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Schriftverkehr allgemein

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Die kniffligsten Fragen zur deutschen Sprache

Zweifelsfall Nummer 1: Die Rechtschreibreform und die Neuregelungen

Für besonders viel Verwirrung hat in den vergangenen Jahren die Reform der deutschen Rechtschreibung gesorgt – selbst bei Muttersprachlern. Sind Sie nun bezüglich Rechtschreibung und Neuregelungen auch verunsichert? Keine Sorge – mit unseren fünf Praxistipps packen Sie den Stier bei den Hörnern – olé!

Zweifelsfall Nummer 2: Stilvolles Deutsch

"Ich bin heute Morgen zu spät gekommen, weil ich habe verschlafen." Jagt Ihnen das als Sprachvirtuose einen leichten Schauer über den Rücken? Das ist auch gut so, denn die Konjunktion "weil" drängt das konjugierte Verb an den letzten Platz des Satzes: "..., weil ich verschlafen habe." Als Kompromiss können Sie die Umschreibung mit "denn" verwenden: "Ich bin heute Morgen zu spät gekommen, denn ich habe verschlafen." Denn und weil sind in ihrer Bedeutung identisch.

Ein Fehler, der im Alltagsdeutsch auch leicht übergangen wird, ist die Steigerung von "einzig" zu "einzigste". Der Rechtschreibduden sagt dazu: "einzig darf nicht gesteigert werden: er war mein einziger (nicht mein einzigster) Freund." Andere Beispiele sind die Adjektive perfekt und optimal, von denen es ebenfalls keine Steigerungsform gibt.

Unser Tipp: Wenn Sie etwas besonders betonen wollen, ist es legitim, einzigst zu verwenden. Das trifft auch auf Formen wie zum Beispiel "stets zur vollsten Zufriedenheit" oder "in keinster Weise" zu.

Das ergibt Sinn - an dieser Stelle sind wir gleich an einem neuen Stilaspekt angelangt. Denn die Formulierung "das macht Sinn" ist ebenfalls wieder so ein Fehlerzwerg, der sich aus dem Englischen "to make sense" ins Deutsche eingeschlichen hat. Wählen Sie stattdessen "Sinn ergeben" oder "Sinn stiften" – damit liegen Sie auf der richtigen Seite. Es ist also gar nicht so schwierig, die Stilfrage zu lösen.

Achtung Stolperstein: Schwer und leicht bezeichnen eine greifbare Masse, schwierig und einfach hingegen eher ein Problem oder Gedanken. Die Formulierung "es ist also gar nicht so schwer, die Stilfrage zu lösen" wäre demnach kein stilvolles Deutsch. Die gleiche Regel trifft auf die Unterscheidung zwischen leicht (Masse, Gewicht) und einfach (abstrakt) zu. Im Grunde hat sich die Verwechslung jedoch schon so eingebürgert, dass es zur Standardsprache gezählt werden kann.

Verlassen wir an diesem Punkt die Ebene des Stils und dringen weiter in den Irrgarten der deutschen Sprache vor. Kennen Sie aus der Schulzeit noch den Begriff "Gänsefüßchen"?

Zweifelsfall Nummer 3: Apostrophe und Akzente

In den letzten Jahren hat sich das Deutsche in Teilgebieten dem Englischen angepasst - auch im Hinblick auf die Orthografie. Achten Sie darauf, die beiden Sprachregeln nicht zu verwechseln! Hier kommen die wichtigsten To-Do-Regeln, damit sie in punkto Apostroph und Akzent brillieren können.

Apostroph-Regeln
Der Apostroph in der deutschen Sprache kennzeichnet die Auslassung von Buchstaben und den Genitiv von Namen, die auf s, ss, ß, tz, z, x und ce enden und bei deren Verwendung kein Artikel, Possessivpronomen oder dergleichen benutzt wurde, z. B. stimmt's (stimmt es), Ku'damm (Kurfürstendamm) oder Tanitz' Gedichte (Gedichte des Autors Tanitz).

Verschmilzt eine Präposition mit einem Artikel, wird kein Apostroph gesetzt, also durchs (für: durch das), aufs (für: auf das) und ans (für: an das).

