer Distanzwirkung.
Häufig gestellte Fragen
- Wenn Sie eine offizielle Anrede entschärfen wollen, weil Sie den Empfänger persönlich kennen, schreiben Sie nach der entsprechenden Zeile eine persönliche Anrede handschriftlich
- Machen Sie den Gebrauch von Anredeformeln vom Anlass Ihres Briefes abhängig. Zum Beispiel bei einer Reklamation: Bleiben Sie offiziell und distanziert.
- Bei zwei Anreden schreiben Sie am besten untereinander. Der Ranghöhere steht geschäftlich zuerst. Dabei kann es sein, dass die Frau an zweiter Stelle hinter dem Mann steht. Der Mann hat in diesem Fall die höhere Position im Unternehmen. Bei privaten Anschriften steht die Frau an erster Stelle:
| Geschäftlich: | Privat: |
|
Sehr geehrter Herr Meyer | Sehr geehrte Frau Dr. Meyer, |
|
sehr geehrte Frau Dr. Meyer | sehr geehrter Herr Meyer, |
Das "sehr" auf der zweiten Zeile wird kleingeschrieben.
- Wenn Sie mehrere Personen anschreiben, benutzen Sie offiziell am besten die Formel "Sehr geehrte Damen und Herren,". Bei vertrauten Verhältnissen setzen Sie die Bezeichnungen der Personengruppe ein. Zum Beispiel: "Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter". Die Schreibung "MitarbeiterInnen" ist laut Duden nicht erlaubt.
- In der Anrede vor dem Text werden nur die akademischen Grade "Dr." bzw. "Prof." vor dem Namen abgekürzt geschrieben.
- Nur wenn Sie ganz offiziell vorgehen und Führungskräfte anschreiben, geben Sie nach der Anrede den Titel an. Zum Beispiel: "Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister". Diese Bezeichnungen werden nicht abgekürzt. Auf die Angabe des Namens wird verzichtet.
- Lassen Sie Anredeformeln nicht weg, auch nicht bei E-Mails. Das Weglassen wirkt sehr unpersönlich und unhöflich. Kürzen Sie niemals diese Formen ab.
- Verzichten Sie auf völlig veraltete Formen, wie "Werte", "Sehr verehrte" und Fräulein.
Zusammenfassung
Machen Sie die konkrete Formulierung der Anrede vor dem Text von der Qualität der Beziehungen abhängig. Entscheiden Sie über die Formulierung nach der Distanz zum Leser.
Beispielanschriften, Anreden und Grußformen im Überblick
Im Folgenden finden Sie Anredeformen und Grußformen nach Fallgruppen tabellarisch geordnet. Dabei handelt es sich um häufig frequentierte Fallgruppen und deren grundsätzliche Formen. Selbstverständlich sollten Sie Ihre jeweiligen konkreten Beziehungen berücksichtigen (s. Punkt 1).
Firmen
Öffentlicher Bereich (Landkreis und Kommunen)
Vereine, Vereinigungen und Verbände
Privatanschriften