Im Bezug auf eine Besitzangabe ist die Apostrophsetzung Geschmackssache. Die Sprachversierten unter Ihnen wählen mit Sicherheit die folgende Regel: Andreas Buch (von Andrea), aber Andreas' Buch (von Andreas) und Carlos Bücherei (von Carlo), aber Carlos' Bücherei (von Carlos).

In Ausnahmefällen kann auch im Deutschen der Apostroph im Genitiv gesetzt werden, aber nur dann, wenn durch den Apostroph die Grundform eines Namens verdeutlicht wird: Andrea's Buch (von Andrea, nicht von Andreas) oder Carlo's Bücherei (von Carlo, nicht von Carlos).

Akzent-Regeln
Wie Sie wissen gibt es den Akzent in der deutschen Sprache eigentlich gar nicht. Es findet nur Anwendung in Verbindung mit einem darunter stehenden Buchstaben, und auch dann nur bei Fremdwörtern oder ausländischen Wörtern wie André, René, Café.

Unser Tipp: Verwechseln Sie nicht den Apostroph und den Akzent auf Ihrer PC-Tastatur. Das Zeichen ' ist der korrekte Apostroph, während ` oder ´ den Akzent markiert. Für den Akzent drücken Sie erst die Akzenttaste und dann den Buchstaben, ansonsten können unschöne Kreationen wie Apre`s Ski statt Après Ski entstehen.

Zweifelsfall Nummer 4: Der Bindestrich

Mehr Schreibfreiheit- das ist einer der wichtigsten Grundsätze bei der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung. Zusammengesetzte Wörter kann man immer ohne Bindestriche aneinander reihen, aber häufig hat der Leser mit den endlos langen Wörtern zu kämpfen. Deshalb kann der Bindestrich sinnvoll eingesetzt werden, um mehrteilige zusammengesetzte Wörter leichter lesbar zu machen. Die drei großen Kann-Regeln sollten Sie im Petto haben:

  • Zusammentreffen dreier gleicher Buchstaben (vgl. Prozess-Steuerung statt Prozesssteuerung)
  • mehrteiligen zusammengesetzten Wörtern (v. a. mit englischen Wörtern) (vgl. Personalkosten-Management statt Personalkostenmanagement)
  • Zusammensetzungen mit Ziffern und Abkürzungen (z. B. 8-seitig, 4-mal, Kfz-Unterlagen, km-Zahl)

Unser Hinweis: Ziffern und Abkürzungen werden bei Zusammensetzungen mit anderen Wörtern gekoppelt. Ein Bindestrich muss also gesetzt werden.

Achtung Ausnahme: Bei nachgestellten Silben steht kein Bindestrich. Die Silben ergeben keinen Sinn, wenn sie für sich alleine stehen (z. B. 6fach, 68er). In solchen Fällen steht nur dann ein Bindestrich, wenn es sich um Einzelbuchstaben handelt (x-te Wurzel).

Extratipp: Bindestriche haben die Funktion, Sinnzusammenhänge hervorzuheben. Beispielsweise ist der "Kundenauftragsabwicklungsprozess" ein "Prozess der Abwicklung von Kundenaufträgen". Dann sollte ein Bindestrich vor -prozess stehen: Kundenauftragsabwicklungs-Prozess.

Zweifelsfall Nummer 5: Genitiv oder Dativ?

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod – wer kennt sie nicht die berühmt berüchtigten Zwiebelfischkolumnen von Bastian Sick. Doch leider passiert es immer noch häufig, dass die beiden Kasus verwechselt werden und vor allem der Genitiv vermieden wird. Wieso eigentlich? Keine Angst, er beißt nicht.

Hätten Sie es gewusst?

Hier sind noch einige interessante Fakten über die deutsche Sprache, mit denen Sie Ihrer Rolle als Kommunikationsprofi die goldene Krone aufsetzen.

Deutsche Sprache - junge Sprache
Die deutsche Sprache ist erst ca. 1200 Jahre alt. Zum Vergleich: Vor über 3000 Jahren entstanden die chinesischen Schriftzeichen - die Sprache selbst ist noch viel älter. Der Ursprung der deutschen Sprache ist das Germanische, das z. B. auch Englisch und Niederländisch hervorgebracht hat. Allerdings gab es rund um das Jahr 800, als dieser Prozess in Gang kam, noch keine überregionale, einheitliche Sprache, wie wir sie heute als Hochdeutsch kennen. Und das was die Menschen damals sprachen, wäre für unsere Ohren nur schwer zu verstehen.

Einige der wenigen Dokumente, durch die dieses sogenannte "Althochdeutsch" überliefert ist, stellen Forscher bis heute vor Rätsel. Als nächste Stufe in der Sprachentwicklung kam das Mittelhochdeutsch auf. So heißt die Sprache, die die Menschen in unseren Breiten zwischen 1050 und 1350 n. Chr. sprachen. Damit sind wir in der höfischen Zeit angekommen - mit Rittern, Burgfräulein und vor allem fahrenden Sängern, die von Burg zu Burg zogen oder mit ihren adligen Auftraggebern reisten. Diese höfische Kultur war Voraussetzung dafür, dass sich eine überregionale Sprache herausbildete. Vielleicht sagt Ihnen ja der Name Walther von der Vogelweide etwas - er schrieb seine Gedichte und Minnelieder auf Mittelhochdeutsch.

Tag der deutschen Sprache
Eine Spanierin schrieb an den Deutschen Sprachrat über das Wort "Fernweh": "Dieses Wort ist für mich das schönste deutsche Wort, weil es das Wort ist, das ich lebenslang gesucht habe." Meist ist uns selbst die Schönheit deutscher Wörter nicht bewusst.

Seit dem Jahr 2001 findet jährlich der "Tag der deutschen Sprache" (TdS) am zweiten Septembersamstag statt. Der größte deutsche Sprachverein Verein Deutsche Sprache (VDS) gilt als Urheber dieses Tages. Das Ziel ist es, die Menschen für den Gebrauch, die Wahrung und internationale Präsenz unserer Muttersprache zu sensibilisieren. Im letzten Jahr verzichteten einige Zeitungen an diesem Tag vollständig auf Anglizismen. Weiterhin werden jedes Jahr viele Veranstaltungen geplant, bei denen sich alles um das Deutsche dreht. Wann bei Ihnen welche Aktionen stattfinden, finden Sie auf der Homepage des Vereins Deutsche Sprache e.V.

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Erstellt am: 04.09.2008 17:01, Letzte Änderung: 12.03.2010 14:57
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Kommentare 2
  • sekretaria Kommentar bewerten
    (0 Bewertungen)
    14.09.2011 | 14:50 Uhr  
    Hallo Frau Hollenbach,

    wir haben Ihnen per E-Mail geantwortet.

    Freundliche Grüße
    Ihr sekretaria-Team
  • holleni Kommentar bewerten
    (0 Bewertungen)
    14.09.2011 | 08:27 Uhr  
    Sehr geehrte Damen,
    den 2. Absatz über das Genitiv-s it mir unklar, da doch der 1. Absatz eindeutig die Regel beschreibt. Warum wird im 2. Absatz DOCH das ' verwendet? Mir fällt oft auf, dass Menschen ein ' verwenden, wo es doch in der dt. Sprache nicht korrekt ist. Für eine Erklärung danke ich Ihnen. Bitte an folgende Adresse: koehl_i@gmx.de
    Freundliche Grüße
    Ingrid Hollenbach
    Im Bezug auf eine Besitzangabe ist die Apostrophsetzung Geschmackssache. Die Sprachversierten unter Ihnen wählen mit Sicherheit die folgende Regel: Andreas Buch (von Andrea), aber Andreas' Buch (von Andreas) und Carlos Bücherei (von Carlo), aber Carlos' Bücherei (von Carlos).

    In Ausnahmefällen kann auch im Deutschen der Apostroph im Genitiv gesetzt werden, aber nur dann, wenn durch den Apostroph die Grundform eines Namens verdeutlicht wird: Andrea's Buch (von Andrea, nicht von Andreas) oder Carlo's Bücherei (von Carlo, nicht von Carlos).